Wenn der Gang schwankt

Interessiert hörten sich die Schüler die Ratschläge der Experte an.

Gifhorn - Von Burkhard Ohse. Wie fühlt man sich mit 1,3 Promille, und wie sicher ist man dann noch? Zwar sieht man recht „cool“ mit einer Rauschbrille aus New York aus, und einige Schüler der Berufsbildenden Schulen II zeigten sich gestern bei der Alkoholisierungssimulation doch recht tritt- und ballfangsicher. Doch die Zahl der Pylonen, die nach Aufsetzen der Brille genannt wurden, schwankte dann doch ebenso wie der Gang um die Hütchen herum.

Mal ein wenig hier anstoßen, mal dort. Im Straßenverkehr kann das sehr schnell tödlich enden. Klaus Menkens, Verkehrssicherheitsberater bei der Polizei, hielt keine Moralpredigt, sondern führte vor Augen, was passieren kann, wenn man vor der Fahrt zu tief ins Glas geschaut hat. „Das ist unsere Aktion ‚Junge Fahrer‘, die wir zusammen mit der Schule und der Verkehrswacht durchführen“, erklärte Menkens.

Einige Räume weiter führten Michael Klusmann und Gerhard Lehner von der Verfügungseinheit der Gifhorner Polizei Videos der besonderen Art vor. „Eben noch auf der Kartbahn in Stüde, jetzt schon auf der K 7 Richtung Knesebeck mit Tempo 200“, sagte Lehner und nannte auch die Konsequenzen. Strafverfahren, Führerscheinentzug.

Dieses und andere Verkehrsdelikte aus dem Fundus der Ordnungshüter, aufgenommen mit dem Police-Pilot-System, beeindruckten. „Hier kann man mal locker ins Gespräch kommen mit den Schülern. Vor allem interessieren sie die Konsequenzen beim Führerschein auf Probe oder für Fahranfänger“, so Lehner.

„Und hier wird den Schülern gezeigt, wie wenig Chancen man hat, nicht erwischt zu werden“, sagte dazu Lutz Dietrich, Geschäftsführer der Verkehrswacht und Lehrer an den BBS II. Draußen setzten Mitglieder der Verkehrswacht Braunschweig die Schüler in den Überschlagsimulator.

„Ich weiß jetzt, was passiert. Am Anfang war ich ein bisschen schockiert“, sagte ein Schüler nach dem Erlebnis. „Wir haben viele Schüler im Alter von 18 bis 24 Jahren, Fahranfänger, die zu den Hauptunfallverursachern gehören“, sagte Schulleiter Klaus Röhr.

Jeder dritte Unfall wird von Jugendlichen dieser Altersgruppe verursacht, oft genug mit purem Leichtsinn und tödlichem Ausgang, nannte Dietrich dazu den Unfall in der Nachbarstadt Wolfsburg, bei dem kürzlich von fünf Fahrzeuginsassen vier ums Leben kamen, der fünfte ein Bein verlor, als der Fahrer mit Tempo 140 durch die Stadt rauschte.

„Auch, wenn es cool aussieht und viele die Tricks kennen, mit denen sie akustische und optische Warnsignale außer Kraft setzen können, um den Sicherheitsgurt nicht anzulegen: Schon bei Tempo 50 kann aus einer losen CD im Auto ein messerscharfes Geschoss werden“, hörten die Schüler. Dass die Worte und Vorführungen etwas bringen, steht auch fest. „Früher haben wir in jedem Jahr zwei, drei Schüler zu Grabe getragen. Diese Zahl hat drastisch abgenommen“, unterstrich Dietrich.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare