Ein Fest unter Freunden

Zasenbeck und Hanum feiern am 5. Januar die Grenzöffnung vor 30 Jahren

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Daumen hoch für die Überwindung der Teilung: Simone Lohsen und Karl-Heinz Gauert am Grenzbalken an der Ohre.

Zasenbeck / Hanum – Ein paar junge Leute aus Hanum mochten in der Neujahrsnacht 1990 nicht mehr warten – durch das einen Meter weit aufgeschobene Grenztor kamen sie nach Zasenbeck und wurden Gäste einer Silvesterparty.

Nur wenige Tage später gab’s dann auch den offiziellen Segen für das Überschreiten der Ohre zwischen den beiden Orten: Am 6. Januar um 9. 30 Uhr wurde der Grenzübergang Zasenbeck-Hanum geöffnet – und war damit der erste im Wittinger Stadtgebiet.

Simone Lohsen und Karl-Heinz Gauert im Zasenbecker DGH, wo unter anderem Uniformen von DDR-Grenzern ausgestellt sind.

30 Jahre ist das jetzt her, und beide Orte wollen das Ereignis am 5. Januar feiern. „Es ist wichtig, sich ins Gedächtnis zu rufen, was die Menschen im Osten vor 30 Jahren erreicht haben“, sagt Simone Lohsen. Sie selbst kommt aus Braunschweig, ist aber Mitte der 90er Jahre nach Hanum gezogen – der Pferdezucht wegen. Heute sitzt sie als eine von zwei Vertretern aus Hanum im Gemeinderat von Jübar. Gemeinsam mit Zasenbecks Ortsvorsteher Karl-Heinz Gauert bereitet die Landwirtin die Grenzöffnungsfeier vor.

Auch Gauert ist daran gelegen, dass die Wende und die vorherige Nicht-Selbstverständlichkeit von Freiheit nicht in Vergessenheit geraten. In der aktuellen Diskussion über Unterschiede zwischen Ost und West, da sind sich beide einig, werde zu oft das Negative in den Vordergrund gestellt. „Wir sollten das Positive sehen“, findet der Zasenbecker, „da müssen wir alle dran arbeiten.“

Zwischen Hanum, rund 180 Einwohner, und Zasenbeck, 335 Einwohner, stimme die Chemie, betonen Lohsen und Gauert. Hanumer machen im Zasenbecker Schützenverein mit, man singt miteinander im selben Chor. Das Vereinsleben verbindet beide Orte ebenso wie der Radweg.

Seit 1990 gibt es zudem jedes Jahr eine Grenzöffnungsfeier. Nun, am 5. Januar, beginnt das Ganze um 10 Uhr in der Hanumer Kirche. Der Zasenbecker Pastor Florian Herterich wird die Andacht halten. Anschließend geht es mit dem Spielmannszug Zasenbeck zu Fuß in Richtung Ohre, wo an der Landesgrenze eine Gedenkpause mit einem Glas Sekt eingelegt wird. Danach wird im Zasenbecker Dorfgemeinschaftshaus weitergefeiert. Als Gast und Redner wird Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs erwartet.

Hungern muss niemand, am Mittag wird Gulaschsuppe serviert, und nachmittags gibt es Kaffee und Kuchen. Filme über die Grenzöffnung und eine Ausstellung zur deutschen Teilung runden das Programm ab.

Und wer mag, der kann sich, wie vor 30 Jahren, auch dieses Mal schon ein paar Tage vorher treffen und miteinander feiern. Eine gemeinsame Silvesterparty beider Orte hat inzwischen Tradition, und die steigt am 31. Dezember ab 19 Uhr auf Einladung des Heimatvereins im Zasenbecker DGH.

VON HOLGER BODEN

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