Wetterkapriolen im Mai

Nicht nur die Blumen, auch die Menschen blühen auf bei Sonnenschein.

Isenhagener Land - Von Reinhard Zakrzewski. Mit der Bezeichnung „Mozart des Kalenders“ hat Erich Kästner (1899 bis 1974) dem Blütenmonat Mai die ihm zustehende Reverenz erwiesen. Hochzeitspaare bevorzugen den Wonnemonat zur Eheschließung und auch die Fotografen schätzen den Mai wegen seiner trockenen und klaren Luft, die eine gute Fernsicht ermöglicht.

Auch wenn wir es uns nach diesem langen und kalten Winter sehr wünschen: Von warmen und stabilen Wetterverhältnissen ist auch der letzte Frühlingsmonat noch weit entfernt. Nicht selten dauern die Wetterkapriolen des Aprils bis weit in die zweite Maihälfte hinein an. Typisch für beide Monate sind Kaltlufteinbrüche aus arktischen Breiten, die die rasche Frühjahrserwärmung immer wieder unterbrechen.

Von Obstbauern und Hobbygärtnern besonders gefürchtet sind die Kälterückfälle der norddeutschen Eisheiligen Mamertus, Pankratius und Servatius, die ihre Namenstage vom 11. bis 13. Mai haben. Ihre für die Blütenpflanzen gefährlich tiefen Temperaturen werden in erster Linie durch die starke nächtliche Ausstrahlung verursacht, wenn in sternklaren Nächten die vorher eingeflossene Kaltluft zur Ruhe kommt. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts traten die Eisheiligen sehr zuverlässig zwischen dem 11. und 15. Mai auf.

Dann kamen die gestrengen Herren aus dem Tritt. Heute klopfen sie nur noch unregelmäßig zwischen dem 4. und 17. Mai an und zeigen sich durch die Klimaerwärmung auch noch zunehmend zahmer. Trotzdem müssen wir im Mai immer noch mit einer Frostnacht (Luftfrost in zwei Meter Messhöhe) und mit bis zu fünf Nächten mit Reifbildung und geringem Bodenfrost rechnen.

Dazu der Wetterreim: „Der Mai, als Wonnemonat erkoren, hat den Reif noch hinter den Ohren.“ Insgesamt nimmt das Frost risiko von Anfang bis Ende Mai mehr oder weniger kontinuierlich ab. Ab dem 20. Mai ist die Gefahr von Minustemperaturen nur noch sehr gering. Wer mit seinen frostempfindlichen Balkon- und Gartenpflanzen komplett auf der sicheren Seite sein will, sollte mit dem Aussetzen noch die „kleinen Eisheiligen“ Urban und Philipp (25. und 26. Mai) abwarten, die allerdings eher von der harmlosen Sorte sind.

Durch die Verlagerung des hohen Luftdrucks von Asien zum Atlantik, stellt sich die Großwetterlage im atlantisch-europäischen Raum im Mai langsam um. Von vorwiegend wechselhaft und kühlt schaltet die Atmosphäre im Monatsverlauf immer mehr auf sonnig und warm. Eine schon ausgesprochen frühsommerliche Note hat in der Regel das letzte Maidrittel. In diese Zeit fallen die meistens Pfingstfeste, sodass wir auch diesmal über die Feiertage wieder mit strahlendem Ausflugswetter rechnen können.

Im Reigen der sonnigsten Monate belegt der Mai im Isenhagener Land mit durchschnittlich 214 Stunden (6,9 Stunden pro Tag) zusammen mit dem Juni, den Spitzenplatz. Neben der vielen Sonne stehen uns außerdem schon drei Sommertage (mindestens 25 Grad) zu. Mit etwas Glück ist sogar ein heißer Tag (mindestens 30 Grad) dabei, wie am 28. Mai 2005, als in Waldhof bei Langenbrügge mit 34,7 Grad die höchste Maitemperatur in unserer Region überhaupt beobachtet wurde. Die Niederschläge sind mit mageren 55 Liter/Quadratmeter, gemessen an den anderen Monaten, relativ niedrig.

Fast alle bäuerlichen Wünsche zielen wohl auch deshalb auf einen eher zu nassen und kühlen Mai ab. Dies wird in zahlreichen Sprüchen deutlich, wie etwa zum 1. Mai: „In der Walpurgisnacht Regen, bringt ein Jahr mit reichem Segen“ oder der bekannteste: „Mai kühl und nass, füllt dem Bauern Scheun und Fass“, ebenso „Mairegen auf den Saaten, dann regnet's Dukaten“ und „Ein kühler Mai wird hoch geacht‘ und hat stets fruchtbar Jahr gebracht.“ Der Erfahrungsschatz dieser Regeln deckt sich auch mit Untersuchungen, wonach ein relativ kühler und nasser Mai günstig für den Getreideertrag ist.

Fazit: Der liebliche Mai ist in jeder Hinsicht ein bemerkenswerter Monat.

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