Vom Schleichweg zur Kreisstraße

Wittinger Verkehrsausschuss will Aufstufung der Verbindung von Erpensen in Richtung Reddigau

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Vor allem die Brücke über den einstigen Grenzgraben gilt als Engpass.

Wittingen. Nicht nur eine Handvoll Wittinger Bürger verfolgte die jüngste Sitzung des Verkehrsausschusses – auch ein Mitglied des Diesdorfer Gemeinderats hatte den Weg in das Wittinger Rathaus angetreten.

Grund für das Interesse aus Sachsen-Anhalt: der Verbindungsweg zwischen Erpensen und Reddigau, der aufgrund eines Antrags der FWG-Fraktion auf die Tagesordnung gerutscht war.

Demnach soll die Verwaltung damit beauftragt werden, den Weg, der zwischen Erpensen und Lüben von der K 88 abzweigt und über die Landesgrenze hinweg nach Reddigau führt, an den Landkreis Gifhorn abzutreten. Dadurch würde der Reddigauer Weg zur Kreisstraße. Etwaige Unterhaltungskosten müsste der Landkreis tragen.

Angesichts des Besuchs aus dem Nachbarbundesland machte der Ausschuss eine Ausnahme und ließ auch einen Nicht-Wittinger in der Bürgerfragestunde zu Wort kommen. Und so berichtete der Gast aus Diesdorf davon, dass die 1,4 Kilometer lange Strecke zwar stark befahren, aber eben angesichts des schlechten Zustandes auch nur schwer befahrbar sei. Unzureichende Fahrbahnbreite und mangelnde Ausweichmöglichkeiten würden dazu führen, dass dort immer wieder Fahrer den Rückwärtsgang einlegen müssten, wenn sie mit Gegenverkehr konfrontiert werden. Besonders problematisch sei der Abschnitt mit der Brücke über den alten Grenzgraben. Dort sei noch nicht mal ein annehmbarer Seitenstreifen vorhanden. Da der Weg von vielen Bürgern aus der Gemeinde Diesdorf genutzt würde, um etwa zur Arbeit oder zum Einkaufen nach Wittingen zu gelangen, hoffte der Diesdorfer Ratsherr auf Zustimmung für den FWG-Antrag.

Die Probleme waren den Ausschussmitgliedern nicht neu. Und der Ausschussvorsitzende Friedrich Lührs (FWG) erinnerte sich zudem daran, dass nach der Wende die damals amtierenden Landräte beider Landkreise abgemacht hätten, den Weg beiderseits der Grenze auszubauen. Der Landkreis Salzwedel hatte dies schon vor Jahren umgesetzt. Die Straße wurde verbreitert und ausgebaut, entlang der Strecke sind in regelmäßigen Abständen Ausweichbuchten geschaffen worden. Auch die anderen Fraktionen stimmten der FWG zu und empfahlen, eine Aufstufung des Reddigauer Wegs zur Kreisstraße voranzutreiben. „Die Straße hat nach der Grenzöffnung eine völlig andere Funktion als zur Zeit der Erbauung“, begründete Hans-Heinrich Koch (SPD). Eine Aufstufung sei daher plausibel. Was die Erfolgsaussichten angeht, war man im Ratsrund indes nicht allseits optimistisch. Während Lührs auf die Gespräche der Landräte nach der Wende verwies („Das ist eine klare Absprache“), bezweifelten viele Ratsherren, dass der Landkreis die Aufstufung bereitwillig vornehmen würde – und verwiesen etwa auf die „neverending story“ mit der G10 bei Wesendorf. Koch sah zudem Sanierungskosten auf die Stadt zukommen: „Ich glaube nicht, dass der Landkreis eine kaputte Straße übernimmt.“ Auch eine bereits durchgeführte Verkehrszählung machte wenig Mut. In zwölf Tagen hatten 1350 Fahrzeuge den Weg genutzt. Viel für einen Schleichweg, wenig für eine Kreisstraße. Kurios: Zumindest einem Fahrer scheint der schlechte Zustand wenig ausgemacht zu haben, passierte er die Strecke doch mit sportlichen 138 km/h.

Von Steffen Schmidt

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