Es geht auch um Konzepte für den Unterricht

Wittinger Schulen und der Digitalpakt – eine Zukunft mit Hindernissen

Schüler beschäftigen sich mit ihren Endgeräten.
+
Beim Digitalpakt geht es nicht allein um solche Hardware, sondern auch um Konzepte für Digitalität im Unterricht.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
    schließen

Wittingen – Wer schon immer das Gefühl hatte, dass der Digitalpakt für die Schulen nicht so richtig in Gang kommt, und wer sich vielleicht nach Gründen dafür gefragt hat – der stieß in der jüngsten Sitzung des Wittinger Schulausschusses auf Antworten. Und auf neue Fragen.

Essenz der Diskussion, bei der auch Karsten Kreutzberg als Leiter des Fachbereichs Schule zu Gast war: Für die Grundschulen ist das Erstellen der medienpädagogischen Konzepte, die von ihnen erwartet werden, eine Aufgabe, die neben dem Schulalltag schwer zu bewältigen ist. Und mehrere Stadtpolitiker äußerten Verwunderung darüber, dass es so läuft, wie es läuft.

470 Millionen Euro sind für Niedersachsen im 5 Milliarden schweren Topf, der 2018 vom Bund ausgelobt wurde. Bis Mitte Januar wurden im Bundesland nur knapp 12 Prozent der Fördersumme abgerufen. Für die Stadt Wittingen müsste die Kommune einen Medienentwicklungsplan beim Kultusministerium einreichen, entwickelt aus den drei Konzepten der Grundschulen. Zwei liegen vor, eins, von der Wittinger Grundschule, fehlt noch, hieß es in der Sitzung.

Sylvia Lösche, Leiterin der Radenbecker Grundschule, skizzierte dem Ausschuss, dass es für die personellen Ressourcen eines sechsköpfigen Kollegiums eine große Herausforderung sei, ein Medienkonzept für den Förder-Prozess zu erstellen: „Das hat uns eineinhalb Jahre beschäftigt.“ Und nicht immer passt das Resultat dann durch das Dickicht der Förderrichtlinien: „Konzepte werden wieder und wieder eingereicht und überarbeitet“, meinte Annett Rietz, Leiterin der Grundschule Knesebeck. „So kriegen wir die Fördergelder nie.“

Kreutzberg ließ durchblicken, dass viele Schulen lange an den Konzepten sitzen: Eineinhalb Jahre, das sei „kein Ausreißer“. Der Fachbereichsleiter beruhigte, man sei noch im Zeitplan: „Wir haben bis 2024 Zeit.“ Daran, dass der Gesetzgeber die Konzepte erwartet, lasse sich auf Kreisebene nichts ändern.

Ausschussmitglieder verschiedenster politischer Couleur staunten derweil und sahen gerade in Zeiten von Homeschooling durchaus ein Geschwindigkeitsproblem: „Jetzt verstehe ich, warum der Digitalpakt überhaupt nicht greift“, sagte Eckhard Meyer (BA). „Man kann das den Lehrkräften doch nicht zumuten.“ Und Klaus Palluck (FWG) meinte: „Ich hatte mir vorgestellt, da kommt jemand und unterstützt die Schulen.“ Jörg Bialas (SPD) sah ebenfalls „Hilfsbedarf für Kollegien, die sich als Laien mit IT-Fragen konfrontiert sehen. Thomas Knöfel (FWG) wunderte sich, dass drei Schulen parallel an Konzepten schreiben müssen: „Da ist doch sicher vieles deckungsgleich.“

Stadtbürgermeister Andreas Ritter sagte, es führe kein Weg daran vorbei, dass die Schulen die Konzepte erstellen, und es sei auch nicht so, dass sie „im Regen stehen“: Personal vom IT-Verbund, dem die Stadt auf Kreisebene angehört, könne ebenso helfen wie das Kreismedienzentrum. Ritter räumte aber auch ein, dass beim IT-Verbund, der für den Support der Schulen zuständig sei, aktuell Personal gesucht wird, um den gestiegenen Anforderungen Rechnung zu tragen.

Kreutzberg gab der Hoffnung Ausdruck, dass das Land Niedersachsen bei den Ressourcen für den Support nachlegt. Er betonte, es gehe nicht allein um die Beschaffung von Endgeräten – vielmehr solle eine Schule befähigt werden, langfristig guten Unterricht mit digitalen Hilfsmitteln anzubieten. Bialas warf vor diesem Hintergrund die Frage auf, ob die Stadt nicht selbst ein Konzept für die digitalisierte Schullandschaft und die nötigen Investitionen schreiben solle: „Vielleicht brauchen wir da so etwas ähnliches wie den Feuerwehrbedarfsplan?“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare