IK-Wetterexperte Zaki prognostiziert kein baldiges Ende des milden Wetters / Extreme im Jahr 2011

Für den Winter wird es eng

Große Regenpfützen und Herbst-Atmosphäre wie hier in der Repker Heide – so präsentiert sich der Winter im Isenhagener Land. Foto: Peter

Isenhagener Land. Nach dem spätherbstlichen milden und verregneten Dezember geht es für den Winter nun langsam ans Eingemachte. Schaltet die Großwetterlage nicht bald von atlantisch mild auf kontinental kalt um, haben Winterfreunde im Flachland nur noch wenig zu lachen.

Entscheidend für die Strenge der kalten Jahreszeit ist der Witterungsverlauf bis zum Dreikönigstag (6. Januar), längstens zum 10. Januar.

Hat bis dahin noch kein nachhaltiger Kaltlufteinbruch aus Osten stattgefunden, greift mit 80-prozentiger Sicherheit die Witterungsregel: „Ist bis Dreikönigstag kein Winter, so kommt auch keiner (kein strenger) mehr dahinter.“ In diesem Fall macht die Erhaltungsneigung der Atmosphäre die Hoffnungen auf bleibendes Winterweiß in tieferen Lagen im Januar und auch noch im Februar zunichte. Abgesehen von kurzen winterlichen Episoden, hat sich diese Regel in den vielen milden Wintern der vergangenen beiden Jahrzehnte immer wieder bestätigt.

Nach Abzug von Orkantief „Andrea“ zum Freitag ist nach den Mittel- und Langfristprognosen der Wetterdienste auch über die Januarmitte hinaus keine grundlegende Umstellung der Wetterlage von mild auf kalt in Sicht. Stattdessen lenken bis auf weiteres vom Atlantik nach Skandinavien ziehende Sturm- oder Orkanwirbel mit ihren Wetterfronten mal milde und mal kalte Meeresluft ins nördliche Deutschland.

Damit werden die Tageswerte im Isenhagener Land bis Mitte Januar voraussichtlich zwischen fünf und acht Grad, die Nachtemperaturen zwischen geringen Minus- und wenigen Plusgraden pendeln. Schneeregen- oder Graupelschauer können ebenso dabei sein wie Trockenphasen durch vorübergehenden Hochdruckeinfluss. Das gilt insbesondere für die erste Hälfte der kommenden Woche.

Für schneesichere Schussfahrten per Schlitten oder auf Skiern stehen also weiterhin nur die Hochlagen der Mittelgebirge beziehungsweise die Alpen oberhalb von 800 bis 1000 Metern Höhe zur Verfügung.

Der Rückblick: Im krassen Gegensatz zu 2010 gab im vergangenen Dezember milde Atlantikluft mit sehr viel Regen und Wind den Ton an. Schädlinge konnten sich die Hände reiben, denn Frost blieb nahezu ein Fremdwort.

In zwei Metern Messhöhe sank das Thermometer zwischen Aller und Elbe nur ein bis vier Mal um wenige Zehntelgrad unter den Gefrierpunkt. Vergleichbar harmlos war seit Menschengedenken nur der Dezember 1912 und – mit gewissen Abstrichen – der Dezember 1974.

Niederschlag gab es fast nur in flüssiger Form und das in enormen Mengen. In Nordostniedersachsen erreichten die Monatssummen, von Nordwesten nach Südosten abnehmend, gut die Hälfte bis über das Doppelte vom Normalwert.

Auch das gesamte Jahr 2011 war in unserer Region wiederum von erheblichen Wetterextremen geprägt. Dabei standen weniger die Einzelereignisse als vielmehr die jahreszeitlichen Gegensätze im Vordergrund. Auf ein Frühjahr mit Rekordtrockenheit und neuen Bestmarken beim Sonnenschein folgte einer der feuchtesten und trübsten Sommer seit Aufzeichnungsbeginn. Es schloss sich ein ebenso sonniger wie niederschlagsarmer Herbst an, der mit dem trockensten November aller Zeiten endete.

Fast schon vergessen: Die massiven Schadfröste Anfang Mai durch die verfrühten Eisheiligen. Sie ließen mit Luftfrösten um minus vier Grad, am Boden auch unter minus sechs Grad, nicht nur die Obstbaum- sondern gebietsweise sogar die Erdbeerblüten verfrieren.

Die Jahreswerte von Wittingen im Vergleich zum Klimamittel: Mitteltemperatur 9,8 Grad (Abw. + 1,4 Grad); Niederschlag 567 Liter pro Quadratmeter (83 Prozent vom Soll); Sonne 1727 Stunden (110 Prozent vom Soll).

Von Reinhard Zakrzewski

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