Geschlossene Geschäfte, Auflagen für Gastronomie, Besuchsverbot in Klinik

Wittingen in der Corona-Starre

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Die Innenstadt war gestern vom Corona-Stillstand geprägt.

Wittingen – Abseits der Supermärkte und ihrer Parkplätze ist das Isenhagener Land in der Corona-Starre angekommen. Nachdem gestern landesweit auch Geschäftsschließungen verordnet wurden, gehören nun verschlossene Ladentüren zum Wittinger Straßenbild.

„Dann wird Wittingen ja jetzt zur Geisterstadt“, sagte gestern eine Kundin, die in der Langen Straße aus dem Auto stieg und das Geschäft, das sie besuchen wollte, geschlossen fand.

Immerhin: Ein paar Türen bleiben geöffnet, etwa von Sanitätshäusern, Apotheken, Banken. Dienstleister und Handwerker dürfen ebenfalls weitermachen. Mitunter informieren denn auch die Aushänge an geschlossenen Geschäften darüber, dass Liefer- oder anderer Service weiterhin möglich ist.

Im Eiscafé Dolomiti soll nur jeder zweite Tisch benutzt werden, damit Gäste genug Abstand halten.

Die Gastronomie darf zwischen 6 und 18 Uhr öffnen. „Das wird sich nächste Woche vielleicht auch noch ändern“, sagt Massimiliano Garboli gestern Mittag, als er die Fenster seines Eiscafés Dolomiti putzt. Er fürchtet, dass die Verordnungen wegen des Corona-Virus noch verschärft werden könnten. Vor der Tür und auf der Außenterrasse hat er jeden zweiten Tisch mit den zugehörigen Stühlen aneinandergekettet – das soll gewährleisten, dass Besucher diese nicht nutzen und damit genug Abstand halten. Noch, so Garboli, ist das Geschäft nicht zum Stillstand gekommen, die Stammkunden sind treu: „Die Kaffeetrinker kommen weiterhin.“

Die Straßen: leerer als sonst. An der Fulau liegt der Kinderspielplatz am Mittag verlassen in der Frühlingssonne. Die Benutzung ist jetzt wegen der Pandemie untersagt, noch weist kein Schild oder Sperrband auf diesen Umstand hin.

Die Bäckerei Meyer bittet ihre Kunden bereits auf ihrer Homepage, aus hygienischen Gründen möglichst mit Karte statt mit Bargeld zu zahlen. Wer in der Tankstelle an der Dammstraße bezahlt, der wird inzwischen von Kassiererinnen mit Schutzhandschuhen bedient.

Ein paar Meter weiter ist es ausgerechnet eine Arztpraxis, die noch so etwas wie „business as usual“ meldet: Bisher, so Dr. Ulrike Böhm, klappe es sehr gut mit der Maßgabe, dass potenzielle Corona-Patienten sich zunächst beim Gesundheitsamt melden sollen. In der Praxis könne man sich damit wie gewohnt um all die weiteren Patienten mit anderen Anliegen kümmern. Einen Verdachtsfall habe man bisher glücklicherweise nicht gehabt.

Böhm verweist auch auf einen Vorteil, den eine relativ dünn besiedelte Region wie der Nordkreis in der aktuellen Situation hat: Menschen stehen nicht dicht gedrängt in U-Bahnen oder Bussen, sie können sich leichter aus dem Weg gehen, das vermindere das Infektionsrisiko. Patienten, die derzeit in die Praxis kommen, würden in vielen Fällen freiwillig vor der Tür warten, anstatt sich ins Wartezimmer zu setzen.

Viele Geschäfte sind zu, und gerade ältere Menschen sollten sich besonders vor einer Ansteckung schützen. Stadtbürgermeister Andreas Ritter ruft in dieser Situation zu Solidarität in den Orten auf – man könne ja mal schauen, wer Hilfe gebrauchen kann, etwa beim Einkaufen: „Man sollte vielleicht mal links und rechts gucken: Was macht der Nachbar, wie geht es der Nachbarin?“

VON HOLGER BODEN

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