Ausstellung in Stadthalle

Wittingen: Neues zur Suche nach Atommüll-Endlager

Der Arbeitskreis in der Ausstellung „suche:x“: Bromes Bürgermeister Gerhard Borchert (v.r.), Andrea Tietge (Samtgemeinde Brome), Wittingens Erster Stadtrat Holger Schulz, Wesendorfs Rathauschef René Weber, Antje Präger (Landkreis Gifhorn), Wittingens Bürgermeister Andreas Ritter, Gerald Flohr (Bürgermeister von Schönewörde), Dagmar Dehmer (BGE) und Sabrina Puskeiler (Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung im Wittinger Rathaus).
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Der Arbeitskreis in der Ausstellung „suche:x“: Bromes Bürgermeister Gerhard Borchert (v.r.), Andrea Tietge (Samtgemeinde Brome), Wittingens Erster Stadtrat Holger Schulz, Wesendorfs Rathauschef René Weber, Antje Präger (Landkreis Gifhorn), Wittingens Bürgermeister Andreas Ritter, Gerald Flohr (Bürgermeister von Schönewörde), Dagmar Dehmer (BGE) und Sabrina Puskeiler (Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung im Wittinger Rathaus).
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Viel Lärm um nichts? Oder durchaus der richtige Zeitpunkt, sich mit der Sache zu beschäftigen? Die Wittinger Ausstellung zur Endlagersuche ist nach wie vor kein Publikumsmagnet, doch in politischen Kreisen im Nordkreis gilt: Lieber jetzt schon wachsam sein als hinterher über einem Endlager zu wohnen.

So sieht es jedenfalls der Bromer Flecken-Bürgermeister Gerhard Borchert, der gestern (2. Juni) in der Stadthalle Teilnehmer der zweiten Sitzung des interkommunalen Arbeitskreises zur Standortsuche war: „Wir sollten Augen und Ohren offenhalten, das ist eine brisante Sache. Es ist ratsam, jetzt rechtzeitig Argumente zu haben und Widerstand zu zeigen.“

Wittingens Stadtbürgermeister Andreas Ritter, der den Arbeitskreis initiiert hatte, hatte eingeladen, und neben dem Wittinger Rathaus waren am 2. Juni Vertreter der Samtgemeinden Brome und Wesendorf sowie der Gemeinden Schönewörde und Brome zugegen, dazu auch Antje Präger als Leiterin des Fachbereichs Umwelt beim Landkreis Gifhorn. Zu Gast war außerdem Dagmar Dehmer, Sprecherin der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), die die Runde über den Suchprozess an sich und über die Teilgebiete in der Region informieren sollte. Die Sitzung war nicht presseöffentlich, Dehmer gab aber im Vorfeld interessante Einblicke in den Stand der Endlagersuche.

Zum Beispiel zu der Frage, was von Standorten zu halten ist, bei denen schon jetzt in den Datenblättern zu lesen ist, dass sie bei manchen Auswahlkriterien nur mit „bedingt günstig“ bewertet werden. „Man muss bei jedem Wirtsgestein mit Einschränkungen leben“, sagt Dehmer dazu. Und ja, das gelte auch, obwohl doch Sicherheit für eine Million Jahre das Ziel ist. Beispielsweise könne am Ende auch dabei herauskommen, dass ein Standort in jeder Hinsicht top geeignet ist, aber etwas kleiner als eigentlich gewollt – damit müsse man dann leben.

Für den Nordkreis und seine Anrainer geht es um fünf Salzstöcke, die im vergangenen September unter den 90 Teilgebieten auftauchten, aus denen am Ende ein Standort als Endlager für stark strahlenden Atommüll ausgewählt werden soll: Wittingen, Vorhop, Wesendorf, Waddekath, Nettgau. Bei Salz, so Dehmer, lautet eine der Anforderungen, dass unter dem Deckgestein eine mindestens 300 Meter dicke Salzschicht vorhanden ist. Das sei bei allen fünf Standorten der Fall. Nettgau und Wittingen gälten nach derzeitigem Kenntnisstand als „ein bisschen klein“, was aber noch nicht als Ausschlusskriterium zu verstehen sei. Erstmal wird weiter untersucht und geprüft.

Das Deckgestein über dem Salz sollte übrigens auch möglichst mächtig sein, bei Waddekath seien es punktuell nur um die 100 Meter, so Dehmer. Auch hier gilt: Ausgeschieden ist der Salzstock deshalb noch nicht.

Gab es in Wittingen schon Annahmen, dass eine über dem Salzstock liegende Bebauung ein No-go-Kriterium sein könnte, so zerstreute Dehmer auch diese Hoffnung: Eine Siedlung an der Oberfläche sei per se kein Ausschlusskriterium – aber wenn es am Ende zwei gleich gut geeignete Standorte gebe, und einer davon liegt nicht unter einem Ort, dann werde man sicher lieber diesen nehmen.

Alles offen also. Wittingens Bürgermeister Ritter sieht sogar noch eine weitere offene Flanke für die Region, denn unter den 90 Teilgebieten sei auch das in mehrere Bereiche aufgeteilte „Norddeutsche Becken“, mit Tongesteinsschichten, die sich von Nordrhein-Westfalen bis Mecklenburg-Vorpommern erstrecken – und dabei auch das Gifhorner Kreisgebiet berühren. Letztlich, so der Rathauschef, hege er natürlich auch die Hoffnung, dass der Kelch an der Region vorübergeht, doch sieht er wie auch Borchert die hiesigen Kommunen jetzt in der Pflicht, das Thema nicht zu ignorieren.

Aus der Bürgerschaft gab es derweil am 2. Juni auch am zweiten Öffnungstag der Ausstellung „suche:x“ so gut wie keine Resonanz auf das Informationsangebot. Ritter, der für mehr als vier Stunden in der Stadthalle für Fragen zur Verfügung stand, begrüßte neben zwei Ratsmitgliedern gerade mal einen weiteren Bürger.

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