Wittingen: Investoren vor der Tür / Neues Vorranggebiet im südlichen Stadtgebiet?

Wind sucht weitere Windräder

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Derzeit läuft die Stromernte auf Hochtouren: zwei der drei Windräder bei Stöcken.

Wittingen. Wo werden die nächsten Windräder stehen? Überall im Gebiet des Zweckverbands Großraum Braunschweig (ZGB) laufen sich Flächenbesitzer, Investoren und Kommunen für die absehbare Ausweisung neuer Flächen warm – der Bereich der Stadt Wittingen macht da keine Ausnahme.

Zwei Vorranggebiete gibt es im Stadtgebiet: bei Ohrdorf und bei Stöcken. Dass es weitere Standorte geben wird, scheint angesichts der energiepolitischen Situation ausgemacht. Für die Stadt Wittingen wird es nur darum gehen, den Planungsprozess mitzugestalten.

Die FWG im Stadtrat hat jetzt konkrete Vorstellungen dazu eingebracht: Neben einer „maßvollen“ Erweiterung der bestehenden Windparks soll im südlichen Stadtgebiet eine weitere Vorrangfläche ausgewiesen werden – so steht es in einem Antrag der Fraktion, die in dem Schreiben die Behandlung der Thematik in den nächsten Sitzungen der Ausschüsse für Bauen sowie Landwirtschaft und Verkehr fordert.

„Die Stadt muss die Planungshoheit behalten und Wildwuchs vermeiden“, fordert der FWG-Politiker Friedrich Lührs. Er sieht eine gewisse Eilbedürftigkeit – denn bis Ende Januar wolle der ZGB Stellungnahmen der Kommunen zum Ausbau der Windenergie haben. 200 zusätzliche Windräder sollen im ZGB-Gebiet entstehen – bei dieser Zahl beruft sich Lührs auf Informationen des Großraum-Verbandes.

Im südlichen Wittinger Stadtbereich, so hat Lührs erfahren, gibt es inzwischen eine Initiative von Ortsvorstehern, die ebenfalls ein neues Vorranggebiet fordern. Wo genau das liegen könnte, ist noch offen, fünf Kilometer Abstand zum Ohrdorfer Windpark müssten nach geltenden Regeln eingehalten werden. Jedenfalls laufen mittlerweile offenbar diverse Investoren den Landwirten im Raum Boitzenhagen/Küstorf/Zasenbeck/Radenbeck die Türen ein, um an Flächen für neue Windräder zu kommen. Ein Prozess, der nach Auffassung der FWG nach Steuerung ruft.

So sieht man es auch bei der SPD: Für Fraktionschef Hans-Heinrich Koch gehören Vorranggebiete dort hin, wo Windpotenzial ist. Das könne gegebenenfalls auch im Süden des Stadtgebietes sein. Dass man sich mit der Thematik befassen müsse, sei klar: „Man kann nicht einerseits aus der Atomenergie aussteigen und andererseits keine Windräder wollen.“

Ralf Beyer, für die Grünen im Stadtrat, wollte die Vorschläge der FWG gestern noch nicht bewerten: „Ich will mich dazu erst einmal schlau machen.“ CDU-Fraktionschef Walter Schulze war für das IK gestern nicht zu erreichen.

Neben der Schaffung neuer Windparks könnte auch der Ausbau der vorhandenen Standorte auf die Tagesordnung kommen. Für die bestehenden Windparks bei Stöcken (drei Anlagen) und Ohrdorf (vier Anlagen) muss nach Auffassung von FWG-Mann Lührs über eine Erweiterung oder über das so genannte Repowering nachgedacht werden – also den Ersatz vorhandener Windräder durch neue, leistungsfähigere. „Mit einer Gesamthöhe von 100 Metern kommt man heute nicht mehr weiter“, weiß Lührs. In den beiden existierenden Vorranggebieten habe die Stadt vor rund zehn Jahren recht restriktive Vorgaben gemacht.

Von Holger Boden

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