Probebetrieb auf alter OHE-Strecke schon dieses Jahr

Wittinger Draisinen sollen starten

Fröhliche Menschen beim Draisinenfest in Wittingen.
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Karl-Heinz Adam (r., beim Draisinenfest 2015) treibt nun mit dem neugegründeten Verein die Pläne für Draisinenfahrten voran. Geld der Stadt soll für das Vorhaben nicht fließen.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Nun soll die Stadt Wittingen definitiv ins Draisinen-Zeitalter starten: Der Wirtschaftsausschuss hat sich am Montagabend einstimmig dafür ausgesprochen, die ehemalige OHE-Strecke von der Kakerbecker Straße in Wittingen bis zum Mahnburger Weg in Ohrdorf an den neugegründeten Verein „Draisinenfreunde Wittingen e.V.“ zu verpachten. Der Betrieb soll in diesem Jahr starten.

Als Beginn des Pachtverhältnisses ist der 1. Mai vorgesehen. Finanzielle Zuschüsse der Stadt soll der Verein nicht bekommen, das Rathaus will aber bei der Akquise von Fördermitteln helfen.

Die ersten Fahrten in diesem Jahr gelten zunächst als Probebetrieb. Vorerst geht es auch nicht bis Ohrdorf, in einem ersten Schritt sollen die Fahrten in Suderwittingen enden.

Politik und Verwaltung erhoffen sich von den Draisinentouren langfristig eine touristische Aufwertung des Standorts, in die Vermarktung soll auch die Südheide Gifhorn eingebunden werden. Die zunächst angepeilte Pachtdauer von fünf Jahren soll dem Verein ermöglichen, das Angebot in Ruhe zu entwickeln und auch überregional bekannt zu machen.

Draisinensaison ist künftig immer von April bis Oktober, und zunächst wohl vor allem an den Wochenenden, wie Hans-Joachim Michaelis dem Ausschuss stellvertretend für den Verein erläuterte: „Im Winter passiert da nichts.“ Michaelis, der selbst Stadtführer ist, begrüßt das neue Vorhaben als „markante“ touristische Attraktion für die Stadt. Man werde sicher zwei Jahre brauchen, um das Projekt richtig in Gang zu bekommen.

Michaelis betonte, dass Absprachen mit Anliegern der Strecke „Teil des Konzepts“ sein sollen, man wolle „im Einvernehmen mit allen Beteiligten“ agieren. Das war vor allem an Kritiker der Draisinen-Pläne aus Suderwittingen gerichtet. Einige von ihnen hatten zuvor in der Einwohnerfragestunde noch einmal deutlich gemacht, dass sie eingebunden werden wollen, etwa, wenn es um die Abholzung von Bäumen am Suderwittinger Bahnhof geht.

Ortsvorsteher Carsten Dreblow betonte aber auch: „Es stimmt nicht, dass Suderwittingen etwas dagegen hat. Es gibt kein großes Problem, wir müssen nur miteinander reden.“ Er wolle nun Forderungen und Vorschläge aus dem Ort sammeln. Hobby-Draisinenbauer Karl-Heinz Adam, der mit an der Spitze des neuen Vereins steht, sagte in Richtung der Suderwittinger Zuhörer: „Wir würden mit Euch über jeden einzelnen Baum sprechen.“

Auch Stadtbürgermeister Andreas Ritter sagte dem Ort zu, dass man vor Abschluss des Pachtvertrags noch einmal miteinander reden werde. Zunächst seien Fahrten bis zur Kreisstraße von Suderwittingen bis Kakerbeck geplant, perspektivisch („frühestens 2022“) solle es aber weiter gehen. Am Bahnhof könne ein Kompromiss so aussehen, dass nur die Trasse freigeschnitten wird und das Abstellgleis so bleibt, wie es ist. Joern Wolter (CDU) sagte, er könne auch die Bedenken aus Suderwittingen verstehen, und es sei gut, wenn man die Option Ohrdorf für einen späteren Zeitpunkt zurückstelle.

Generell kam von der Politik viel Zustimmung für die Draisinen-Pläne. Matthias Rönneberg (BA) nannte das Projekt eine „tolle Geschichte“ und ermunterte den Verein, den HGV in Sachen Sponsoring anzusprechen. Christian Schroeder (Grüne) freute sich, dass die Draisinenfreunde vom Förderverein Ohretalbahn unterstützt werden und damit „einen gemeinsamen Weg finden“. Dr. Thomas Weiland (FWG) betonte, es gehe um „den Erhalt der Strecke als Ganzes“, dem entspreche man mit dem Ja zu den Draisinen.

Wobei Michaelis erläuterte, man denke nun vorerst bis Suderwittingen und langfristig bis Ohrdorf – der Rest, also die Strecke bis Radenbeck, sei „nicht spruchreif“.

Bürgervertreter Jörg Friedrichs lobte das „schlüssige Konzept“ des Vereins und fand, die Stadt dürfe sich ruhig auch finanziell beteiligen. Er plädierte dafür, gleich den Weg bis Ohrdorf freizugeben, ansonsten sei es vorerst ein Vorhaben „mit angezogener Handbremse“.

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