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Stadt Wittingen steht bei Hafen-Projekt vor massiv steigenden Preisen

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Von: Holger Boden

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Politiker und Rathausmitarbeiter aus Wittingen stehen im Wittinger Hafen direkt am Ufer des Kanals.
Ortstermin am maroden Anleger: Günter Kruse (4.v.r.), Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, musste Vertretern von Politik und Verwaltung von massiv steigenden Preisen berichten. © Boden, Holger

Wittingen – Inflation – das Schreckgespenst, das der Verbraucher von Tankstellen und Supermärkten kennt, führt auch für die Stadt Wittingen zu Schwierigkeiten. Denn bei der geplanten Sanierung der maroden Liegestelle am Elbe-Seitenkanal drohen die Kosten davonzulaufen.

Die Details erläuterte Fachbereichsleiter Günter Kruse jetzt bei einem Ortstermin für Ratsmitglieder mehreren Vertretern der Wittinger Stadtpolitik und der Verwaltung. Unter anderem sei man mit Stahlpreisen konfrontiert, die „durch die Decke gehen“. Und das führe dazu, dass für das als 4,2-Millionen-Euro-Projekt geplante Vorhaben mittlerweile wohl mit einem Invest von 6 Millionen Euro kalkuliert werden muss.

Für die Stadt wäre das ein Schluck aus der Pulle, denn die Finanzierung der Sanierung wird durch eine Förderung des Landes Niedersachsen in Höhe von 2,5 Millionen Euro ermöglicht. Das Problem: Steigen die Preise, dann steigt der Zuschuss nicht mit. Die Aussichten auf eine höhe Förderung seien bereits abgeklopft worden, sagte Kruse – da gebe es leider keine Chance.

Die Stadt müsse sich nun eine Frage stellen, so der Fachbereichsleiter: „Können wir das so stemmen?“ Dank der hohen Förderung sei die Ertüchtigung der Liegestelle natürlich eine einmalige Gelegenheit. Allerdings werde man wohl ein Votum der Politik brauchen, ob unter den geänderten Rahmenbedingungen an dem Projekt festgehalten werden soll. In diesen Tagen erwarte man noch einmal eine aktualisierte Kostenaufstellung.

Nicht leichter wird die Aufgabe dadurch, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) im Kanalbett direkt vor dem Anleger eine Sohlsicherung fordert, wie Kruse erläuterte. Die kostet noch einmal 250 000 Euro, eine Summe, die in den 4,2 Millionen noch gar nicht inbegriffen war.

Für die Stadt ist es nun umso ärgerlicher, dass die Umsetzung des Vorhabens einen so langen und zähen Vorlauf hatte. Gespräche über die Übernahme der Liegestelle, die bisher dem WSA gehört, reichen in die weitgehend inflationslose Zeit vor 15 Jahren zurück und waren zwischenzeitlich an stark differierenden Preisvorstellungen gescheitert. Vormals seien 1,5 Millionen aufgerufen worden, hieß es bei dem Ortstermin. Inzwischen – nachdem sich auch die große Politik eingeschaltet hatte – hat man sich wohl auf 80 000 Euro geeinigt. Der Kauf soll in Kürze über die Bühne gehen.

Dass der Wittinger Hafen bei vielen Unternehmen für eine potenzielle Ansiedlung im Blickfeld ist, das bestätigte Sabrina Puskeiler, Abteilungsleiterin für Stadtentwicklung. Auch Stadtbürgermeister Andreas Ritter sprach von „Anfragen für Flächen, die zum Teil sehr konkret sind“. Mitunter gehe es um sehr große Dimensionen.

Vor diesem Hintergrund, so Puskeiler, stelle sich auch die Frage, ob die geplante östliche Erweiterung von 29 Hektar und die Zusatzfläche von 49 Hektar im Süden überhaupt reichen werden. Das Interesse stehe und falle freilich mit den Perspektiven für die A 39.

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