15 Jahre "Akte": Ulrich Meyer hofft auf viele weitere Jahre

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Moderator Ulrich Meyer ist eins der Zugpferde des Senders Sat. 1. "Akte" feiert am 5. Januar 2010 um 22.15 Uhr den 15. Geburtstag.

München - Wo immer Not an Mann ist, Ulrich Meyer ist mit "Akte" zur Stelle und versucht zu helfen. Demnächst feiert das Format seinen 15. Geburtstag.

Wenn einer hinter unseriösen Schlüsseldiensten herrennt, dann ist es Ulrich Meyers Reporter von der “Akte“. Wenn jemand einen Internet-Abzocker ins Privathaus verfolgt, dann ist es auch Ulrich Meyers Mitarbeiter. Und wenn jemand bis auf die Kapverdischen Inseln reist, um einen betrügerischen Reiseveranstalter zur Rede zur stellen? Richtig: dann ist es wieder die Abteilung Meyer. Seit 15 Jahren rücken der heute 54-Jährige und seine Mannschaft Betrügern, Gaunern und Ganoven auf die Pelle. Meyer startete auf Sat.1 am 4. Januar 1995 mit der “Akte 95“, seine Jubiläumssendung (“Akte 10“) läuft an diesem Dienstag (22.15 Uhr).

Ein Ende ist nicht in Sicht. Eine wechselvolle Geschichte hat der Moderator und Geschäftsführer Meyer, dem die Produktionsfirma Meta Productions gehört, inzwischen hinter sich. Mehrfach wechselte Sat.1 den Sendeplatz. Das Magazin startete an einem Mittwoch, wanderte auf den Montag, dann auf den Dienstag, später auf den Donnerstag, schließlich wieder auf den Dienstag. Trotz dieses Zickzack-Kurses nahm der Selfmade-Mann aus Köln mit Arbeitsplatz in Berlin die Zuschauer mit. Im Fußballer- Jargon würden die Fans sagen: “Unabsteigbar“ oder “unkaputtbar“. Rund drei Millionen Menschen sitzen dienstags vor den Bildschirmen, in der für Sat.1 wichtigen Zielgruppe betrug 2009 der Marktanteil 11,8 Prozent.

“Unser Magazin hat aufgrund der sozialen Kälte vor dem Hintergrund der Wirtschafts- und Finanzkrise einen hohen Zuspruch“, sagt Meyer. “Unser Motto “Reporter kämpfen für Sie“ kommt sehr gut an.“ Allerdings muss auch Meyer mit Einschränkungen leben: “Unsere Beiträge kommen alle aus dem eigenen Haus“, sagt der Moderator. “Die Erlöse der Sendung sind nicht mehr vergleichbar mit denen, die wir vor Jahren einmal hatten.“ Auslandsreisen seien so kaum mehr möglich. “Aber wir halten es mit dem rasenden Reporter Egon Erwin Kisch: Die wahren Abenteuer ereignen sich um die Ecke.“

Doch auch da lauern die Probleme, meist juristischer Natur: Die Leute wüssten heutzutage sehr wohl, meint Meyer, dass sie verlangen können, die Kamera ausschalten zu lassen. Eine Verfolgungsjagd durch das Treppenhaus kann auch schon mal als Hausfriedensbruch vor Gericht enden.

Mit seinem Standbein “Akte“ (zwei Dutzend Mitarbeiter) kann Meyer, der seine Karriere bei RTL begann und später mit dem “Krawall“-Talk “Einspruch“ bei Sat.1 landete, zufrieden sein. Ein weiteres Standbein hat er mit der Sendung “Escher - Der MDR-Ratgeber“, für die 15 Kollegen tätig sind. Über einige Jahre sendete Sat.1 auch seine “Fahndungsakte“, eine Privat-TV-Version des Eduard-Zimmermann- Klassikers “Aktenzeichen XY.. ungelöst“ im ZDF. Auf ein positives Echo hofft Meyer für seine neue Entwicklung, die “Akte Schicksal“, die 2009 bereits testweise lief.

Weitere Pläne hat der Mann, der getrost als einer der Pioniere des Privatfernsehens bezeichnet werden darf, derzeit nicht. Meyer beobachtet auch die Entwicklung seines Kollegen Johannes B. Kerner bei Sat.1 intensiv und mit einer gewissen Sorge. “Das gepflegte Gespräch fand bei Sat.1 in der Sendezeit nach 17.30 Uhr lange nicht statt“, sagt er. “Daher braucht es seine Zeit, das Publikum wieder an solche Sendungen heranzuführen.“ Für Meyer steht indes fest: Auch wenn er eines Tages die Bühne als Moderator verlässt, soll das Magazin mit dem Untertitel “Reporter kämpfen für sie“ weiterbestehen.

dpa

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