Weitere Windräder?

Zur Erreichung energiepolitischer Ziele soll auch die ZGB-Region einen weiteren Beitrag leisten – möglicherweise mit zusätzlichen Windrädern.

Wittingen - Von Holger Boden. Stehen im Wittinger Stadtgebiet bald weitere Windräder? Das Interesse von Betreiberfirmen ist da – ob ihre Wünsche erfüllt werden, wird davon abhängen, welche neuen planerischen Möglichkeiten der Zweckverband Großraum Braunschweig (ZGB) ihnen eröffnet.

Wittingens Stadtbürgermeister Karl Ridder hatte, wie er jetzt dem Verwaltungsausschuss berichtet hat, kürzlich Besuch von einem Vertreter eines Windpark-Betreibers. Dieser habe, so erläuterte Ridder gestern gegenüber dem IK, wegen möglicher neuer Windräder im Stadtgebiet vorgefühlt. Der Mann hatte sogar konkrete Flächen im Visier – Details hierzu wollte Ridder noch nicht nennen.

Der Rathauschef will nun ein Meinungsbild aus der Politik bekommen. Im Verwaltungsausschuss gab er das Thema mit der Bitte um Beratung an die Fraktionen weiter, Reaktionen gibt es noch nicht.

Wittingen galt, wie das gesamte ZGB-Gebiet, für weitere Windkraft-Projekte eigentlich schon als „dicht“. Inzwischen hat sich die energiepolitische Großwetterlage aber so entwickelt, dass man auch zwischen Braunlage und Bokel nach zusätzlichen Möglichkeiten der Windenergie-Erzeugung sucht. Der ZGB will dafür sein Regionales Raumordnungsprogramm (RROP) überarbeiten.

„Wir müssen noch etwas für die regenerativen Energien tun“, sagt Chefplaner Ulrich Kegel. Insbesondere der in Deutschland angestrebte Ausbau der Elektromobilität mache nur dann wirklich Sinn, wenn der Strom dafür auch aus sauberen Quellen stamme.

Ob nun allerdings tatsächlich viele völlig neue Windkraft-Flächen dabei herauskommen, ist fraglich. „Die Neigung zu neuen Standorten ist eher gering“, sagt Kegel. So werde man sich wohl eher über eine Erweiterung vorhandener Standorte unterhalten. Auf Wittinger Gebiet gäbe es dafür mit den Parks bei Ohrdorf und Stöcken zwei Möglichkeiten.

In einer Ausschusssitzung am 26. August soll beim ZGB über die Grundzüge der RROP-Überprüfung beraten werden. Konkrete Standorte werden dann laut Kegel noch nicht Gegenstand der Diskussion sein: „Es wird um planerische Eckpunkte gehen, um das, was geht, und um das, was nicht geht.“

So sollen nach derzeitigem Stand die bestehenden Abstandregeln nicht angetastet werden. Sowohl die Abstände zur Wohnbebauung als auch die Minimal-Distanzen zwischen einzelnen Windparks hätten sich bewährt, sagt Kegel. Dass dieses Konzept auf einer festen gesetzlichen Grundlage stehe, das habe dem ZGB gerade erst ein gewonnener Prozess gezeigt.

Kegel weiß: Die Windkraft bringt gute Renditen, deshalb gibt es auch einen Kampf um die Standorte – und deshalb dürfte wohl auch Stadtbürgermeister Ridder bereits frühzeitig Besuch gehabt haben, ohne dass seitens des ZGB überhaupt schon die Weichen gestellt sind.

Möglich ist, dass in der anstehenden „Erweiterungsrunde“ der politische Widerstand nicht so groß ist wie in früheren Jahren. Denn Kegel hat beobachtet, dass die Kommunen der Windenergie zunehmend positiv gegenüber stehen: „Die Anlagen garantieren eine regelmäßige Steuereinnahme.“ Der Ertrag für die Kommune belaufe sich pro Windrad auf 10- bis 17 000 Euro pro Jahr.

Zudem profitieren Windkraft-Orte mitunter von weiteren „Bonbons“. In Hohne (Landkreis Celle) etwa haben die Gemeinde und die Flächenbesitzer eine Windpark-Stiftung gegründet, von deren Erträgen Jugend, Sport und Dorfgemeinschaft profitieren sollen. Geplant ist eine Ausschüttung von 12 000 Euro jährlich.

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