Unschuldiger wird zum Opfer

Nach TV-Beitrag wird falscher Verdächtiger fast totgeschlagen - jetzt laufen Ermittlungen gegen RTL

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In der RTL-Sendung „Punkt 12“ wurde der Beitrag über den mutmaßlich pädophilen Mann ausgestrahlt. 

Mehrere Männer wollten in Bremen das Recht in die eigene Hand nehmen und brachten einen mutmaßlichen Pädophilen fast um.

Update 15. Juni, 17.20 Uhr: Nun laufen Ermittlungen gegen RTL

Nach dem erschütternden Fall von Lynchjustiz in Bremen laufen nun Vorermittlungen gegen den TV-Sender RTL. Wie das Medienportal meedia.de von der Bremer Staatsanwaltschaft erfuhr, wurde ein entsprechendes Verfahren eingeleitet.

Am Dienstag wurde in der RTL-Mittagssendung „Punkt 12“ ein Beitrag über einen mutmaßlich pädophilen Mann gezeigt. Ein 13-jähriges Mädchen spielte dabei für den Sender den Lockvogel und verabredete sich über ein Internetportal mit einem 28-Jährigen. Laut RTL habe sich dieser bei dem Treffen „auffällig“ verhalten. Zwar wurde er für den RTL-Beitrag unkenntlich gemacht, sein Wohnblock jedoch ohne Verpixelungen gezeigt, 

Mehrere Zuschauer fuhren daraufhin zu dieser Anschrift. Sie glaubten, einen 50-Jährigen als denjenigen Mann aus dem TV-Beitrag wiedererkannt zu haben. Noch während die RTL-Sendung lief, schlugen sie ihn fast tot. Mit zunächst lebensbedrohlichen Verletzungen wurde er in eine Klinik gebracht. Die Polizei erklärte, dass gegen das Prügel-Opfer überhaupt kein Verdacht besteht. Gegen die Schläger wird jetzt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes ermittelt. 

Sogar der tatsächlich gefilmte Mann steht nicht im Verdacht, pädophile Neigungen zu haben, teilte die Bremer Polizei am Freitag mit. Er habe sich bei den Beamten gemeldet, die Kripo habe ihn daraufhin überprüft. 

So wurden zwei unschuldige Männer Opfer eines RTL-Berichts. 

Meldung am Donnerstag: Schauerhafter Fall von Selbstjustiz

Bremen - Ein schauerhafter Fall von Selbstjustiz in der Hansestadt Bremen: Mehrere Unbekannte schlugen am Dienstagmittag einen 50-Jährigen krankenhausreif. Sie glaubten ihn in einem TV-Beitrag über Pädophile wiedererkannt zu haben. Laut der Polizei steht er aber nicht in Verdacht, pädophile Neigungen zu haben.

Ein TV-Sender hatte in einem Beitrag geschildert, wie Reporter über das Internet Kontakt zu vermeintlich Pädophilen suchten. Der Film zeigte einen Mann, dessen Verhalten durch die Reporter als verdächtig beschrieben und gefilmt wurde. Die Täter waren überzeugt, dass sie das Mehrfamilienhaus des mutmaßlichen Pädophilen im Bremer Norden erkannt hätten und fuhren dort hin.

Die brutale Folge: Der 50-Jährige wurde durch die Schläger lebensgefährlich verletzt. Zwar scheint er mittlerweile über den Berg zu sein, doch die Polizei ermittelt nun wegen eines versuchten Tötungsdeliktes. Die Polizei sucht nun nach Zeugen. 

Bremer Polizei warnt vor Selbstjustiz

In einer Pressemitteilung schreibt die Polizei: „Die Männer glaubten, das Recht in die eigene Hand nehmen zu müssen.“ Die Bremer Polizei warnt vor Selbstjustiz: „Keine Form und kein Anlass zur Selbstjustiz sind tolerierbar. Es ist die Aufgabe der Staatsanwaltschaft und der Polizei Straftaten zu verfolgen.“

Eine harmlosere, aber sehr ärgerliche Form von Selbstjustiz erlebte ein Autofahrer ebenfalls in Bremen. Sein Auto wurde mit Farbe beschmiert. 

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