Artenschutz: Politik hat Diskussionsbedarf

Wittingen sucht den niedersächsischen Weg

Ein sommerlicher Feldweg bei Eutzen.
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Sommertag bei Eutzen: Wittingen sucht noch seinen „niedersächsischen Weg“.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Welche Schritte geht die Stadt Wittingen auf dem „niedersächsischen Weg“, den die Landesregierung, das Landvolk und die Landwirtschaftskammer sowie BUND und NABU im Herbst als Maßnahmenpaket für Natur- und Artenschutz beschlossen haben? Die Wittinger Grünen hatten ihre konkreten Vorstellungen dazu in einem Antrag an den Stadtrat formuliert – beim Bau- und Umweltausschuss fiel der Vorstoß in dieser Woche allerdings durch.

Unter anderem hatten die Grünen in ihrem Fünf-Punkte-Papier gefordert, dass Landwirte auf Pachtflächen der Stadt Wittingen die Bewirtschaftungsauflagen für den ökologischen Landbau einhalten sollen, gegebenenfalls auch dann, wenn ihr Betrieb ansonsten konventionell wirtschaftet. In kommunalen Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung – also beispielsweise Schulmensen – sollen die Pächter ebenfalls Lebensmittel aus ökologischem Landbau einsetzen.

Die übrigen Fraktionen konnten sich damit nicht anfreunden, das machten sie Schroeder schon in einem Vorgespräch vor der Sitzung deutlich. Der Grünen-Sprecher hatte nach eigenen Angaben im Vorfeld auch bereits Reaktionen von Landwirten bekommen. Man habe ihm sachlich geschildert, dass man „nur noch Bio“ für den falschen Weg halte.

In der Ausschuss-Sitzung in der Stadthalle saßen denn auch viele Landwirte im Zuschauerraum. Und auf den Tischen der Ausschussmitglieder lag ein Änderungsantrag der FWG, formuliert von Landwirt und Ratsherr Friedrich Lührs. Sein Vorschlag: Pächter sollen die städtischen Flächen „nach guter fachlicher Praxis und mit einer mindestens dreigliedrigen Fruchtfolge“ bewirtschaften und dabei Saumstrukturen nach Vorgaben der Stadt erhalten und pflegen. Zum Essen in den Mensen schlägt die FWG vor, dass „nur regionale Produkte frisch verarbeitet und saisonal abgestimmt“ auf den Tisch kommen.

Lührs argumentiert in seinem Antrag, dass der „niedersächsische Weg“ eine einseitige Bevorzugung des Öko-Landbaus nicht vorsehe. Aufgrund der Flächenstruktur seien die von den Grünen gewollten Bewirtschaftungsauflagen „nicht möglich oder sinnvoll“. Und: Frische Produkte aus der Region halte er für „ökologisch sinnvoller“.

Schroeder sagte, er könne am FWG-Antrag „vieles akzeptieren“, und zog den eigenen Antrag zurück: „Ich kann mir die Vorbereitung eines fraktionsübergreifenden Antrags vorstellen.“ Mit Blick auf zwei Grünen-Forderungen (zu Kompensation bei Bauleitplanung und zu einem Biotopverbundkonzept), die die FWG ersatzlos streichen möchte („nicht unsere Aufgabe“), meint Schroeder allerdings: „Das Land will genau das von den Kommunen sehen. Und das Ganze ist keine Idee der Grünen. Aber ich freue mich, dass wir in den Dialog gehen.“

Klaus Palluck (FWG) fand die Forderungen der Grünen „zu pauschal“, deshalb habe man den eigenen Antrag gestellt. Matthias Rönneberg (BA) sagte, zu dem Thema fehlten ihm noch Informationen zur Faktenlage vor Ort. Joern Wolter (CDU) meinte: „Wir begrüßen, dass die Grünen den Antrag zurückziehen.“ Konventionell wirtschaftende Landwirte auszuklammern, sei nicht im Sinne des Abkommens auf Landesebene. Für die SPD erklärte Hans-Heinrich Koch: „Wir hätten nicht zugestimmt.“

Den von Schroeder erhofften Dialog wird es nun wohl geben: „Uns fehlen noch viele Informationen“, sagte Stadtbürgermeister Andreas Ritter und regte an, dafür einen Referenten nach Wittingen zu holen. Das wurde wohlwollend aufgenommen.

Diese Weiterbeschäftigung mit dem Thema setze allerdings voraus, dass auch die FWG ihren Antrag zunächst zurückzieht, erklärte der Rathauschef. Das tat die FWG dann auch.

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