Wird das Gras teurer?

Das Mähen kommunaler Flächen macht Sorgen.

Zasenbeck/Wittingen - Von Holger Boden. Es geht im Prinzip nur ums Rasenmähen und Laubsammeln – doch die Wittinger Stadtpolitik steht vor einem schwierigen Herbstthema. Denn es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Gleichbehandlung der 25 Ortschaften. Die Frage lautet: Wer pflegt künftig zwischen Boitzenhagen und Gannerwinkel, Rade und Wunderbüttel die kommunalen Flächen?

In der Sitzung des Radenbecker Ortsrates verlautete letzte Woche, dass „Zasenbeck streikt“. Und: Die „kleineren Ortschaften“ würden fordern, dass das Mähen öffentlicher Flächen „komplett an den Bauhof übergeht“.

Würde dieser Wunsch erfüllt, wäre das für den städtischen Haushalt wohl ein echtes Problem. Denn der Bauhof hätte kaum die Ressourcen, um in allen Wittinger Ortschaften das Gras kurz zu halten und im Herbst das Laub zu entsorgen. Selbst bei personeller Aufstockung bliebe die regelmäßige Pflege in 25 Orten eine Herkulesaufgabe.

Für Kämmerer Wolf-Harro Schulz, der als Verwaltungsvertreter an der Radenbecker Ortsratssitzung teilnahm, war das Thema neu. Er skizzierte den Zuhörern mögliche Folgen, falls tatsächlich städtische Kräfte die Pflege von einer großen Zahl zusätzlicher Flächen übernehmen müssten. Dann habe man vermutlich die Wahl zwischen Straßenreinigungsgebühren und einer Erhöhung der Grundsteuer.

Nun ist es laut Ortsvorsteher Reinhold Tielbörger nicht so, dass Zasenbeck „streikt“ – doch stehe man vor einem grundlegenden Problem, bei dem es um die kommunalen Flächen vor Privatgrundstücken geht. In Zasenbeck gibt es davon eine ganze Reihe unter den Eichen an der Ortsdurchfahrt. Solche Flächen werden laut Tielbörger bisher von Grundstückseigentümern mitgepflegt, doch sei inzwischen „mancher aus Altersgründen dazu nicht mehr in der Lage“.

Ein Problem, das sich nach Auffassung des Ortsvorstehers in vielen anderen Orten ähnlich darstellen dürfte, denn junge Leute seien vielfach nicht mehr vor Ort, um diese Aufgaben für die Familie zu übernehmen. „Es gibt verschiedene Ortschaften, in denen die Bereitschaft einmal größer war“, hat auch Stadtbürgermeister Karl Ridder erfahren.

So kommt das Thema nun auf die Tagesordnung. Nach IK-Informationen wird schon in den Fraktionen darüber beraten, für eine Sitzung des Verwaltungsausschusses soll die Problematik auch schon auf der Agenda stehen. „Es wird ein Thema für die Ausschüsse und den Rat“, bestätigt Ridder.

Möglicherweise wird dabei auch die bisherige Praxis nicht unberührt bleiben, nach der an die kleineren Orte eine auf Quadratmeterberechnungen basierende Aufwandsentschädigung für einen oder mehrere Ortspfleger gezahlt wird. Diese Leute kümmern sich um öffentliche Plätze wie Kinderspielplätze, Ehrenmale und ähnliches. Für das gleiche Geld wie bisher werde man da keine zusätzliche Leistung erwarten können, meint Tielbörger.

In Radenbeck merkte ein Bürger an, dass solche Arbeiten in Wittingen und Knesebeck durch den Bauhof erledigt würden. Für diese Orte fließe im Gegenzug auch keine Aufwandsentschädigung, antwortete Kämmerer Schulz.

Klar ist: Wenn die Arbeiten, die bisher durch freiwilliges Engagement erbracht worden sind, künftig über eine städtische Lösung erledigt werden müssen, wird es in der Summe teurer für die Allgemeinheit – zumal dann gleiches Recht für alle Ortsteile her muss. Tielbörger hält die Pflege nicht in demselben Umfang wie bisher für bezahlbar: „Jeder muss sich im Klaren darüber sein, dass es vor seiner Tür dann nicht mehr so aussieht wie früher.“

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