„Wir sind auf keinem guten Weg“

Reinhard Zakrzewski zeigte eine Prognose des Wetters in den nächsten Jahrzehnten.

ard Emmen. „Wir sind auf keinem guten Weg.“ Ebenso nüchtern wie offensichtlich richtig war die Antwort von IK-Wetterexperte Reinhard Zakrzewski auf die Frage eines Zuhörers nach seinem Vortrag über das Wetter in den nächsten Jahrzehnten. Dass es bisher schon weit mehr als äußerst ungemütlich werden kann, hatte das Publikum am Montagabend, die Mitglieder der Agrarberatung Südheide, persönlich bereits erlebt, denn das letzte Jahr war in jedem Monat ein Extrem, was das Wetter angeht.

Der Januar außergewöhnlich kalt, sehr hohe Schneedecke im Februar, Temperaturunterschiede von 40 Grad im März, sehr trockener April, trockenstes Monatspaar Juni/Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, Rekordnässe im August – jeder Monat war aus Wettersicht etwas Außergewöhnliches.

Dazu zeigte Zakrzewski Bilder von schlimmen Umweltkatastrophen. Der Sturm Kyrill, taubeneigroße Hagelkörner, 30 Meter hohe Monsterwellen in der Nordsee, Tornadoverdacht in dieser Region waren allein hierzulande zu erleben. „Zwei Drittel bis drei Viertel der Wetterveränderungen sind von Menschen gemacht“, stellte Zakrzewski klar. Vor allem die Treibhausgase Methan und Kohlendioxid, aber auch das Treibhausgas Wasser seien für die globale Erwärmung verantwortlich. Und die mit Computersimulationen getroffenen Prognosen für die nächsten 30 Jahre sagen für das nordöstliche Niedersachsen weitere Veränderungen voraus. Mindestens 0,4, wahrscheinlich 0,6, maximal 1,1 Grad sollen danach die globalen Temperaturen ansteigen. Doch das sei jetzt schon erreicht, sagte Zakrzewski.

Bis zum Jahr 2100 drohe eine Temperaturzunahme um 5 Grad. „Würden die Temperaturen um fünf Grad sinken, hätten wir eine Eiszeit“, zog der Wetterexperte einen Vergleich. Zwar herrschten im letzten Jahr in Nordeuropa eisige Temperaturen, doch sei es im Rest der Welt, vor allem in der Arktis, erheblich wärmer geworden. Kein Trost bot da die Aussage, dass die Niederschläge voraussichtlich konstant bleiben. Denn sie fielen zum falschen Zeitpunkt und an falschen Orten, auch das erleben die Landwirte jedes Jahr. Zu stoppen sei der Klimawandel nicht, er schreitet voran, sagte Zakrzewski, selbst wenn man alles umsetze, was in Europa angedacht ist. Denn der Einfluss etwa des Verhaltens der Amerikaner sei zu groß. „Da kommt man sich schon komisch vor, wenn man hier Energiesparlampen einschraubt“, merkte Zakrzewski an.

Daher müsse man sich anpassen, auch, weil natürliche Wetterschwankungen hinzu kämen. Optimierung der Wassergaben, Anbau trockenresistenter Arten wie Hirse, Züchtung hitzeresistenter Kartoffelarten, etwa solche mit großen Blättern, die den Boden schützen, Aufbau von Grundwasserreserven, Aufforstung von Bestandslücken in Nadelwäldern mit Laubbäumen oder der Einsatz wassersparender Beregnungsanlagen nannte Zakrzewski als mögliche Maßnahmen für die Landwirtschaft.

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