Nein zu Hähnchen-Vorhaben bei Ohrdorf – aber Debatte dürfte weitergehen

Ein Zeichen an andere Investoren?

Einmal mehr wurden die Wittinger Politiker vor der Stadthalle von Demonstranten erwartet, die mit Plakaten und Fotos gegen Hähnchenmast protestierten. 
+
Einmal mehr wurden die Wittinger Politiker vor der Stadthalle von Demonstranten erwartet, die mit Plakaten und Fotos gegen Hähnchenmast protestierten.

Wittingen/Ohrdorf – „Das Thema wird uns weiter verfolgen“, ahnte Christian Schroeder (Grüne) schon vor der Hähnchenmast-Abstimmung in der Wittinger Ratssitzung.

Mit einem Nein zu der Bauleiplanung für das Ohrdorfer Vorhaben sehe er denn auch eine „grundsätzliche Haltung“ verbunden: „Wir sollten anderen Investoren zeigen, dass wir sie im Stadtgebiet nicht wollen. “.

Die Befürworter hingegen sahen grundsätzliche Überlegungen außen vor. Es gehe rein um städtebauliche Kriterien, betonte Stadtbürgermeister Andreas Ritter. Mit einer aktiven Bauleitplanung könne man steuern und einem Projekt, das voraussichtlich privilegiert genehmigt werde, einen geeigneten Standort zuweisen: „Die Planung läuft seit 2013, da sind zigtausende Euro investiert worden. Den Landwirt jetzt im Regen stehen lassen – dafür stehe ich nicht.“

Aus der Sicht von CDU-Fraktionschef Uwe Hoppmann waren bereits „Argumente zuhauf ausgetauscht“. Sein Fraktionskollege Joern Wolter monierte, dass der Vorhabenträger „in eine Ecke gestellt“ werde: „Wenn bei diesem privilegierten Vorhaben alle Gesetze eingehalten werden, dann weiß ich nicht, was dagegen spricht.“ Walter Schulze (Knesebeck) fand: „Wenn gebaut werden kann, dann dort an dem Standort. Und nicht irgendwo in der Landschaft.“

Während SPD-Fraktionschef Hans-Heinrich Koch knapp die Ablehnung des Projekts durch seine Fraktion formulierte („die SPD will keine weiteren Mastställe“), setzte sich sein FWG-Pendant Dr. Thomas Weiland mit der baurechtlichen Seite des Vorhabens auseinander. Es habe andere Wege für einen privilegierten Bau gegeben, die seien nicht gegangen worden. Wenn man nun eine Sonderfläche für Bioenergie und Masttierhaltung ausweise, dann könne dort am Ende auch gewerblich gebaut werden. Die FWG wolle dafür „nicht Tür und Tor öffnen“. Klaus Palluck ergänzte, der bestehende Mastbetrieb der Firma Heinrichs werde „komplett korrekt“ geführt, die zur Debatte stehende Planung sei aber eine nicht notwendige.

Der Erste Stadtrat Holger Schulz bestätigte Weilands Vortrag weitgehend, bezweifelte aber einen Automatismus, der zu gewerblichen Projekten führt. Rathauschef Ritter widersprach dem FWG-Vorsitzenden: Für die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen gewerblichen Betrieb gebe es keine politischen Mehrheiten. Einen Bebauungsplan dafür werde man aufheben.

Das Bündnis gegen Massentierhaltung wertete gestern das Ergebnis der Ratssitzung als Erfolg, der auch auf den geführten Diskussionen und den Demonstrationen der letzten Monate beruhe. Ob und wie es nun weitergeht mit den Plänen für weitere Hähnchenmastställe bei Ohrdorf, bleibt abzuwarten. Der Betrieb selbst wollte sich gestern zu dem Votum des Stadtrats nicht äußern. (VON HOLGER BODEN)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare