Dachverband fürchtet anhaltende Härten für Familien

Wittingen: Kita-Einschränkungen bis 31. August

Wenn im Kindergarten bei einem Kind die Nase läuft, dann ist das derzeit ein Problem, weil immer gleich der Corona-Verdacht mitschwingt. Betroffene Kinder dürfen dann nicht betreut werden.
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Wenn im Kindergarten bei einem Kind die Nase läuft, dann ist das derzeit ein Problem, weil immer gleich der Corona-Verdacht mitschwingt. Betroffene Kinder dürfen dann nicht betreut werden.

Wittingen – Wenn am 27. Juli viele Kitas in die Sommerpause gehen, dann ist das für viele Familien der vorläufige Abschluss eines monatelangen Betreuungsengpasses, der zuletzt durch den eingeschränkten Regelbetreib etwas abgemildert wurde.

Nun steht allerdings fest: Die ursprünglich für den 1. August geplante Rückkehr zum Regelbetrieb wird es noch nicht geben – das Land hat per Verordnung vom 13. Juli den eingeschränkten Betrieb bis zum 31. August verlängert.

Beim Wittinger Kita-Dachverband sieht man darin eine anhaltende Belastung der Familien, die ein Stück weit entschärft werden könnte.

Stefanie Pagel-Bosker, pädagogische Leiterin des evangelischen Kindertagesstättenverbandes, hat mit Blick auf die zurückliegenden Wochen zunächst eine gute Nachricht: Zwar sei es seit der Aufnahme des eingeschränkten Regelbetriebs zu einer Erkältungswelle bei Kita-Kindern im Stadtgebiet gekommen, doch habe es dabei keine Corona-Fälle gegeben. Mehrere Kinder, Eltern und Erzieherinnen seien getestet worden – immer mit negativem Ergebnis.

Doch Kinder mit Erkältungssymptomen dürfen nach der aktuellen Verordnung für den eingeschränkten Regelbetrieb nicht betreut werden. „Es ist für uns schwierig, Kinder mit laufender Nase – die viele in dem Alter ja über zwei Drittel des Jahres ohnehin haben – nach Hause zu schicken“, meint Pagel-Bosker. „Das ist inhaltlich nicht nachvollziehbar, und die Familien können das nicht mehr abpuffern.“ Als Betreiber plädiere man dafür, die Regelung hinsichtlich der Symptome weiter zu fassen, also vielleicht das Vorliegen von zwei oder drei Symptomen zum Maßstab zu machen.

Vor allem, so Pagel-Bosker, sei unter diesen Umständen für die Familien kein Land in Sicht: „Wir ahnen ja alle, dass es ab September nicht besser wird.“

Ein zweiter wesentlicher Punkt ist die personelle Belastung in den Kitas. Pagel-Bosker sagt, aus Sicht des Dachverbandes wäre es schon eine Entlastung, wenn die strikte Trennung der Gruppen aufgehoben wäre. Dann könnten Erzieherinnen einer Gruppe auch bei einer anderen in derselben Einrichtung punktuell aushelfen – das würde helfen, die Betriebssicherheit zu gewährleisten. Sie halte es für zielführend, eine Kita – Kinder und Team – als eine Gruppe zu definieren. Ansonsten sei es auch unverständlich, dass die niedersächsische Verordnung gleichzeitig wieder Kinderfreizeiten mit bis zu 50 Kindern erlaubt.

Dass nun erst einmal Ferien sind, wird vermutlich dafür sorgen, dass die Verlängerung des eingeschränkten Regelbetriebs nicht so sehr ins Gewicht fällt. Doch im August geht es irgendwann weiter – und dann fürchtet Pagel-Bosker, dass die Härten für viele Eltern weitergehen. Auch bei Neuaufnahmen werde es schwierig, denn Eltern dürfen unter den aktuellen Bedingungen nicht in die Kita. Deren partielle Anwesenheit sei aber für die Eingewöhnungsphase der Kinder heutzutage üblich, mitunter für bis zu vier Wochen.

Pagel-Bosker hofft, dass die Regeln des Landes vom Landkreis Gifhorn noch modifiziert werden können, so wie es bei einigen zurückliegenden Corona-Verordnungen geschehen ist. Laut Kreissprecherin Sina Sosniak wird das aber dieses Mal nicht der Fall sein: „Wir haben da keinen Spielraum.“ VON HOLGER BODEN

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