Das ist jetzt nicht mehr witzig

Wittinger klagen über Nichtbeachtung von Corona-Regeln

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Vorerst hat es sich ausgefeiert: In der Pandemie-Krise sind die Bürger gefragt, sich an die Regeln zu halten – und Kontakte sowie größere Gruppen zu meiden.

Wittingen – Beklagen sich Bürger über geschlossene Läden? Im Moment scheint die Corona-Krise an einem Punkt angekommen zu sein, an dem der Wunsch nach Eindämmung der Pandemie die Hoffnung auf ein „Weiter so“ weitgehend abgelöst hat – auch in Wittingen.

So beklagte sich gestern eine Leserin gegenüber dem IK darüber, dass immer noch Läden geöffnet sind, die laut Allgemeinverfügung eigentlich geschlossen sein müssten.

Das waren Filialen von Einzelhandelsketten – offenbar setzten die Betreiber darauf, noch eine Weile damit durchzukommen.

Doch die Kontrollen sind angelaufen: Polizei und Komunen im Landkreis Gifhorn haben sich gestern in einer Telefonkonferenz abgestimmt, die Ordnungshüter unterstützen die Ordnungsämter bei deren Aufgabe, die Einhaltung der aktuellen Corona-Vorschriften zu überwachen. Bürger im Nordkreis wollen jetzt schon eine verstärkte Präsenz von Streifenwagen beobachtet haben. Laut Polizeisprecher Thomas Reuter gab es dafür aber bisher noch keine konkreten Anweisungen.

Wittingens Stadtbürgermeister Andreas Ritter betont: Das Nicht-Beachten verordneter Ladenschließungen stelle eine Straftat dar und könne empfindliche Strafen nach sich ziehen.

In der Bevölkerung wächst derweil merklich der Unmut über diejenigen, die sich über Maßgaben wie Versammlungsverbot (ab 10 Personen) hinwegsetzen. In Wittingen wollen mehrere Bürger unabhängig voneinander abendliche Ansammlungen von Jugendlichen wahrgenommen haben, die „Party machen“.

Reuter sagt dazu, der Polizei sei bisher keine Versammlung im Kreisgebiet bekannt geworden, die sie hätte auflösen müssen: „Wir sind da natürlich dankbar für Hinweise. Bei solch einem Verhalten geht es nicht mehr um jugendlichen Leichtsinn – das ist grob fahrlässig und verantwortungslos.“

Die Polizei hat auch ein Auge darauf, wenn Nutzer sich in sozialen Medien weiterhin offen zu Partys verabreden. „Bei entsprechenden Hinweisen würden wir einschreiten“, so Reuter.

Eine klare Meinung zu den aktuellen Ansagen hat auch der Wittinger Matthias Rönneberg – als Ortsbürgermeister wie auch als zweiter Vorsitzender des HGV: „Wir halten uns an die Vorgaben“, sagt der Geschäftsmann, sein Laden ist zu. „Jetzt sollten alle mal einen Gang zurückschalten und sich an die Regeln halten, damit wir das alles einigermaßen schnell über die Bühne kriegen. Sonst reden wir am Ende nicht über vier Wochen, sondern über acht Wochen oder mehr.“ Je länger die Einschränkungen für die Betriebe aufrechterhalten werden müssten, desto größer sei die Gefahr, „dass viele Gewerbebetriebe auf der Strecke bleiben“. An Eltern appelliert Rönneberg daher, ihren Nachwuchs dazu anzuhalten, Kontakte möglichst weitgehend zu vermeiden.

Und natürlich treibt auch den Wittinger Handel die Sorge um, im Zuge der Corona-Krise noch mehr Kunden als bisher an den Online-Handel zu verlieren. Handelsexperten rechnen mit Gewöhnungseffekten: Die Krise gebe dem digitalen Kommerz einen nachhaltigen Schub, weil viele Kunden hinterher möglicherweise nicht zum stationären Handel zurückkehren.

Das Modehaus Dress, geschlossen bis zum 18. April, hat bereits per Aushang an seine Kunden appelliert, solidarisch zu sein und Einkäufe, wenn möglich, auf die Zeit nach Corona zu verschieben. Fettgedruckt steht auf dem Papier: „Sie beeinflussen mit Ihrem Verhalten maßgeblich, welche Einkaufsmöglichkeiten für die Zukunft in Wittingen bestehen bleiben.“

VON HOLGER BODEN

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