Ruf nach kreisweitem Konzept

Wittinger Bau- und Umweltausschuss vertagt Entscheidungen zur Hähnchenmast

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Hähnchenmast in einem Großstall: In dieser Anlage in Bayern werden etwa 21.000 Tiere gehalten.

Wittingen – Mehr Hähnchenmastställe im Wittinger Stadtgebiet? Da braucht die Politik noch etwas Bedenkzeit.

Vor rund 20 Zuhörern im Ratssaal delegierte der Bau- und Umweltausschuss am Montagabend das Thema noch einmal in die Fraktionen und – im Falle der Ohrdorfer Pläne – an den Ortsrat.

Die kurze Diskussion der Ausschussmitglieder trug in Teilen kritische Züge. Hans-Heinrich Koch (SPD) betonte noch einmal seine persönliche Ablehnung der Massentierhaltung, sagte aber auch, dass seine Fraktion sich bei drei potenziellen Standorten für zusätzliche Ställe – Darrigsdorf, Lüben, Ohrdorf – noch einmal beraten müsse. Walter Schulze (Knesebeck, CDU) sah es ähnlich: Vor einer Entscheidung brauche man weitere Informationen, insbesondere zu den zu erwartenden Emissionen der Anlagen.

Schulze begrüßte einen Vorschlag von Klaus Palluck (FWG), der zuvor ein landkreisweites Konzept für Mastställe ins Spiel gebracht hatte. „Der Landkreis sollte uns als Kommune bei dieser Frage unterstützen“, fand Palluck. Ein Gesamtbild der Entwicklung in diesem Bereich der Agrarwirtschaft sei wünschenswert, „bevor wir einzelne Projekte freigeben“.

Pallucks Fraktionskollegin Andrea Harms erneuerte ihre Kritik an den Vorhaben, die sie vor allem im Zusammenhang mit der Ausbringung von Geflügelmist auf Äcker für bedenklich hält: „Wir bekommen zu viel Dünger auf den Feldern.“ Eine Positionierung der Grünen zu dem Thema gab es an diesem Abend nicht, da Ralf Beyer (Grüne) von CDU-Mann Schulze vertreten wurde (beide gehören derselben Gruppe im Stadtrat an).

In der Einwohnerfragestunde meldeten sich Bürger zu Wort, die die Pläne für weitere Ställe kritisch sehen: Ob die städtische Politik denn die Gesamtheit der Entwicklung im Blick habe, wurde gefragt, in welchem Maße die Verkehrsbelastung steige, und ob nicht „der Preis zu hoch“ sei, den die Region durch Effekte wie Bodenbelastung oder Keime zahlen müsse. Eine Zuhörerin verwies auch auf „das Leid der Tiere“.

Walter Schulze (Ohrdorf, CDU) wollte gern den Blick darauf lenken, dass die Stadt ja nur für die Bauleitplanung zuständig sei, und dass die Umweltfolgen eher in den Zuständigkeitsbereich des Landkreises fallen. Harms mochte diese Weitergabe von Verantwortung nicht gelten lassen: „Wir sind, wie es im Namen steht, auch Umweltausschuss.“

Bei den Vorhaben bei Darrigsdorf, Ohrdorf und Lüben geht würden insgesamt mehrere 100.000 Plätze für Masthähnchen entstehen.

VON HOLGER BODEN

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