Wittingen: Cappuccino-Linde steht noch wegen Differenzen bei Kostenteilung

„Wurzelfräsung aus Steuergeldern“

Linden-Befürworter freuen sich fürs Erste darüber, dass der Baum noch nicht fällt. Foto: bo

Wittingen. Es war das Thema des Frühjahrs in Wittingen: Soll die Linde vor dem Café Cappuccino weichen oder nicht? Die Beschlusslage der Stadt ist eindeutig: Beteiligt sich der Antragsteller zur Hälfte an den Kosten, dann fällt der Baum.

Doch genau an diesem Kostensplitting scheitert bislang die Ausführung. Der Besitzer des Hauses, Rainer Pape, ist sich mit Pächterin Carmen Innao einig: „Wir werden nicht 50 Prozent der Kosten übernehmen. “.

Pape hat in der öffentlichen Diskussion über die Café-Linde bisher geschwiegen, nun bezieht er Stellung zu den Beweggründen für den Fällungs-Antrag. Zum einen beeinträchtige die Linde mit ihrem klebrigen Sekret die Außengastronomie, zum anderen sei es schon zu massiven Schäden an der Kanalisation gekommen.

Im Februar, so Pape, sei das WC verstopft gewesen. Zweimal innerhalb von acht Tagen habe ein Fachbetrieb anrücken müssen, bis festgestellt wurde, dass drei Meter vom Übergabeschacht entfernt „alles verwurzelt“ gewesen sei. Der Schaden sei behoben worden, die Kosten für die Untersuchungen in Höhe von rund 1200 Euro habe die Stadt als Eigentümer des Baumes erstattet.

Das findet Pape auch nur gerechtfertigt: „Ich betrachte die Stadt als Grundstücksnachbarn, der für seinen Baum verantwortlich ist.“ Zu befürchten sei aber, dass durch das Wurzelwerk der Linde weitere Folgeschäden und -kosten auftreten, so dass regelmäßig „Wurzelfräsung aus Steuergeldern“ zu finanzieren sei.

Für den Hausbesitzer ist daher klar: „Irgendetwas muss passieren“. Damit meint Pape die seit Februar beantragte und seit dem Frühjahr genehmigte Fällung, die in Wittingen höchst umstritten ist (das IK berichtete), die aber derzeit an finanziellen Aspekten scheitert. Offenbar liegen die Stadt und die Antragsteller bei der Berechnung der 50 Prozent noch auseinander. In der Verwaltung versteht man das Ratsvotum so, dass Pape und Innao die Hälfte der Gesamtkosten tragen sollen. Im Beschluss vom 31. Mai hieß es: „Grundstückseigentümer und Antragsteller sind mit 50 Prozent an den entstehenden Kosten zu beteiligen.“

Das würde auch Herrichtung und Umbau der Pflanzinsel nach der Fällung einschließen. Bauamtsleiter Albert Soltau schätzt die Kosten insgesamt auf bis zu 3000 Euro. Das ist freilich eine andere Hausnummer als die reinen Fällungskosten, die auf 800 bis 1000 Euro geschätzt werden – und auf die sich beide Seiten wohl einigen könnten: Pape und Innao wollen je 250 Euro beisteuern, damit ein neuer, kleinerer Baum gepflanzt werden kann.

Wie geht es also weiter? Den Gegnern der Fällung wird es nur recht sein, wenn der Baum stehenbleibt. Soltau zufolge wird das Thema allerdings wohl nochmals den Ortsrat beschäftigen, es habe diesbezüglich Gespräche mit dem Ortsbürgermeister gegeben. Vielleicht geht es dann um eine neue Kostenregelung.

Von Holger Boden

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