Chin Meyer kommt nach Wittingen – mit Anlagetipps fürs flache Land

„Zuckerrüben anbauen“

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Kabarettist Chin Meyer beehrt Wittingen mit einer Analyse finanzpolitischer und steuerlicher Zusammenhänge. 

Wittingen. Der Finanzkabarettist Chin Meyer tritt am 28. Januar um 19. 30 Uhr auf Einladung der Kulturvereine Wittingen und Hankensbüttel in der Wittinger Stadthalle auf.

Das IK sprach mit dem Geldexperten im Vorfeld über das deutsche Steuersystem, das Rating des Isenhagener Landes und die Vorbildrolle Dubais für Wittingen. Die Fragen stellte Burkhard Ohse.

Interview

IK: Herr Meyer, waren Sie schon einmal in unserer Region oder sogar im Isenhagener Land?

Chin Meyer: Ich muss zu meiner Schande gestehen: Nein. Es sei denn, Sie zählen Gifhorn dazu.

IK: Es gibt London, Paris, New York, Sidney. Warum jetzt Wittingen?

Chin Meyer: Weil Wittingen, auch bekannt als „Perle zwischen Hankensbüttel und Diesdorf“, einen Charme stadtentwicklerischer Zurückhaltung versprüht, der den von Ihnen genannten Dreckslöchern fremd ist.

IK: Ist eine Investition in einen Abend mit Ihnen eine gute Anlage?

Chin Meyer: Da muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen: Ja! Heiterkeitsausbrüche steigern bekanntlich das Immunsystem – schon ein einziger eingesparter Krankheitstag bedeutet daher einen finanziellen Profit.

IK: Woher kommt ihr ausgeprägtes Interesse an Finanzen, über den privaten Bereich hinaus?

Chin Meyer: Es ging wie vieles im Leben mit einem Zufall los. Ich bekam ein Stellengesuch per E-Mail. Heute würde man sagen „Spam“. Ein Restauranttheater namens Pomp, Duck and Circumstance suchte einen Komiker – ich bewarb mich, bekam den Job und wurde dort der kabarettistische „Steuerfahnder“. Von Steuern zu Finanzen war es dann nur ein kleiner Sprung.

IK: Wie würden Sie das Rating des Isenhagener Landes einschätzen?

Chin Meyer: Sehr gut: AAA, also Triple A – immerhin hat das Isenhagener Land es geschafft, keinen Wikipedia-Eintrag zu erhalten und erfüllt damit die drei As: anonym, angenehm, actionfrei. So eine Privatsphäre kann man in diesen vergoogelten Zeiten gar nicht hoch genug schätzen.

IK: Haben Sie Tipps für Geldanlagen auf dem flachen Land?

Chin Meyer: Zuckerrüben anbauen. Mehr dazu in meinem Programm.

IK: Sie spielen auf der Bühne unter anderem einen fanatischen Steuerfahnder. Wäre das auch in der Realität ein Beruf für Sie? Oder doch eher Steuerberater?

Chin Meyer: Ich wäre für beides extrem ungeeignet.

IK: Als „Guru“ U.G. Chinmayananda beantworten Sie Fragen mithilfe des Steuergesetzbuchs. Mal ehrlich: Verstehen Sie eigentlich das deutsche Steuersystem?

Chin Meyer: Natürlich nicht. Aber unser Steuersystem hat eine komplexe Ästhetik, die man fast schon als Kunst bezeichnen kann. Das deutsche Steuergesetzbuch ist so einer der größten esoterischen Bestseller.

IK: Agieren Sie privat finanziell eher als Hallodri oder konservativ?

Chin Meyer: Mal so, mal so – in letzter Zeit zunehmend konservativ.

IK: Was ist angenehmer? Sich wegen wenig Geld oder wegen viel Geld zu sorgen?

Chin Meyer: Wegen viel Geld. Am besten wegen ganz viel Geld.

IK: Ihr Programm in Wittingen heißt „Macht! Geld! Sexy?“ Macht Geld wirklich sexy?

Chin Meyer: Das hängt davon ab. Die Faustregel lautet: Je älter und männlicher, desto teurer wird es.

IK: Haben Sie Tipps, wie eine Stadt wie Wittingen finanzpolitisch Bedeutung erlangen kann?

Chin Meyer: Klar: am besten massive Gold-, Diamant- und Ölvorkommen unter dem Torf melden. Dann auf die Glücksritter warten, Wolkenkratzer bauen, Börse aufmachen. Dubai hat auch mal klein angefangen.

IK: Und ganz unter uns: Findet die EU aus der Finanzkrise?

Chin Meyer: Aber sicher doch. Fragt sich nur, ob sie dann noch die EU ist...

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