„Eine Schippe drauflegen“

Die Wittinger Bürgermeisterkandidaten im IK-Interview – Heute: Uwe Hoppmann (CDU/Grüne)

Wittingen – Wittingen wählt am 26. Mai einen neuen Stadtbürgermeister. Die fünf Bewerber sprechen diese Woche im großen IK-Interview über ihre Ziele. Heute: Uwe Hoppmann. Das Gespräch führte Holger Boden.

Herr Hoppmann, warum möchten Sie Ihre Stelle bei VW gegen die ganz andere Aufgabe an der Spitze des Rathauses tauschen?

Uwe Hoppmann vor dem Haus Kreyenberg: Der Kandidat von CDU und Grünen setzt bei seinen Zielen einen Schwerpunkt bei der wirtschaftlichen Entwicklung. 

Weil es mir große Freude machen würde – ich würde diese Aufgabe mit absolutem Herzblut angehen. Die Stadt steht finanziell gut da, wir hätten also viele Gestaltungsspielräume, wenn wir sie nutzen. Ich möchte gestalten. Da kann man in Wittingen eine Schippe drauflegen.

Was hat Sie 1990 in die CDU geführt?

Ich vertrete konservativ-christliche Werte, gehe regelmäßig in die Kirche. Zudem bin ich der Überzeugung, dass man nur mit ausreichend Arbeit den Menschen und unseren Orten helfen kann. Ich stehe zur Sozialen Marktwirtschaft und bin überzeugt, dass vor einer Umverteilung unser Wohlstand zunächst erwirtschaftet werden muss. Und ich halte nichts von Parteilosigkeit, wenn man Ziele erreichen will.

Für wie dauerhaft halten Sie das Bündnis der Wittinger CDU mit den Grünen?

Ich halte es für nachhaltig und will alles dafür tun, dass es lange Bestand hat. Die Mischung aus Schwarz und Grün halte ich in Deutschland für sehr zukunftsfähig. Auf lokaler Ebene geht mit den Grünen vieles sehr gut, denken wir an Solarprojekte oder die neuen ökologisch geplanten Baugebiete.

Steht mit dem Thema Hähnchenmast die erste Belastungsprobe bevor?

Nein. Wie viele bin ich persönlich gegen Massentierhaltung. Aber in einer Agrarregion muss man Kompromisse suchen und die werden wir finden. Landwirtschaft muss Zukunft haben. Auf die privilegierten Projekte haben wir keinen Einfluss, wir reden also nur über Ohrdorf und Darrigsdorf. Und wenn die Gesellschaft billiges Fleisch kaufen will, muss irgendwer dafür auch Ställe bauen.

Sie nennen die Schaffung neuer Arbeitsplätze als „herausragende Aufgabe“. Haben Sie ein Rezept, mit dem Sie Unternehmen für Wittingen gewinnen wollen?

Na klar. Ich möchte zum Beispiel von der Stadt Wolfsburg lernen und die Wolfsburg AG als Vorbild nehmen. Da kann Wittingen sich was abgucken. Energie, Wind, Bio – aus diesen Bereichen stelle ich mir Start-Ups auf dem neuen Gewerbegelände am Bahnhof vor. Mit modernen Arbeitsplätzen möchte ich ausgleichen, was an anderer Stelle wegbricht. Und damit junge Leute zurückholen nach Wittingen und ihnen Perspektiven geben, um gar nicht erst abwandern zu müssen. Wenn mir nach meiner Amtszeit ältere Leute erfreut sagen, ihre Kinder sind zurückgekommen und arbeiten hier – das wäre mein Ziel. Die Probleme der Pflegebranche zeigen: Nicht alle Senioren können mit Geld gepflegt werden. Ich möchte Alt und Jung wieder am selben Ort zusammenbringen.

Was haben Sie mit dem Hafen vor?

Ich lege den Fokus auf die Entwicklung in Richtung B 244 und A 39. Erst einmal nicht am Wasser in Richtung Süden. Um ansiedlungswillige Unternehmen zu finden, müssen wir erst jede Menge Klinken putzen. Und mit einer sanierten Liegestelle können wir kurzfristig schon mehr Umschlag darstellen.

Sie sprechen sich für einen Radschnellweg nach Radenbeck auf der alten OHE-Trasse aus – Thema Draisine erledigt?

Für mich geht beides. Wir müssen den Tourismus entwickeln und die Freizeitmöglichkeiten für die Bürger verbessern. Auch das ist Standort-Förderung.

Viele wollen neues Bauland, aber das Wie ist umstritten. Kommt unter einem Bürgermeister Hoppmann die städtische Infrastrukturgesellschaft?

Ja, ganz sicher, das ist überfällig. Daran werde ich arbeiten, bis alle Ja sagen können. Warum sollen wir einem kommunalen Dienstleister wie der NLG das Geld dafür zahlen? Das ließe sich anderswo investieren.

Sie wollen Bildungsangebote in Wittingen fördern. Bedeutet das den Einsatz für eine Oberstufe an der IGS, auch wenn die Stadt das nicht entscheidet?

Wenn die Schülerzahlen das hergeben, kann man so etwas nur befürworten. Entscheidender ist für mich, künftig für Einrichtungen wie etwa das Müller-Internat die richtigen Rahmenbedingungen zu bieten und in diesem Bereich vielleicht noch mehr zu schaffen. Auch da geht es darum, junge Leute nach Wittingen zu holen.

Welche Pläne haben Sie für die Innenstadt?

Der Förderbescheid für die Altstadtsanierung ist erst einmal toll, wir können unter anderem die Junkerstraße schick und barrierefrei machen. Dann müssen wir die Altstadt weiter beleben. Ein Brauereimuseum im Stackmannschen Stammhaus wäre ein Magnet, dann könnte man noch ein Restaurant für die Innenstadt gewinnen. Ich möchte auch Förderung für Fassadensanierung auf den Weg bringen. Mehr Grün, mehr Blumen, mehr Farbe – die Stadt kann mehr Freundlichkeit ausstrahlen, und wir brauchen auch nicht so viel Disput über Gossenreinigung.

Die A 39 wird ohne Lärmschutz gebaut. Muss der Bund mehr für den Schutz der Anrainer tun?

Natürlich. Lärmschutz muss kommen, ob nun durch Grenzwerte vorgeschrieben oder nicht. Da, wo es gebraucht wird, müssen wir in eigener Verantwortung etwas unternehmen oder eben mit dem Bund reden. Da würde ich hart verhandeln, wenn die Einsicht fehlt.

Was muss Wittingen tun, um den an- und abfließenden Verkehr zu meistern, der den Prognosen zufolge durch die A39 wächst?

Wir sollten zunächst einmal nicht blind auf die Verkehrsprognosen vertrauen. Eine Umgehungsstraße in Eigenregie zu bauen, wäre zu teuer. Ich kann mir vorstellen, dass auch vorhandene besser ausgebaute Wirtschaftswege eine gewisse Entlastung bringen können. In jedem Fall setze ich darauf, dass die Schranken am Bahnübergang in Wittingen künftig durch technische Maßnahmen effizienter hoch- und runtergehen, so dass der Verkehr flüssiger wird. Bei Knesebeck geht das ja auch.

Was verstehen Sie unter einer „modernen Verwaltung“, für die Sie eintreten?

Moderne Verwaltung heißt: über den Tellerrand und auch woanders etwas abschauen, die Mitarbeiter motivieren. Der Workflow muss sich deutlich verändern, das Rathaus muss digitaler werden. Weg von Akten, hin zu elektronischen Arbeitsplätzen. Und das Rathaus-Team sollte Spaß haben an seiner Arbeit und als Dienstleister freundlich und engagiert den Bürgern helfen.

Und der Vorwurf, Sie würden autoritär auftreten?

Ich sehe mich nicht als autoritär. Wenn Missstände erkannt werden, dann sollten sie verändert werden. Mir ist klar, dass nur ein klarer Führungsstil gemeinsam mit einem motivierten Team die besten Ergebnisse für unsere Stadt bringen kann.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Wahl?

Ich bin positiv gespannt, will gewinnen und habe ein gutes Bauchgefühl.

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