„Wir glauben, wir überstehen das“

Aktuelle Situation der Privatbrauerei Wittingen in der Corona-Krise

Axel Schulz-Hausbrandt im Sudhaus der Privatbrauerei Wittingen: Der Geschäftsführer ist auch in der Corona-Krise überzeugt vom Weg seines Unternehmens, auf Qualitätsprodukte zu setzen.
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Axel Schulz-Hausbrandt im Sudhaus der Privatbrauerei Wittingen: Der Geschäftsführer ist auch in der Corona-Krise überzeugt vom Weg seines Unternehmens, auf Qualitätsprodukte zu setzen.
  • Holger Boden
    vonHolger Boden
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Wittingen – Axel Schulz-Hausbrandt findet deutliche Worte für die aktuelle Situation der deutschen Brauereien: „Wir laufen in der Branche auf eine Katastrophe zu“, sagt der Geschäftsführer der Wittinger Privatbrauerei.

Gleichzeitig hat er Hoffnung, dass sein Unternehmen die Corona-Krise überlebt: „Es weht ein rauer Wind – dennoch glauben wir, dass wir das überstehen werden. “ Keine Zeit zum Jubeln also, aber an der Ernst-Stackmann-Straße steckt man auch nicht den Kopf in den Sand.

Doch die Herausforderungen sind groß. Der Biermarkt schrumpfte schon vor der Corona-Krise, die Pandemie wirkt da derzeit als Beschleuniger. Mit einer durchgreifenden Erholung für das Geschäft rechnet Schulz-Hausbrandt frühestens für 2023.

Ein Teil der Belegschaft der Privatbrauerei ist derzeit in Kurzarbeit, Entlassungen soll es nicht geben.

Die aktuellen Staatshilfen reichen seiner Auffassung nach allerdings bei Weitem nicht aus – der Brauerei-Geschäftsführer hat da vor allem die Gastronomie im Blick, die für die Privatbrauerei ein unverzichtbarer Partner ist: „Wir können uns glücklich schätzen, dass der Wirtschaft überhaupt geholfen wird. Aber die Hilfen kommen bei den Betrieben bisher nicht an.“ Und der Zeitfaktor werde zunehmend wichtig, wenn es um das Durchhalten der Betriebe geht. Wobei Schulz-Hausbrandt betont, dass er nicht die Maßnahmen gegen Corona an sich kritisiert.

Das Problem der fehlenden Planbarkeit

Was für die Privatbrauerei jedoch am meisten fehlt, ist eine Perspektive, mit der sich Pläne machen lassen: Nach dem Ausfall der Schützenfest-Saison 2020 droht für das laufende Jahr ein ähnliches Szenario. Die Uhr tickt, das Frühjahr rückt näher, und die Schützenvereine, so weiß Schulz-Hausbrandt, „sind alle verunsichert und wissen nicht, was sie planen sollen“.

Letztes Jahr ließen sich viele Vereine mit viel Kreativität Ersatz-Schützenfeste einfallen und setzten dabei auch auf ihre bewährte Partnerschaft mit der Privatbrauerei. Solche Ideen seien natürlich willkommen, sagt Schulz-Hausbrandt: „Wir sind für alles zu haben. Allen Beteiligten wäre es aber natürlich am liebsten, wenn wir wieder ganz normal zusammen feiern könnten.“

Für die Brauerei sind Schützenfeste und andere Events elementar wichtig für den Fassbier-Absatz. Da sorgte im letzten Jahr immerhin der Verkauf von Flaschenbier für Freude, weil die Umsätze stiegen und die Privatbrauerei die Früchte ihrer Qualitätsoffensive erntete. Leider folgte zu Beginn des Jahres nun „ein historisch schlechter Januar“, wie Schulz-Hausbrandt bilanziert. Der Absatz habe da 20 Prozent unter dem von Januar 2020 gelegen: „Das war der erste Monat, in dem wir die Krise auch beim Flaschenbier gemerkt haben.“ Zurückzuführen sei das wohl auf die Kontaktregeln, die kein Bier in geselliger Runde zugelassen haben. Dass der Trend die gesamte Branche getroffen habe, mache die Sache nicht besser.

Neues Bio-Landbier: Gute Resonanz

Vorher sei das Unternehmen beim Flaschenbier auf einem guten Weg gewesen, sagt Schulz-Hausbrandt. Die Verluste beim Fassbier und in der Gastronomie ließen sich damit freilich nicht komplett auffangen. Das liege schon am naturgemäß eingeschränkten Marktzugang, den man als regional agierende Brauerei nun einmal habe – für überregional tätige Mitbewerber gebe es da andere Möglichkeiten.

Hoffnungen setzt die Privatbrauerei derweil auch in ihr Bio-Landbier, das im Herbst auf den Markt gekommen ist. Das goldschimmernde Spezialbier sei im November und Dezember sehr erfreulich gestartet, berichtet der Geschäftsführer: „Die Rückmeldungen zum Geschmack waren überaus positiv. Wir sind von dem Produkt sehr überzeugt und wollen damit auch zeigen, wie vielseitig wir sind.“ Über Bioläden wird es unter anderem auch in umliegenden Städten vermarktet.

Entlassungen sind kein Thema

Die Privatbrauerei stellt sich also breiter auf, letztes Jahr war auch die Einführungsphase für das Bio-Erfrischungsgetränk „Mandelrose“ in Testmärkten gestartet. Das Unternehmen ist zudem in Gesprächen über Aufträge für Entwicklung und Abfüllung anderer qualitativ hochwertiger Getränke, die dann im Auftrag in Wittingen produziert werden.

Teile der Belegschaft sind derzeit in Kurzarbeit. Entlassungen gab es laut Schulz-Hausbrandt in der Corona-Krise bisher nicht, und weiterhin gelte, dass solche Schritte auch nicht vorgesehen sind.

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