Wittingen: Erste Kritik an QiN

Groß, aber noch ohne Nachnutzer: der ehemalige Minimal-Markt in Wittingen.Archivfoto: Boden

Wittingen - Von Holger Boden . Die Entscheidung im Wirtschaftsförderungsausschuss fiel fast einstimmig, doch aus den Reihen des Wittinger Stadtrates kommt bereits Kritik an dem Vorhaben, mit Hilfe der Quartiersinitiative Niedersachsen (QiN) die Innenstadt zu beleben (das IK berichtete).

„QiN ist nicht zielführend“, findet der Wittinger Friedrich O. Winkelmann (FWG) – und teilt nicht die Auffassung seines Fraktionschefs Dr. Thomas Weiland, dass großflächige Ladenlokale zu einer Strukturverbesserung führen könnten. „Discountergröße in der Innenstadt ist Unsinn“, meint Winkelmann. Vielmehr sei gerade die Diversifizierung „Trumpf“. Dem Wirtschaftsförderungsausschuss, bei dem er Zuhörer war, wirft er vor, vorschnell einer neuen Beratungsleistung zugestimmt zu haben.

Winkelmann fordert, dass zum Schutz der Innenstadt definitiv keine neuen Sondergebiete für Gewerbe mehr ausgewiesen werden. Nur dies gebe Eigentümern von Innenstadt-Immobilien Sicherheit, dass ihre Investition in einen etwaigen Umbau sich auch rentieren wird. Das Einzelhandelsentwicklungskonzept müsse nun bauordnungsrechtlich umgesetzt werden. „Die Satzung muss alle Gewerbegebiete umfassen“, fordert der Jurist, der konkreten Bedenken Ausdruck gibt, dass an der Bromer Straße eines Tages ein weiteres Sondergebiet entstehen könnte.

Zudem will Winkelmann, dass die Stadt festlegt, was bei Neuansiedlungen wo verkauft werden darf und was nicht. Märkte mit zentrenrelevanten Produkten dürften sich nicht mehr an der Peripherie niederlassen. Seine Auffassung, dass neue Sondergebiete der Innenstadt schaden, macht Winkelmann am neuen EKZ fest: „Durch den Rossmann-Umzug sieht man nun, was man angerichtet hat. Das war ein Frequenzbringer für die Innenstadt – der Rat hat das kaputtgemacht.“

Ein Wittinger Geschäftsmann zeigte sich gestern gegenüber dem IK skeptisch, dass die mit QiN angestrebte Sanierung und Zusammenlegung von Immobilien verwirklicht werden kann – vielen Eigentümern fehle dafür schlicht das Geld. Eine Skepsis, die selbst der Ausschussvorsitzende Dr. Alfred Stein (CDU) teilt, der für das Projekt gestimmt hat. Er hofft aber, dass QiN trotzdem zu Ergebnissen führt und konkrete Handlungsmöglichkeiten bieten wird. Die Alternative sei, so der Jurist, „die Hände in den Schoß zu legen“. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Walter Schulze begrüßt die Entscheidung ebenfalls.

Auch SPD-Fraktionschef Hans-Heinrich Koch sieht das QiN-Vorhaben als „positiven Versuch“, bei dem es natürlich auf die Eigentümer ankomme. Weiland sieht in QiN auch einen Schritt hin zur Erkenntnis der Notwendigkeit eines verbindlichen Satzungsrechtes und gibt in dieser Hinsicht Winkelmann Recht: Ohne eine klare Linie in der Bauleitplanung, die die Innenstadt schützt, sei das Projekt zum Scheitern verurteilt. Aber: Wenn es die klare Linie gebe, müsse man in der Innenstadt auch etwas anzubieten haben, wenn ein Investor anklopfe.

Derweil teilt auch Stadtbürgermeister Karl Ridder die Auffassung Weilands, dass die Innenstadt durch größere Einheiten attraktiver für neue Geschäfte werden könne – auch wenn fraglich sei, ob dies allein „seligmachend“ sei. Auf IK-Nachfrage sagte der Rathauschef, es habe „immer mal“ Anfragen von Unternehmen gegeben, die wegen fehlender adäquater Flächen nicht bedient worden konnten. Konkrete Angaben zu den interessierten Firmen machte Ridder nicht. Ein „bekannter Textilmarkt“ habe sein Interesse nach einer Marktanalyse zurückgezogen.

Zwei größere leerstehende Immobilien gibt es in der Innenstadt beziehungsweise an deren Rand: den alten Minimal-Markt an der Neuen Straße und den einstigen REWE-Markt am Zimmerplatz. Sie haben bislang trotz ihrer Größe keine Nachnutzung erfahren. In Sachen Minimal berichtet Ridder von „Überlegungen“, die es derzeit gebe, zum Standort Zimmerplatz gebe es derzeit keine konkrete Anfrage.

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