Landratskandidat der SPD stellt sich in Wittingen vor – und sieht Potenzial in Bürgerbussen

Witt: Absage an Kreisfusion

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Gerald Witt erläutert seine Positionen, Bernd Hasenfuß (r.) und Jörg Bialas vom Wittinger SPD-Vorstand lauschen aufmerksam.

Wittingen. Wenn Kandidaten für hohe Ämter sich in Wittingen präsentieren, dann sind solche Abende, ungeachtet der politischen Richtung, schon länger keine Kassenschlager mehr.

Wollten vor Jahresfrist gerade mal 20 Menschen die damals potenzielle und heute amtierende Kultusministerin Frauke Heiligenstadt kennenlernen, so hatten sich nun am Freitag wiederum nur 16 Zuhörer im Hotel Nöhre versammelt, wo Gerald Witt im Rahmen einer SPD-Versammlung seinen Antrittsbesuch als Landratskandidat machte. Darunter waren drei Parteifremde.

Witt, der derzeit die Agentur für Arbeit in Helmstedt leitet, machte deutlich, dass er auch als Landrat in der Arbeitsmarktpolitik den Schlüssel zur Bewältigung der künftigen Herausforderungen im Nordkreis sähe: „Wir müssen junge Leute hier ansiedeln, dazu brauchen wir Arbeits- und Ausbildungsplätze.“ Dabei setze er auch auf die Effekte einer A 39, mit der man Firmen anlocken und Pendler im Nordkreis halten könne. Ortsbürgermeister Wolfgang Trautmann freute sich ausdrücklich über das Bekenntnis zur Autobahn, manch anderer Zuhörer hingegen mochte den Hinweis auf die Erwartungen, die in die neue Fernstraße gesetzt werden, nicht mehr hören.

Der Knesebecker Harald Schwager befand, dass der Wittinger Raum in der Kreispolitik „oft vernachlässigt“ werde – und wollte wissen, ob sich dies unter einem Landrat Witt ändern werde. Der 55-jährige Kandidat antwortete, das Isenhagener Land gehöre „klipp und klar zum Landkreis Gifhorn“, und Themen wie ärztlicher Versorgung und ÖPNV werde er sich zuwenden. Witt verwies auf frische Pläne des Landes, den Landkreis zu einer „Gesundheitsregion“ zu machen – was mit Fördermitteln für die Ansiedlung von Ärzten verbunden sein soll. Für mehr öffentliche Mobilität sehe er Potenzial in der Einrichtung von Bürgerbussen, „die auch dorthin fahren, wo die Bürger hinwollen“.

Einer Fusionierung des Landkreises zu einem größeren Regionsgebilde erteilte der Hildesheimer eine Absage: „Der Landkreis Gifhorn hat ein Verschmelzen nicht nötig – er ist lebensfähig.“ Zudem biete die jetzige Struktur mehr Bürgernähe als eine Großregion.

Ein Zuhörer wollte wissen, ob nicht ein Zuschuss des Landkreises für die Wittinger Stadthallensanierung gerechtfertigt wäre. Witt bezeichnete das als „die schwierigste Frage“ – und räumte ein, in diese Diskussion noch nicht tief genug involviert zu sein.

Der ehemalige Lokalpolitiker Friedrich O. Winkelmann gab dem Kandidaten mit auf den Weg, er wünsche sich aus Gifhorn „Impulse für die Schulpolitik in der Peripherie“. Auf seine Frage, ob Witt den Bewerber der CDU „im Fokus“ habe, sagte der SPD-Kandidat: „Nein, ich mache Wahlkampf für mich.“

Witt, seit 33 Jahren verheiratet und kinderlos („es sollte nicht sein“), stammt aus einem Arbeiterhaushalt und hat bei der früheren Bundesanstalt für Arbeit „von der Pike auf“ gelernt. Während seiner Laufbahn sammelte er Verwaltungserfahrung auf diversen Positionen, bis er vor knapp vier Jahren die Leitung in Helmstedt übernahm. Seit 1990 ist Witt SPD-Mitglied, in Hildesheim saß er zwei Jahre als Nachrücker im Kreistag, widmete sich dann gewerkschaftspolitischer Arbeit.

Im Falle seiner Wahl – das sagte Witt am Freitag zu – wolle er in den Landkreis Gifhorn ziehen. Daraufhin setzte heftiges Werben von Wittingern, Knesebeckern und anderen für ihre jeweiligen Orte ein ...

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