„Und bleiben Sie gesund!“

Ein Wittinger Vormittag in Corona-Zeiten

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Karlheinz Glaubitz und sein Team stehen an der Kasse hinter durchsichtigem Plastik.

Wittingen – Seit gestern ist es klar: Eine Ausgangssperre gibt es erst einmal nicht, sehr wohl aber Kontaktbeschränkungen.

Schon am Sonnabend – so stellte es sich für das IK zumindest stichprobenartig dar – hielten sich die Menschen im Isenhagener Land an die bis dahin verkündeten Corona-Maßnahmen.

Später Samstagvormittag, die B 244 von Hankensbüttel nach Wittingen: eine deutlich leerere Straße als sonst, kaum Autos, ein Landwirt mit Trecker. Bei Werkers Welt in Wittingen ist geöffnet, Baumärkte dürfen das. Die Kunden sind merklich auf Abstand – gut so. An der Kasse soll durchsichtiges Plastik die Verkäufer vor Infektionen schützen.

Seniorchef Karlheinz Glaubitz hat eine Stimmung der Unsicherheit registriert: „Es kursiert die Angst vor dem Ausgehverbot.“ Und er macht sich Sorgen um das örtliche Gewerbe, je nach Branche haben ja viele Geschäfte schon geschlossen, keiner wisse, was noch kommt: „Vier Wochen, dann dürfte es für die meisten ans Eingemachte gehen“, fürchtet Glaubitz.

Menschenansammlungen sind bei der Fahrt durch die Stadt nicht zu sehen. Die Innenstadt: so gut wie verwaist. Restaurants und Imbisse haben zu diesem Zeitpunkt erste Aushänge in den Türen, die auf die ab Samstagabend geltende Schließung hinweisen. Nur noch Außer-Haus-Geschäft. Wo das möglich ist.

Zum Bäcker bei Rewe geht es durch eine Extra-Tür, das „Night Life“ im Kino ist ebenso abgesagt wie das echte, der Spielplatz am Grünen Weg dicht.

In den Café-Abteilungen der Bäckerei-Filialen in den Supermärkten trifft sich auch niemand mehr, dort sind angesichts der aktuellen Verordnungen die Stühle hochgestellt. Bei Rewe werden die Kunden per Plakat gebeten, einen separaten Eingang zu benutzen, wenn sie zum Bäcker wollen. Zum Kassenbereich hin ist der Bäckereitresen abgesperrt – anders wäre zu viel Nähe dort wohl schwer zu vermeiden. Eine Durchsage informiert darüber, dass Hamsterkäufe nicht nötig sind, dass wieder genug Ware nachkommen wird.

Merklich sind die Einkäufer an diesem Tag bemüht, die geforderten Zwei-Meter-Abstände an der Kasse einzuhalten. In die Supermärkte kommt man auch deshalb nur noch mit Einkaufswagen. Ein Aushang an einer Brot-Abteilung im E-Center weist auf die Pflicht zur Benutzung von Zange und/oder Handschuhen hin, sonst drohe gegebenenfalls eine Schließung der Abteilung. Nach dem Bezahlen bittet die Kassiererin den Kunden, den Kassenbon selbst aus dem kleinen Kassenbon-Drucker zu nehmen. „Schönes Wochenende“, sagt sie. Und fügt den Wunsch hinzu, der derzeit einfach dazugehört und dabei nie wie eine Floskel klingt: „Und bleiben Sie gesund!“

VON HOLGER BODEN

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