„Angst oder Desinteresse?“

Wittinger Unternehmer: Zu wenig Organspender

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Organspendeausweis – für viele nach wie vor ein heikles Thema.

Wittingen – Organspende ja, aber . . . – während 84 Prozent der Deutschen dem Thema positiv gegenüberstehen, haben nur 39 Prozent ihre Bereitschaft zur Organ- oder Gewebespende schriftlich dokumentiert, mit einem Spenderausweis oder einer Patientenverfügung.

Das geht aus einer aktuellen bundesweiten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hervor, die gestern veröffentlicht wurde. Anlass ist der „Tag der Organspende“ am 1. Juni.

Weil ein deutschlandweites Organspender-Register erst noch diskutiert wird, gibt es keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen tatsächlich einen Ausweis ausgefüllt haben – schon gar keine regionalen oder lokalen. Der Wittinger Hans Lange hat aber das Gefühl, dass die Situation vor Ort im Prinzip den Ergebnissen der BZgA-Studie entspricht: Viele Lippenbekenntnisse, aber die Wenigsten handeln entsprechend.

Lange glaubt, dass die 39 Prozent Spendebereitschaft sogar noch ein wenig hoch gegriffen sind. Der Wittinger Unternehmer hat 2010 selbst eine neue Lunge bekommen (das IK berichtete) – das rettete ihm das Leben, seitdem wirbt er für die Organspende. In seinem Autohaus hat Lange Spenderausweise ausgelegt, von der Resonanz ist er aber ernüchtert: „Die meisten nehmen die Ausweise in die Hand, legen sie dann aber wieder zurück.“ Und: „Ich spreche die Leute dann an und bitte sie, sich vorzustellen, dass sie selbst oder ein Angehöriger dringend ein neues Organ brauchen. Und ich frage mich: Hat man Angst vor dem Thema, oder ist es Desinteresse?“

Organspende als Thema mit ethischer Dimension berührt für viele Menschen auch den religiösen Bereich. Der Superintendent des Kirchenkreises Wolfsburg-Wittingen, Christian Berndt, sagt, dass aus christlicher Sicht nichts dagegen spreche. Eher dafür, denn es gehe ja um die Rettung von Leben. „Es bleibt aber eine Entscheidung des Einzelnen“, betont Berndt, der sich deshalb auch fragt, ob die derzeit diskutierte Widerspruchslösung – wer nicht widerspricht, ist automatisch potenzieller Spender – die richtige ist. Da könne schnell jemand wider seinen Willen zum Spender werden, nur weil er schlecht informiert ist. Besser, so Berndt, sei vielleicht eine intensivierte Werbung. Vielleicht, so der Superintendent, müsse auch die Kirche sich des Themas noch stärker annehmen.

VON HOLGER BODEN

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