"Love-Alien"

BR-Film: Dieser Mann (30) hatte noch nie Sex

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Wolfram Huke

München - Als er seinen 30. Geburtstag feierte, war Wolfram Huke noch Jungfrau - und ungeküsst. Darüber, wie sich das anfühlt, hat er einen mutigen Film gemacht.

„Wieder ein Jahr vorbei, wieder nicht geküsst“. Wolfram Huke sitzt vor seiner Kamera und feiert Geburtstag. Vor ihm auf dem Tisch brennt eine Kerze - und Huke ist allein. Mit 30 Jahren hatte er noch nie eine Freundin, ist noch Jungfrau - und ungeküsst. „Was ist schief gelaufen, wenn du 30 wirst - und dein Kontostand in Sachen Liebe noch auf Null steht?“ - diese Frage stellt er in seinem Dokumentarfilm „Love Alien“, den das Bayerische Fernsehen an diesem Dienstag (22.45 Uhr) ausstrahlt.

Ein Jahr lang - zwischen seinem 29. und 30. Geburtstag - hat Huke sich selbst beim Alleinsein gefilmt und daraus einen mutigen Film gemacht - aus radikal subjektiver Perspektive. „Was machst Du für Bilder vom Alleinsein? Lässt man sich von jemand anderem beim Alleinsein filmen, ist man ja schon nicht mehr allein. Darum war für mich die Form, einen Film über mich selbst zu machen, das naheliegendste“, sagt Huke der Nachrichtenagentur dpa.

Und so sieht man ihn etwas verloren auf einer Party, beim Sport, auf dem Jakobsweg, bei der Therapie oder beim Umstyling - und immer wieder allein zu Hause. „Der Film hat kein Happy End und natürlich ist das ein schwermütiges Thema, aber ich hab' jetzt nicht versucht, einen total traurigen Film zu machen. Das wäre ein bisschen viel des Guten gewesen.“

Huke ist ein sympathischer und - wenn man das so sagen will - völlig normaler Mann Anfang 30: Student der Hochschule für Fernsehen und Film in München, mit Freunden und einem Sozialleben, das viele seines Alters ganz genau so haben. Mit der Liebe hat es trotzdem nie geklappt - warum, das weiß er auch nicht. „Das ist nicht nur Pech, dass ich kein Liebesleben habe. Jeder in dem Film hat ja auch irgendwie eine Theorie, woran es liegen könnte. Aber auch nachdem ich mich jetzt ein ganzes Jahr so intensiv damit beschäftigt habe, weiß ich immer noch nicht, woran es liegt.“

Mit gut gemeinten Ratschlägen, die im Film als Worthülsen umherfliegen, habe er nicht wirklich etwas anfangen können. „Diese Tipps, ja, das sind die nahe liegenden Sachen: Geh raus, mach Sport, kauf Dir neue Klamotten. Ich hab die aber nicht auf eine Liste geschrieben und abgearbeitet oder so. Ich habe nicht das Bedürfnis, mich zu verändern, weil ich gar nicht wüsste, wie ich dann werden sollte.“

Huke ist mit seinem Problem nicht allein. Zwar hat nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung rund ein Drittel der Jugendlichen sein erstes Mal bis zum 18. Geburtstag hinter sich, Huke aber ist kein Einzelfall. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, aber zwischen zwei und drei Prozent der Erwachsenen in Deutschland hatten nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Sexualmedizin, Sexualtherapie und Sexualwissenschaft noch nie Sex. „Absolute Beginner“ nennen sich einige von ihnen, wie die Autorin Maja Roedenbeck, die ein Buch mit dem Titel „Und wer küsst mich?“ geschrieben hat.

„Ich kann nicht für alle "Absoluten Beginner" sprechen, aber mit diesem Thema trifft man natürlich einen Nerv und bricht vielleicht auch ein Tabu“, sagt Huke. Das Thema sei ja medial durchaus präsent, sagt er und nennt Formate wie "Bauer sucht Frau" oder "Schwiegertochter gesucht". „Das ist aber keine Form, in der ich mich und meine Situation wiedergegeben gefühlt habe. Auf meiner Kinotour habe ich gemerkt, wie viel Gesprächsbedarf es da gibt.“

Im vergangenen Jahr kam sein Film ins Kino, drei Tage nach der Ausstrahlung im Bayerischen Fernsehen in dieser Woche erscheint er auf DVD - und noch mehr hat sich getan im Leben des Dokumentarfilmers: Er ist nach Leipzig gezogen - und: „Seitdem ich hier bin, gab es zwei zaghafte Beziehungsversuche. Ich kann nichts Handfestes vorweisen, aber ich bleibe irgendwie dran - und bin wenigstens schon nicht mehr ungeküsst.“

dpa

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