„Perspektivisch denken“

Weiterhin Unsicherheit über Zukunft der Bahnstrecke Celle-Wittingen

Ohne die Anbindung über die Strecke Celle-Wittingen würde der Logistik des Wittinger Hafens ein wichtiges Puzzelteil fehlen.
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Ohne die Anbindung über die Strecke Celle-Wittingen würde der Logistik des Wittinger Hafens ein wichtiges Puzzelteil fehlen. 

Wittingen – Dass Ende 2016 die Betriebspflicht der OHE für die Bahnlinie Celle-Wittingen auslaufen würde, kam für das Land Niedersachsen, das zehn Jahre zuvor die entsprechenden Verträge ausgehandelt hatte, so überraschend wie Weihnachten oder Ostern.

Doch nun sind seitdem bald drei Jahre vergangen – und einen Fahrplan für die Zukunft der Trasse gibt es immer noch nicht.

Die OHE hatte beizeiten deutlich gemacht, dass die Trasse für sie nicht wirtschaftlich sei, und dass hohe Investitionen nötig wären. In der Folge wurde diskutiert, ob eine Infrastrukturgesellschaft gegründet werden sollte, in der mehrere Trassen des Unternehmens aufgefangen werden könnten.

Entscheidungen gibt es nach wie vor nicht: „Derzeit wird die Option diskutiert, das Gesamtnetz der OHE zu kaufen“, heißt es auf IK-Anfrage aus dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr (MW). Es gehe dabei um das „Ob“ und um das „Wie“, die Frage der Eigentümerform sei „nachrangig“. Weitere Gespräche des MW mit der OHE seien in Vorbereitung.

Aktuelle Signale der OHE zur Aufgabe der Strecke seien nicht bekannt, heißt es beim MW. Doch Celle-Wittingen scheint auf der Liste der Streichkandidaten oben zu stehen, wenn keine Lösung gefunden wird: Die OHE, so das Ministerium, habe in der Vergangenheit „signalisiert, bei dieser Strecke als eine der ersten eine Stilllegung zu prüfen“.

Für die Stadt Wittingen und ihren Hafen wäre das bekanntlich ein herber Schlag. Das Gewerbegebiet hat zwar auch eine Schienenanbindung über den Wittinger Bahnhof, doch die Gleise aus Richtung Celle wären für die Hafenlogistik eine wichtige Lebensader. „Wenn auf der Bahnstrecke Uelzen-Gifhorn der Stundentakt kommt, dann wird es für den Güterverkehr eng“, weiß Gifhorns Landrat Dr. Andreas Ebel.

Der Steinhorster setzt sich deshalb seit Jahren für den Erhalt der OHE-Trasse ein und hat nach eigenem Bekunden Vertretern des Ministeriums auch dieses Jahr wieder deutlich gemacht, warum sie für den Landkreis und die Stadt von Bedeutung ist. „Es wäre fahrlässig“, so betont Ebel, „diese Infrastruktur verfallen zu lassen. Man sollte hier perspektivisch denken.“

Immerhin: Auch beim MW sieht man die wichtige Rolle, die die Strecke Celle-Wittingen spielt. Zwar heißt es aus Hannover etwas lapidar, dass bisher für die Anbindung des Hafens „keine Kapazitätsengpässe bekannt“ seien, und dass die Frage der künftigen Auslastung der Strecke Uelzen-Gifhorn „nur ein Aspekt sei“. Beim MW findet man aber auch: „Eine Anbindung in Richtung Celle kann auch aus betrieblichen Gründen wichtig sein.“

Volkswirtschaftlich wäre es auch mit Blick auf bereits eingesetzte öffentliche Gelder fragwürdig, die Trasse einzustampfen. Für Celle-Wittingen seien zuletzt, zwischen 2011 und 2015, Investitionszuschüsse des Landes in Höhe von etwa 450 000 Euro geflossen, teilt das MW auf IK-Anfrage mit. Mehr als 1,5 Millionen Euro seien nach Kenntnis des Ministeriums investiert worden.

Die OHE hält seit knapp drei Jahren still. Wie sieht man beim Celler Unternehmen die Entwicklung der Diskussion über den Erhalt der Strecke? Man sei in Gesprächen mit dem Land, bestätigt Prokurist Sebastian Schülke. Er wolle nichts ausschließen, doch für einen Antrag, der zur Stilllegung führt, gebe es derzeit „keine konkreten Überlegungen“.

VON HOLGER BODEN

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