Wittinger Schulausschuss will flächendeckende Ganztagsangebote weiter auf den Weg bringen

Zwischen Skepsis und Zustimmung

Der Wittinger Schulausschuss bei der Besichtigung der Radenbecker Grundschule in einem Raum, der von Schülern der Wittinger Eichenwaldschule genutzt wird. Für Ganztagsbetreuung müssten die Grundschulen wohl auch räumliche Zusatzausstattung bekommen.
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Der Wittinger Schulausschuss bei der Besichtigung der Radenbecker Grundschule in einem Raum, der von Schülern der Wittinger Eichenwaldschule genutzt wird. Für Ganztagsbetreuung müssten die Grundschulen wohl auch räumliche Zusatzausstattung bekommen.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen/Radenbeck/Knesebeck. Ganztagsbetrieb für die Grundschulen im ganzen Stadtgebiet? Die Politik steuert weiterhin auf dieses Ziel zu, auch wenn es im Schulausschuss jetzt durchaus skeptische Stimmen gab.

Als wahrscheinlich gilt, dass noch dieses Jahr auch für Radenbeck die Ganztagsschule beantragt wird. Dafür muss noch ein Beschluss der Schule her, was aber offenbar als Formsache gilt.

An allen drei Standorten – Wittingen, Knesebeck und Radenbeck – Ganztagsangebote zu schaffen, ist das erklärte Ziel des Stadtrates. Jüngste Ergebnisse von Elternabfragen haben aber zumindest bei der SPD zu Stirnrunzeln geführt. Das signalisierte Interesse war nicht so groß, wie mancher sich das vielleicht vorgestellt hatte. „Hier wird deutlich, dass die Eltern nicht so denken, wie wir gedacht haben“, meinte der Sozialdemokrat Jörg Bialas. Und sein Fraktionskollege Artur Geiger betonte, man sie bei der SPD „grundsätzlich für ein gutes Ganztagsangebot“, müsse aber die absehbaren „massiven Aufwendungen“ mit der offenbar eher schwachen Resonanz seitens der Familien in Einklang bringen.

Aktuelle Anmeldezahlen, die dem Schulausschuss vorlagen, zeigen: Von 351 Grundschülern im Stadtgebiet haben 35 ein Ganztagsangebot gewählt. Einige Vertreter von Schulen führten ins Feld, dass ein Teil der Eltern mit der Abfrage nicht viel anfangen konnte, eben weil beispielsweise Radenbeck noch keine Ganztagsschule hat. Von der dortigen Grundschule heißt es, von 59 Befragten hätten 21 Bedarf für eine Betreuung bis zirka 14.50 Uhr angemeldet.

Für die CDU-Vertreter im Ausschuss war die flächendeckende Ganztagsversorgung eine Prinzipfrage: „Eine Abkehr von der Ganztagsschule wäre ein schlechtes Signal“, befand der Ausschussvorsitzende Christian Hinze-Riechers. Und Hermann Lahmann, ebenfalls CDU, verwies auf den bundes- und landesweiten Trend hin zu Ganztagsbetreuung: „Das ist ein Standortfaktor, da sollten wir uns nicht an Zahlen festbeißen.“

Belastbare Daten zu den Kosten für die flächendeckende Ganztagsbetreuung soll die Verwaltung nun ermitteln. Die Radenbecker Grundschule hat drei Bausteine als „essenziell“ ans Rathaus gemeldet: einen Koordinator, einen Essensraum mit Küche und Mobiliar für zusätzliche Materialien. Für weitere Aspekte könne man zunächst „Zwischenlösungen“ finden, meinte Schulleiterin Sylvia Loesche.

Skepsis in Bezug auf den Standort Knesebeck kam von Schulleiterin Gudrun Eckermann. Sie registriere eine „große Zufriedenheit mit dem Status quo“. Der sieht so aus, dass sechs Knesebecker Kinder für die Ganztagsschule angemeldet sind und derzeit dafür mittags nach Wittingen fahren. Dort gebe es größere Wahlmöglichkeiten bei Arbeitsgemeinschaften, sagte Eckermann: „An mich ist noch nicht ein Elternteil mit dem Wunsch nach einer Ganztagsschule in Knesebeck herangetreten.“ Sie plädierte dafür, für Knesebeck eine gründliche Elternabfrage vorzunehmen und einen Ganztagsschul-Antrag mit dem Ziel eines Starts im nächsten Schuljahr „nicht übers Knie zu brechen“.

Von Holger Boden

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