„Wenn es um Sekunden geht ...“

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Sieben Aktive und drei Nachwuchs-Feuerwehrleute der „Seers“ dienen in der Freiwilligen Feuerwehr Wittingen.

Wittingen. – Von Jürgen Kayser. „Eintritt und Austritt sind freiwillig – alles andere ist Pflicht.“ Dieser „obligatorische Willkommensgruß“, wie Adrian Seer das offizielle Aufnahmezeremoniell in die Freiwillige Feuerwehr umschreibt, klingt zwar ein wenig pathetisch, doch der Spruch passt. Welcher langgediente Feuerwehrmann wüsste das nicht?

Sieben Aktive aus der Feuerwehr-Großfamilie „Seer“, die in der Ortsfeuerwehr Wittingen ehrenamtlich Dienst tun, ließen sich auf „Ehre und Gewissen und per Handschlag dazu verpflichten.“

Adrian Seer, dem Dienstgradhöchsten und ältesten der Brüder folgten Detlev (1979) und Rüdiger (1981) in die Feuerwehr. Die beiden wechselten die Gleise bis heute nicht, jeder hält als Erster Haupt-Feuerwehrmann zur Stange, und ihre Ehefrauen zogen und ziehen mit. Bettina Seer zog als Aktive engagiert mit. Sie zog nach Wittingen: Die Hauptfeuerwehrfrau stammt aus Ebstorf, wo sie das Feuerwehrhandwerk von der Pike auf erlernt hat.

Aus der Patenschaft, die die Wittinger und Ebstorfer Feuerwehrleute einst miteinander eingingen, spross eine Partnerschaft, die mit einer großen Feuerwehrhochzeit bejubelt wurde. Die Ebstorferin und Detlev Seer aus Wittingen heirateten. Michel Seer (11), Sohn der Feuerwehrfamilie, eifert seit einem Jahr seinen Vorbildern in der Jugendfeuerwehr Wittingen nach.

„Was bedeutet Pflicht?“ Wenn Adrian Seer über die Verknüpfung von Freiwilligkeit und Pflichtgebot in der Feuerwehr spricht, umreißt er die Forderung des Tages: „Jederzeit, Tag und Nacht, bereit zu sein auszurücken, effizient und schnell einzugreifen, dort, wo die Feuerwehr gebraucht wird.“

„Die große Waldbrandkatastrophe im August 1975 in der südlichen Lüneburger Heide, besonders in den Landkreisen Gifhorn und Celle, die Rauchsäulen in der Ferne und die Schreckensmeldungen, die die Medien verbreiteten, waren ausschlaggebend für mich, in die Freiwillige Feuerwehr einzutreten“, sagt Seer, der ein Jahr nach dem Flammeninferno zu den Aktiven um Heinz Geilich, dem damaligen Wittinger Ortsbrandmeister stieß.

„Die Zeit der Seiteneinsteiger, wie ich es war, ist vorbei. Wenn heute eine Feuerwehr überleben will, muss sie sich auf eine intakte, gut funktionierende Jugendfeuerwehr stützen können, sonst hat sie keine Chance“, ist der Oberlöschmeister überzeugt.

Adrian Seers erwachsenen Söhne avancierten zu Nachrückern in der Feuerwehr-Branche: Carsten und Andreas Seer gingen den klassischen Weg über die Jugendfeuerwehr bis in die aktive Truppe. Erfolgreich. „Die Feuerwehr, die uns prägte, war und ist immer ein Teil unseres Alltags gewesen. Tanten, Onkels und der Vater lebten in unseren Familien Feuerwehr vor“, erzählte Carsten Seer, Betriebswirt von Beruf. 1982 wurde er geboren, mit zehn Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein, heute ist er Löschmeister und Gruppenführer der zweiten Gruppe – topp qualifiziert.

Claudia und Rüdiger Seer, die seit 1990 und 1981 der Freiwilligen Feuerwehr Wittingen angehören, verdienten sich ihre erste Anerkennung als Betreuer in der Jugendfeuerwehr. Die Fachfrau engagierte sich dort zehn Jahre lang, weil für die Mädchen eine Betreuerin gebraucht wurde. Sie war in Wittingen die erste aktive Feuerwehrfrau überhaupt.

Sieben absolvierte Lehrgänge untermauern die Feuerwehrkarriere der Frontfrau. 1992 avancierte sie in der Bezirksregierung Lüneburg zur Pionierin, zur ersten Frau mit AGT-Ausbildung. Seit 20 Jahren ist die Erste Hauptfeuerwehrfrau Stadtfrauensprecherin und seit 2010 fungiert sie als Kreisfrauensprecherin.

Die Kinder Pascal und Pátric Seer wollen in die Fußstapfen der Eltern treten. Derzeit büffeln sie in der Jugendwehr das Feuerwehr-ABC.

In einem sind sich die erfahrenen Feuerwehrmänner in den Familien Seer einig: „Ohne verständnisvolle Frauen in den Familien, die die ehrenamtliche Tätigkeit ihrer Männer unterstützen und ohne aktive Feuerwehrfrauen, dreht sich in den Wehren kein Rad…“

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