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Wittingen: Über 200 Besucher bei Charity-Abend von Philipp Hanf

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Von: Horst Michalzik

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Peter Bieringer (v.l.n.r.), Jens Oldenburg und der an ALS erkrankte Hankensbütteler Philipp Hanf auf dem Charity-Abend in den Räumen der Wittinger KVHS.
Peter Bieringer (v.l.n.r.), Jens Oldenburg und der an ALS erkrankte Hankensbütteler Philipp Hanf gestalteten den Charity-Abend in den Räumen der Wittinger KVHS. © Freier Mitarbeiter

Wittingen – Zu einem Ereignis mit vielen Schattierungen geriet am Freitagabend in den Räumen der Kreisvolkshochschule am Wittinger Zimmerplatz ein Charity-Abend mit dem an ALS erkrankten Hankensbütteler Philipp Hanf. Trotz des eher dunklen Zentralthemas Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) überwogen die hellen Farben des Lebens und Erlebens. Einen großen Anteil daran hatten die Akteure auf der Bühne. Aber auch die mehr als 200 Besucher, die den großen Hörsaal bis auf den letzten Platz füllten, trugen zur eher gelösten und leicht fröhlichen Stimmung bei.

Einen wesentlichen Part brachte Peter Bieringer ein, Moderator, Nachrichtensprecher und freier Redner, der auch an diesem Abend bewies, dass er den Vortrag von Wörtern und Sätzen zu einer eigenen Kunstform erhoben hat. Er konnte sich auch auf literarisch betrachtenswerte Prosa stützen: Philipp Hanf hat ein Buch über sein Schicksal geschrieben (das IK berichtete). Das Hörbuch dazu hat Bieringer besprochen. In den Passagen wurde deutlich, dass Philipp Hanf sich seines Schicksals sehr bewusst ist.

Aber er sieht in seiner unheilbaren Erkrankung zugleich die Chance, das Leben anders anzugehen, Glück auch aus den Möglichkeiten zu schöpfen, sich mit vielen Themen des Lebens befassen zu können. Es gebe jetzt keinen Grund mehr, Dinge aufzuschieben oder gar zu verdrängen. So erzählt er in seinem Buch von einer Erfahrung mit einem Schamanen, der ihn zwingt, an Dingen teilzunehmen, an die er zuvor nicht einmal zu denken gewagt hat. Als Schulmediziner habe er spirituelle Heilungen oder das Wirken von Schamanen nicht im Entferntesten ernst genommen. Nach der Diagnose 2017 habe er seinen Beruf als Zahnarzt an den Nagel gehängt. Doch nur auf den Tod zu warten, sei für ihn keine Option gewesen. So habe er sich Abenteuern ausgesetzt, die ohne ALS-Diagnose nicht denkbar gewesen seien.

Mit der nicht therapierbaren Krankheit besonders auseinandergesetzt hat sich der ehemalige Mittelstürmer des VfL Wolfsburg, Roy Präger. Er berichtete von der Krzystof-Nowak-Stiftung, die nach dem an ALS gestorbenen Teamkollegen benannt wurde und deren Bestreben es ist, ALS-Kranken soweit wie möglich zu helfen. Präger bearbeitet dort im Vorstand Anträge und berichtete am Freitag von schweren Schicksalen und großzügigen Spendern.

Das Bühnenprogramm moderierte Jens Oldenburg, Vorsitzender der Abteilung Berg- und Wintersport im Verein VfL Wittingen/Suderwittingen. Er habe das Buch gelesen und sei von den vielen positiven Momenten begeistert gewesen. Auf Vorschlag des Erkrankten habe man einen Informationsabend größer als ursprünglich geplant angesetzt.

Neben der KVHS waren der VfL Wolfsburg, der VfL Wittingen/Suderwittingen und der Wittinger Kulturverein an der Gestaltung des sehr gelungenen Abends beteiligt. Zu einem Höhepunkt des Abends wurde ein Interview mit dem Erkrankten, das Manuela Dreyer-Winkelmann vom Kulturverein und etliche Gäste auf deren Einladung hin führten.

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