Niedrige Erträge engen Spielraum der Wittinger Bürgerstiftung ein

Zinspolitik trifft Vereine

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Immer höher? Für Stiftungen derzeit unmöglich – sie kämpfen mit niedrigen Erträgen am Finanzmarkt.

Wittingen. Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank soll auf dem Finanzmarkt für positive Impulse sorgen – sie beeinflusst dabei unmittelbar auch das soziale Leben im Isenhagener Land. Denn wo Gewinner sind (zu denen etwa Bauherren gehören), sind auch Verlierer.

Und zu denen gehören die Stiftungen.

So auch die Wittinger Bürgerstiftung, die seit 2007 Geld für wohltätige und gemeinschaftliche Zwecke ausschüttet. Gebaut auf dem Fundament des Erlöses aus dem Krankenhausverkauf, war die Stiftung mit rund 1 Million Euro an den Start gegangen. Dieses Grundkapital darf zur Erfüllung des Stiftungszweckes nicht angetastet werden – Ausschüttungen werden allein aus Zinserträgen bedient.

Doch genau die gehen derzeit in den Keller. Gab es anfangs noch zwischen 3 und 4 Prozent für das von der Bürgerstiftung angelegte Geld, so könne man davon „zurzeit nur träumen“, sagt Bernd Strohbecke von der Stiftungsverwaltung. Derzeit liege der erzielbare Habenzins bei einem halben Prozent.

In absoluten Zahlen wird das Dilemma noch deutlicher: Beliefen sich die Zinserträge 2008 noch auf knapp 46 500 Euro, so lagen sie 2012 gerade einmal bei 12 700 Euro. Die Differenz fehlt heute bei der Unterstützung von Empfängern wie DRK, Fördervereinen, Kinder- und Jugendakademie und vielen anderen gesellschaftlich tätigen Gruppen und Vereinen.

Hinzu kommt: Damit das Stiftungskapital real nicht schrumpft, muss eine Kapitalerhaltungsrücklage gebildet werden, die die Auswirkungen der Inflationsrate auffängt. Die lag mit rund 2 Prozent im letzten Jahr in Bereichen, die der Habenzins nicht mehr erreicht. Die Erträge werden so zusätzlich geschmälert.

Die niedrigen Zinsen seien „ein Problem“, sagt Strohbecke – derzeit bleibe nicht viel mehr als die Hoffnung, dass sie mal wieder steigen. Wittingens Stadtbürgermeister Karl Ridder sagt als Vorsitzender des Stiftungsvorstands über die aktuelle Situation: „Das trifft uns gewaltig.“ Angesichts der geringen Erträge gebe es kaum noch etwas zu verteilen. So habe man einige Anträge schon ablehnen oder die beantragte Summe kürzen müssen.

Alternativen auf dem Finanzmarkt sind für Stiftungen im allgemeinen und somit auch für die Bürgerstiftung rar gesät. Denn nur risikoarme Anlageformen sind erlaubt – mit dem wertvollen Kapitalstock, der letztlich der Öffentlichkeit gehört, darf nicht spekuliert werden. Die Entscheidung über die Anlage obliegt dem Stiftungsvorstand.

Laut Strohbecke hält der Finanzmarkt inzwischen auch speziell aufgelegte Stiftungsfonds bereit, die regelmäßige Erträge abwerfen. Doch eine echte Wunderwaffe seien die in Zeiten wie diesen auch nicht: „Auch da“, so der Finanzfachmann, „geht das Niveau nach unten.“

Von Holger Boden

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