Nein zu Darrigsdorfer Projekt

Wittinger Bauausschuss erteilt Plänen für Hähnchenmast eine Absage

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Masthähnchen im Stall: Kritiker der Massentierhaltung führen unter anderem die Umweltauswirkungen der Emissionen ins Feld.

Wittingen/Darrigsdorf – Etwa ein Dutzend der 20 Zuhörer hatte sich am Montagabend Protestschilder um den Hals gehängt: „Keine neuen Großmastanlagen im Isenhagener Land“ stand da für die Mitglieder des Wittinger Bau- und Umweltausschusses zu lesen, oder auch: „Grundwasserschutz ist Lebensschutz“.

Die Forderungen hatten mit Punkt 9 der Tagesordnung zu tun, da ging es um die Bauleitplanung für Hähnchenmastställe bei Darrigsdorf. Eine knappe Mehrheit des Ausschusses sagte am Ende „nein“ zu dem Vorhaben. Andere Gremien könnten das Votum noch kippen. .

Kurz vor der Sitzung war noch eine geänderte Vorlage gereicht worden, es ging nun um 95 000 Mastplätze. Neben dem Neubau eines Stalles mit 45 000 Tieren sollten nun zwei Mastschweineställe für die Hähnchenmast umgenutzt und erweitert werden. Bisher hatte man über einen Abriss dieser Schweineställe und eine Gesamtkapazität von rund 84 000 Hähnchen diskutiert. Weil die Kriterien für ein privilegiertes landwirtschaftliches Projekt nicht greifen, wird es als industrielles Tierhaltung eingestuft.

„Steuerung fehlt“

„Wie wollen Sie es dem Einen erlauben und dem Anderen versagen?“ Der Jurist Friedrich O. Winkelmann als Zuhörer und Maststall-Kritiker im Ratssaal.

Die deutlichste Ablehnung kam von Andrea Harms (FWG), Ralf Beyer (Grüne) und Hans-Heinrich Koch (SPD). Harms kritisierte das Vorhaben als „Industriegebiet ohne Arbeitsplätze“, Beyer führte ökologische Gründe an und ließ durchblicken, die Haltung zur Hähnchenmast sei „einer der Gründe, warum die Koalition mit der CDU gescheitert ist“. Koch betonte seine grundsätzliche Ablehnung von Massentierhaltung und verwies auf „sehr hohe Nitratbelastung in Niedersachsen“: „Ich stimme auf keinen Fall zu, auch anderen Anträgen nicht.“

Ebenfalls skeptisch äußerte sich Klaus Palluck (FWG). Profitstreben müsse erlaubt sein, doch vermisse er bei industriellen Plänen wie diesen eine Steuerung durch übergeordnete Instanzen wie etwa bei der Windkraft. Karl-Heinz Gauert (SPD-Gruppe) plädierte zunächst dafür, der heimischen Landwirtschaft die angestrebten Investitionen „nicht zu verwehren“, der Zasenbecker enthielt sich später aber der Stimme.

„Wo dann?“

Unterstützung für das Projekt kam von der CDU: „Ein überschaubares Projekt auf einem kleinen Gebiet – wenn nicht dort, wo dann?“, fragte Walter Schulze (Knesebeck). Auch sein Fraktionskollege Matthias Rönneberg wollte dem Vorhaben einen Weg ebnen: Es stehe kein „Riesenunternehmen“ dahinter, vielleicht könne man ja die Anträge aus Darrigsdorf und Ohrdorf genehmigen und dann einen Schlussstrich ziehen. Ähnlich äußerte sich der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Brandes.

„Keine Obergrenzen“

Dass das nicht funktionieren würde, machte Stadtbürgermeister Karl Ridder deutlich: „Wir können keine Obergrenzen setzen.“ Der Grüne Beyer formulierte es so: „Wenn wir bei dem einen Ja sagen, dann wird der Nächste das einklagen.“

Die Investoren Ernst Martin Schulze und Katharina Schulze Wendt boten den Kritikern im Anschluss an die Sitzung den Dialog an. Dabei erläuterten sie ihre Beweggründe, ein weiteres Standbein für den Betrieb zu suchen, und signalisierten Verständnis für die Bedenken. Sie fragten aber auch, ob es nicht besser sei, die vom Markt nachgefragten Hähnchen kontrolliert in Deutschland zu produzieren, als diese zu importieren. Was Nitrat-Emissionen angehe, gebe es strikte Vorgaben der EU und eine enge Dokumentationspflicht. Schulze sagte, er habe auch über Bio-Haltung nachgedacht: „Aber da geht es auch um Massen von Tieren.“

VON HOLGER BODEN

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