Der Müll der anderen

Wenn der Abfall in der eigenen Tonne von Fremden stammt

+
Ist das die Lösung?

Isenhagener Land. Ungefragt den Müll anderer Leute entsorgen? Macht keiner gern. Eine Seniorin aus Knesebeck musste jetzt aber genau das tun – ein Unbekannter hatte ihre schwarze Restmülltonne mit einem zerschnittenen Plastikbehälter mehr oder weniger verstopft.

Die schlechte Nachricht ist: Betroffene stehen mit dem Schaden in solchen Fällen weitgehend alleine da.

Im Knesebecker Fall ging es nur um Kunststoff, wenn auch um eine ganze Menge davon: „Die Teile waren fast einen Meter hoch“, sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Nette Menschen halfen ihr bei der fachgerechten Entsorgung.

Sie fragt sich allerdings, was passiert wäre, wenn an jenem Tag die Müllabfuhr gekommen wäre: „Die hätten das ja vielleicht gar nicht mitgenommen.“ Weil das Plastik eben eigentlich in den gelben Sack gehört.

Noch viel spannender ist die Frage: Was unternimmt jemand, wenn er in seiner Mülltonne einen Behälter mit Schadstoffen finden sollte, den er dort nicht hineingetan hat? Antje Präger, zuständige Bereichsleiterin beim Landkreis Gifhorn, weiß, dass die Antworten darauf nicht allzu zufriedenstellend ausfallen: „Es ist nicht vorgesehen, dass der Landkreis dann losfährt, um die Sache abzuholen.“ Der Geschädigte sei dann in der Pflicht, sich um die ordnungsgemäße Entsorgung zu kümmern – „leider“. Immerhin: Solche Fälle gibt es im Landkreis Gifhorn offenbar kaum, jedenfalls sind bisher keine auf Prägers Tisch gelandet. Ihr Rat: Prävention. „Man sollte die Mülltonne die meiste Zeit der Woche so stellen, dass kein Fremder Zugang hat.“

Auf großartige polizeiliche Verfolgung der Angelegenheit darf ein Betroffener wohl auch nicht hoffen. Nach Angaben von Gifhorns Polizeisprecher Lothar Michels ist der geplante Müll-Fehlwurf in fremde Tonnen eine Ordnungswidrigkeit nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz. Gehe es nicht um gefährliche Stoffe, dann komme „da eventuell gar nichts bei rum“ – vielleicht ein Bußgeld, sofern man den Verursacher denn überhaupt ausfindig machen könne.

Etwas anders liege die Sache, sobald es um Schadstoffe gehe. „Dann“ so Michels, „ist eventuell der Straftatbestand erfüllt.“ Und dann sollte der Verursacher hoffen, dass niemand hinter der Gardine gestanden hat.

Von Holger Boden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare