Eine Flut von Ideen und Kritik

40 Wittinger geben Anregungen beim ersten Bürgerforum

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Uwe Hoppmann (v.l.), Kurt Ulrich Blomberg und Matthias Rönneberg hatten zum ersten Bürgerforum eingeladen.

Wittingen – Groß war das Interesse am ersten Wittinger Bürgerforum im Hotel Nöhre, zu dem Kurt Ulrich Blomberg, Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg und CDU-Fraktionschef Uwe Hoppmann eingeladen hatten.

„In ruhiger Gesprächsführung“ wollte das Trio wissen, was die drängendsten Anliegen der Bevölkerung sind.

Knapp 40 Bürger waren zum ersten Bürgerforum erschienen. 

Blomberg selber bemängelte den schlechten Zustand einiger historischer Gebäude des Ortes, so etwa den des Dobberkau-Hauses. „Dobberkau war einer der bekanntesten Baumeister des 19. Jahrhunderts“, bemerkte er, daher sei das umso bedauerlicher, dass so langsam „das Gesicht der Stadt vergeht“. 36 Gebäude im Bereich der Innenstadt hätten Anspruch auf Förderung, wenn sie saniert würden. „Es ist sinnvoll, das Programm zu nutzen“, forderte Blomberg die Eigentümer dazu auf, sich zusammen zuschließen, um die bürokratischen Erfordernisse besser gemeinsam bewältigen zu können.

Potential für Tourismus herausarbeiten

Nicht dazu gehöre, zum Bedauern einer Anwohnerin, die Achterstraße. Da sollte man versuchen, dass die ebenfalls offiziell zum Sanierungsgebiet Altstadt zähle. Eine sanierte Altstadt könnte auch den Tourismus fördern, sagte Blomberg. Die Geschichte Wittingens und der Umgebung sei „filmreif“, bemerkte der Stadthistoriker. Schon die Stadtbrände hätten Alleinstellungsmerkmale, da sie zum einen durch Würste aus einer Räucherkammer verbreitet, zum anderen durch eine eifersüchtige Magd gelegt worden seien. „Wittingen hat Potential, vor allem für Tages- und Wochenendtouristen“, sagte Blomberg. Doch eine Aufarbeitung alter Geschichten wäre für den Tourismus „genial“.

Seitens der Bürger wurde bemängelt, dass Wittingen keinen Einfluss auf die Straßen nach Wittingen habe, da sie in Kreis- oder Landeseigentum seien. So fehlten Fußwege. „Und nur ein paar schöne Fassaden reichen für den Tourismus nicht. Eine bessere Beschilderung muss her und eine öffentliche Toilette“, so eine Forderung. Großes Thema war auch das Feuerwehrgerätehaus. Platzmangel und vor allem die Sicherheitsmängel beim Brandschutz müssten behoben werden, bemerkte Ortsbrandmeister Torsten Bötticher. Sollte ein neuer Standort gewählt werden, müsse man die Ausrückezeit im Auge behalten. Am Wunderbüttler Kirchweg etwa erhöhe sich diese um zwei Minuten. Daher wäre ein neuer Standort an der Bahnhofstraße am besten. „Wenn es um Wittingen direkt geht, ist immer alles schwierig. Dann wird bei jedem Vorhaben die Nadel im Heuhaufen gesucht. In Wittingen ist nichts möglich“, kritisierte Bötticher. Auf den Dörfern ringsherum sei alles einfacher, weil man sich einig sei.

„Kirchturmpolitik“ in der Stadt

Dass Wittingen „von den Dörfern“ regiert werde, kritisierten auch andere Bürger, sprachen von „Kirchturmpolitik“. Vor allem, dass die Feuerwehr „betteln“ müsse, wurde bemängelt. „Wir brauchen mehr Wertschätzung für die Ortswehr, die für uns alle da ist. Diese Erkenntnis kommt immer erst im Nachhinein“, sagte ein Bürger. Zustimmung dafür, dass „in Wittingen wenig passiert“, gab es da von Hoppmann. „Es kann nicht sein, dass die Dörfer sagen, was hier passiert“, stellte er klar. „Hier in Wittingen haben zu viele das Sagen, auf dem Dorf immer nur einer“, merkte Blomberg an. Zu hoffen sei, dass sich mit dem neuen Bürgermeister und dem neuen Ersten Stadtrat etwas ändere. Bauliche Mängel an manchen Straßen, Einrichtung von Biker-Park oder Fitness-Pfad, ein Kinderspielplatz mit Alleinstellungsmerkmal, mehr Baugebiete, Belebung der Innenstadt mit Geschäften, eine Baupflicht für Grundstückserwerber, mehr Ärzte, neue Krippe und Kita, Parkplätze an und um die Stadthalle, Cafés und Gaststätten waren weitere Wünsche.

Wiederholung wünschenswert

Bötticher forderte, dass mehr Bürger die Bürgerfragestunden in den Ausschüssen nutzen sollten. Und, so eine weitere Forderung, die Fragen sollten protokolliert werden. „Es ist erstaunlich konstruktiv gelaufen“, stellte Blomberg nach zwei Stunden fest. Daher sollte das Bürgerforum eine ständige Einrichtung werden, meinte er, „vielleicht alle Vierteljahre“.

VON BURKHARD OHSE

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