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Wie will Wittingen Erdgas sparen?

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Von: Holger Boden

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Die Flammen eines Gasherdes sind vor dunklem Hintergrund zu sehen.
Auf kleiner Flamme? Die aktuelle Energiekrise dürfte unpopuläre Entscheidungen nötig machen – auch auf kommunaler Ebene. © Marijan Murat /dpa

Wittingen – Seit Donnerstag gilt beim „Notfallplan Gas“ der Bundesrepublik die mittlere Eskalationsstufe – nicht mehr Frühwarnung, noch nicht Notfall, aber schon Alarm. Für alle Verbraucher – Wirtschaft wie auch öffentliche Hand und Privathaushalte – ist das der deutliche Aufruf zum Sparen, weil es sonst in der nächsten Heizsaison zu Engpässen bei der Versorgung kommen könnte. Welche Schritte unternimmt jetzt die Stadt Wittingen?

Für die Politik ist die Situation noch zu frisch, als dass es schon fertige Antworten gäbe. Von manchem Verantwortlichen kommt auf IK-Anfrage zur aktuellen Energiekrise der Verweis auf kommunale Anstrengungen im Bereich Photovoltaik, die man nun endlich intensivieren müsse, mancher erinnert an den Klimamanager, den die Stadt bald haben soll – doch das sind alles Pläne, die bis zum Herbst noch keine Wirkung entfalten werden.

Grünen-Sprecher Christian Schroeder findet denn auch deutliche Worte: „Wir leben auf hohem Niveau, und da muss man jetzt ehrlich sagen, dass wir das kurzfristig nicht halten können werden. Sparen ist jetzt das richtige Signal.“ Auch BA-Fraktionschef Eckhard Meyer findet, die Stadt müsse in dieser Hinsicht „mit gutem Beispiel vorangehen“. Walter Schulze, Fraktionsvorsitzender der CDU, sieht das genauso. SPD-Chef Jörg Bialas geht davon aus, dass das Thema „in den nächsten Wochen“ auf die Tagesordnung kommt.

Dann wird die Politik sich die Gretchenfrage stellen müssen: Was genau bedeutet „sparen“ bei den rund 80 städtischen Liegenschaften? Die Spannbreite könnte von Entscheidungen für echten Verzicht über punktuelle Minderverbräuche bis hin zu dem vereinzelten Versuch reichen, durch technische Verbesserungen weiterhin einigermaßen das gewohnte Versorgungsniveau zu bieten.

So glaubt Schulze, dass es bei vielen Liegenschaften noch Einsparpotenzial durch bessere Dämmung geben könnte. Und mit Blick auf die derzeit rückläufige Baukonjunktur sei es vielleicht nicht illusorisch, relativ kurzfristig die geeigneten Fachfirmen dafür zu finden.

Und wenn das doch zu spät kommt, weil die Heizperiode ja bereits in rund drei Monaten beginnt? So oder so dürften sich viele Fragen stellen, deren Beantwortung darüber entscheidet, wie groß der Wittinger Beitrag zur nationalen Anstrengung ausfällt, mit dem zur Verfügung stehenden Gas über den Winter zu kommen.

Am Knesebecker Hallenbad zeigt sich beispielhaft die Vielfalt der Optionen: Ganz schließen? Zwei Grad weniger Wassertemperatur? Alles beim Alten lassen oder schnell noch besser isolieren? Oder: Dämmen und die Temperatur runterregeln?

Diese Fragen stellen sich ähnlich auch für andere Objekte, und für Antworten wird es – auch in der Politik – viele Perspektiven geben. „Da hat sich noch keiner einen Kopf gemacht“, meint Klaus Palluck (FWG), „da stehen wir noch ganz am Anfang.“ Er sieht den Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaft am 4. Juli als Gelegenheit, in die Diskussion einzusteigen.

Und das Thema ist komplex. Wie kalt darf es nötigenfalls in den Schulen und Kitas werden? Welches Heizniveau für den großen Gebäudekörper der unregelmäßig genutzten Stadthalle ist jetzt noch vertretbar, wie sieht es mit Dorfgemeinschaftshäusern aus? Sitzen Rathaus-Mitarbeiter im Winter vielleicht besser im Homeoffice – weil Privathaushalte ja bevorzugt mit Gas beliefert werden sollen, und weil möglicherweise eh die nächste Corona-Welle durchs Land rollt?

Und kann man auch bei Energieverbräuchen ansetzen, die auf den ersten Blick nichts mit Erdgas zu tun haben? So stammten im vergangenen Jahr 15 Prozent der deutschen Stromproduktion aus Gaskraftwerken. Könnte es also helfen, die Straßenbeleuchtung zu reduzieren? Schroeder findet: ja. In der gegenwärtigen Situation gelte es, bei allen Energieträgern den Verbrauch auf den Prüfstand zu stellen: „Es geht ums große Ganze.“

Bialas will noch nicht konkret werden, sondern die Sache erst in seiner Fraktion besprechen: „Wir brauchen zunächst einen Überblick über die städtischen Objekte, die mit Gas beheizt werden.“

Genau diese Bestandsaufnahme will Stadtbürgermeister Andreas Ritter auch liefern, wie er gestern dem IK sagte. „Wir müssen uns fragen, wie wir die Versorgung mit Wärme sicherstellen“, sagt der Rathauschef insbesondere mit Blick auf vielgenutzte Gebäude wie Schulen, Kitas oder das Rathaus. Möglicherweise sei auch mit gesetzlichen Vorgaben zu rechnen.

Immerhin: Einige Gebäude wie die IGS, die Stadtbücherei oder das Wittinger Freibad werden mit Nahwärme aus der Wittinger Biogas-Anlage beliefert. Ihre Versorgung wäre also gesichert.

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