Der Wittinger Ortsclub-Vorsitzende Hans Chojnacki zur ADAC-Affäre

„Wird eine Weile dauern“

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Der ADAC muss nun eine sanfte Landung versuchen. Foto: dpa

Wittingen. Gefallene Gelbe Engel, umstrittene Flüge mit dem Hubschrauber, Austrittswelle unter den Mitgliedern – der ADAC kommt nicht aus den Schlagzeilen.

Wie kommt der Skandal um den größten Automobilclub Europas an der Wittinger Basis an? Der Ortsclub-Vorsitzende Hans Chojnacki glaubt, dass ein Rücktritt des Präsidenten Peter Meyer unumgänglich ist – dass aber gleichzeitig vieles in der Affäre zu hoch gehängt wird.

Hans Chojnacki

„Das erinnert ein bisschen an das Medienrennen gegen Wulff“, findet Chojnacki. Er bedauert vor allem, dass die „guten Seiten des Automobilclubs“ komplett in den Hintergrund geraten. Die Pannenhilfe, der Service, die Tests – das, wofür der Durchschnittsautofahrer Mitglied ist. Gleichwohl: Dass etwa beim „Gelben Engel“ die Teilnehmerzahlen manipuliert worden sind, das gefällt auch dem Wittinger ADAC-Vorsitzenden nicht. Und dass davon nur der Motorwelt-Chefredakteur Michael Ramstetter gewusst haben soll, kann Chojnacki sich nicht vorstellen. „Es ist besser, wenn Herr Meyer zurücktritt. Dass er nichts wusste, glaubt ihm keiner – selbst wenn er die Wahrheit sagen sollte.“

Die Sache mit den Hubschrauberflügen der Chefetage sieht Chojnacki hingegen gar nicht so eng: „Wenn die Hubschrauber aus dem Bestand stammen und nicht anderweitig gebraucht wurden, und wenn das Ganze abgerechnet worden ist, dann ist mir das egal.“

In der Öffentlichkeit wird längst eine Neustrukturierung des ADAC gefordert, der zwar Milliardenbeträge bewegt, aber immer noch wie ein Verein geführt wird. Chojnacki glaubt auch, dass Änderungen nötig sind. Der ADAC habe sich mit einer Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen wie etwa Versicherungen „weit aus dem Fenster gelehnt“ – nun sei es vielleicht an der Zeit, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, Pannenhilfe zu leisten und mit akkuraten Tests die Glaubwürdigkeit wieder herzustellen. „Das wird natürlich eine Weile dauern – der Ruf ist geschädigt.“

Dass die ADAC-Affäre zu einer Austrittswelle im Wittinger Ortsbus führen wird, glaubt Chojnacki nicht: „Wir sind ein älterer Kreis, da interessiert das alles vermutlich weniger.“ Gleichwohl will er bei der Mitgliederversammlung am 7. Februar (19 Uhr, Hotel Nöhre) einige Worte zu der ganzen Angelegenheit sagen.

Wie die sich schon im Wittinger Alltag bemerkbar macht, das hat Chojnacki dieser Tage selbst erleben müssen – als ein Werber ihn vor einem Supermarkt „auf recht aggressive Weise“ für einen Konkurrenz-Automobilclub gewinnen wollte.

Von Holger Boden

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