Wird Lärm unterschätzt?

Die Wollerstorfer werden ihre Zweifel haben, dass der Schall am Ortsschild Halt macht. Foto: Pohlmann

Wittingen. Für Wollerstorf wird der von der A 39 verursachte Lärm im wahrsten Sinne des Wortes im Grenzbereich liegen. Das geht aus den Planungsunterlagen hervor, die die Lüneburger Straßenbaubehörde jetzt unter www.strassenbau.niedersachsen.de zugänglich gemacht hat.

Unter dem Stichwort A39 findet sich dort die 113-seitige Vorlage, die letzte Woche bei der Arbeitskreis-Sitzung in Bad Bodenteich auf den Tisch kam. Darin steht, dass in Wollerstorf tagsüber mit Schallimmissionen von 57 bis 59 Dezibel gerechnet werden muss, am Ortsrand sogar mit 59 bis 64 Dezibel. Der Grenzwert: 64 Dezibel. Nachts werden nach den Berechnungen der Planer im Ort 49 bis 54 Dezibel erreicht, an den Ortsrand reicht ein Bereich mit 54 bis 59 Dezibel. Der nächtliche Grenzwert für das dörfliche Mischgebiet: 54 Dezibel.

Bei diesen Zahlen handelt es sich um rechnerische Werte. Zu den Grundlagen gehört dabei unter anderem das erwartete Verkehrsaufkommen: Die Planer kalkulieren für das Jahr 2025 mit über 24 000 Fahrzeugen pro Tag im Autobahnabschnitt zwischen Bodenteich und der B 244. Tagsüber sollen etwa drei von zehn Fahrzeugen Lkw sein, nachts sogar jedes zweite.

Kritik an der Ermittlung der Schallimmissionen kommt vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (LBU). Die Gruppe Ostheide rechnet vor allem für die Orte, die wie Wollerstorf und Gannerwinkel östlich der Trasse liegen, mit einer „massiven Lärmbelastung“. Bei der Lärmberechnung würden eine mittlere Windrichtung und eine gemittelte Windstärke zugrundegelegt. Dadurch werde der „vorherrschende Westwind“ nicht adäquat berücksichtigt und der A39-Lärm „erheblich unterschätzt“.

Der LBU sieht auch Probleme durch die Tatsache, dass die Autobahn auf „teilweise bis zu acht Meter hohen Dammanlagen“ verlaufen solle. Für den Wittinger Bereich kann Bauamtsleiter Albert Soltau, der bei der Arbeitskreis-Sitzung in Bodenteich zugegen war, diese Information jedoch nicht bestätigen. Im Bereich am Kanal verlaufe die A39 annähernd auf Geländeniveau. Dies zeigt auch die Planung für eine Grünbrücke, die nordwestlich von Gannerwinkel die Autobahn queren soll. Auch der Weg von Gannerwinkel in Richtung Wierstorf/Wentorf soll die Trasse überqueren – und nicht umgekehrt.

Allerdings: Südwestlich von Wittingen wird ein recht „hoher“ Verlauf der Autobahn erwartet. Hier müssen die OHE-Linie und die Schienen der Bundesbahn gekreuzt werden. Details dazu könnte es heute geben, wenn in Weyhausen die Wolfenbütteler Planer mit Vertretern von Behörden und Kommunen zu einer nichtöffentlichen Arbeitskreissitzung zu den Abschnitten Wittingen-Ehra und Ehra-Wolfsburg zusammenkommen.

Für Irritationen hatte in Bodenteich offenbar die künftige Rolle der Seitenwege am Kanal gesorgt. Hier stand die Frage eines Nutzungsverbotes für Radfahrer und Fußgänger im Raum, weil zwischen Kanal und A39 eine Ruhezone für Wild eingerichtet werden soll. Laut Soltau ist das aber vom Tisch: Es gebe bestehende Verträge zwischen den Anrainer-Kommunen und der Wasser- und Schifffahrtsdirektion über die Nutzung der Wege – am Status quo werde sich nichts ändern. Dies sei auch gerade aus touristischer Perspektive sinnvoll.

Von Holger Boden

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