Ein Stück Wittinger Stadtgeschichte als Kunstwerk

Die gesprühte Mühle

Graffiti-Künstler Sebastian Meyer (l.) und Gebäudeeigentümer Heinrich Müller haben ein Stück der Wittinger Stadtgeschichte am Lohmühlenweg wieder zum Leben erweckt.
+
Gesprühte Mühle am Wittinger Lohmühlenweg
  • Dennis Klüting
    vonDennis Klüting
    schließen

Wittingen – Wer weiß schon, was sich auf dem Grund seines Hauses einmal befand? Heinrich Müller aus Wittingen weiß es. Er erinnert sich noch genau an die alte Lohmühle, die sein Vater 1963 kaufte und 1964 abzureißen begann. Die Steine der Mühle wurden damals gesäubert und für den Bau des Hauses am Lohmühlenweg verwendet. 75 000 Steine im Klosterformat wurden so recycelt, zwei davon hat Herr Müller aufgehoben – doch das war ihm als Erinnerung nicht mehr genug. Er wollte das Andenken an die Mühle wieder aufleben lassen.

Ein Fernsehbericht über den Braunschweiger Graffiti-Künstler Sebastian Meyer brachte ihn auf die Idee: Ein Bild der Mühle an der Hauswand wäre eine ideale Lösung. Spaziergänger auf dem Lohmühlenweg könnten sie schon von Weitem sehen und sie würde damit wieder ein Teil des Ortes werden.

Graffiti-Kunst für den Außenbereich

Meyer war von der Idee sofort begeistert, gehören doch Landschaften, Gebäude und auch Personen zu seinen bevorzugten Motiven. Seit er elf Jahre alt ist, sind die klackenden Spraydosen ein Teil seines Lebens. Was als Hobby begann und mit bunten Bildern auf legalen Wänden weiterging, ist heute der Nebenjob des 38-jährigen Vaters einer kleinen Tochter.

Mit viel Hingabe und Können verewigte er am Sonnabend die Mühle an der Hauswand des Wittinger Unternehmers. „Ich arbeite so lange an jedem Bild, bis es mir gefällt“, erklärte der Künstler, der bis zum letzten Moment noch hier und dort an den Details feilte. „Erst dann gefällt das Bild auch meinen Kunden.“ Die Mühle wird nun einen Platz auf der Webseite des kreativen Sprayers finden.

Lohmühle nach altem Bild in Sepiafarben

Was ist eigentlich eine Lohmühle? In einer solchen Mühle wurde Lohe zum Gerben von Leder hergestellt, die meistens aus Fichten- und Eichenrinden gewonnen wurde. Die Wittinger Schuhmacher hatten die Lohmühle betrieben, die eine von drei Wittinger Mühlen war.

Nun erinnert das aufwändig über sechs, sieben Stunden gesprayte Bild dauerhaft an die alten Zeiten. Es ist passend in Sepia-Tönen gehalten und sieht ein wenig so aus, als würde sich das große Rad gleich wieder zu drehen beginnen. Müller und Meyer haben als Team ein Stück Wittinger Geschichte wieder zum Leben erweckt.

(Von Manuela Hennig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare