Streit um Hecke an Wittinger Grundschule: CDU und Grüne werfen Lührs „PR-Aktion“ vor

Weißdorn wird zum Politikum

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Kann das weg? Um die Hecke der Grundschule am Umweg ist ein politischer Streit entbrannt.

Wittingen. Jetzt wird die Schulhecke am Umweg zum Wittinger Sommer-Politikum: CDU und Grüne werfen dem FWG-Landtagskandidaten Friedrich Lührs ein Wahlkampfmanöver vor, der will angesichts der geplanten Beseitigung der Hecke ein Thema für den Landkreis daraus machen, und ein Bürger hat sogar schon seine Anwältin eingeschaltet.

Das IK berichtete am 7. Juli, dass Lührs nach einem Beschluss des Verwaltungsausschusses, die Weißdornhecke der Grundschule am Umweg abzureißen, einen gegensätzlichen Antrag gestellt hatte. Sichtschutz, Lärmschutz, Lebensraum für Tiere – das waren seine Gründe für einen Erhalt der Hecke.

Uwe Hoppmann (CDU) als Sprecher der Gruppe CDU/Grüne und sein Stellvertreter Christian Schroeder (Grüne) sehen in Lührs’ Antrag eine „PR-Aktion des im Landtagswahlkampf für die Freien Demokraten befindlichen Ratsmitgliedes“. Die von ihm angeführten naturschutzrechtliche Belange halten sie für „vorgeschoben“.

Die Entscheidung, die Dornenhecke durch einen Metallzaun zu ersetzen, stamme aus der letzten Wahlperiode, in der die FWG in politischer Mitverantwortung stand, betonen Hoppmann und Schroeder. Der Beschluss gehe auf einen Wunsch der Schulleitung zurück, und die Gründe seien „naheliegend“, da die breit gewachsene Dornenhecke für die Grundschüler eine „Gefahrenquelle“ darstelle.

Der FWG werfen CDU und Grüne nun eine Rolle rückwärts vor: Laut Protokoll des Schulausschusses vom 4. Mai wurde in der Sitzung über das Hecken-Zaun-Vorhaben informiert, die FWG war dort durch den Ratsherren Thomas Knöfel vertreten. Die Auftragsvergabe folgte im Verwaltungsausschuss (VA) am 22. Juni. Hoppmann: „In beiden politischen Gremien hat die FWG mit keiner Silbe diesem Vorhaben widersprochen.“ Die Auftragserteilung zur Beseitigung der Hecke sei einstimmig erfolgt.

Im Bauausschuss am 10. Juli kam der FWG-Antrag nicht auf die Tagesordnung. „Damit er nicht in öffentlicher Sitzung diskutiert wird“, moniert Lührs. „Wegen nicht gegebener Zuständigkeit“, wie Hoppmann und Schroeder meinen. Im nichtöffentlichen VA in der vergangenen Woche, so die beiden Sprecher von CDU und Grünen, sei der Antrag „ausführlich diskutiert“ worden. Man habe „ganz im Sinne des FWG-Antrages zusätzlich die Pflanzung einer Ersatzhecke beschlossen“. Lührs habe diesem Beschluss seine Zustimmung verweigert „und sich damit gegen die Inhalte seines eigenen Antrages gestellt“.

Die Gruppe CDU/Grüne hat nun nach eigenen Angaben die Verwaltung beauftragt, die Dornenhecke in den Herbstferien gegen einen Metallzaun zu ersetzen – ursprünglich war das schon für die Sommerferien geplant. Gleichzeitig, so Hoppmann und Schroeder, habe man „den Wittinger Ortsrat beauftragt, für die umgehende Ersatzpflanzung einer geeigneten Hecke noch in diesem Jahr zu sorgen, damit der Lebensraum und Nistplatz für Tiere und die Ortsbildprägung erhalten bleibt“.

Lührs berichtet derweil, die Rodung sei nun in die Herbstferien verlegt worden, weil er im VA auf die Sperrzeit bis zum 30. September nach § 39 Bundesnaturschutzgesetz hingewiesen habe. Die FWG werde „mit allen Mitteln für den Erhalt dieser Hecke eintreten“. Der BUND sei ebenfalls involviert, die Grünen im Stadtrat sieht Lührs „auf Tauchstation“.

An den Landkreis Gifhorn hat der FWG-Politiker, der für die FDP auch im Kreistag sitzt, den Antrag gestellt, die Weißdornhecke in die Liste der Naturdenkmäler aufzunehmen. Sie sei 1922 beim Bau der Grund- und Hauptschule gepflanzt worden, damit 95 Jahre alt und ortsbildprägend. Der ökologische Wert des Weißdorns sei sehr hoch, und die Hecke befinde sich in einem vitalen Zustand.

Kritik am Abriss der Hecke kommt auch vom Wittinger Jochen Bellin: Der hat über seine Anwältin bei der Stadt unter anderem eingefordert, erst einmal die rechtlichen Grundlagen der öffentlich bisher wenig diskutierten Maßnahme zu erläutern.

Von Holger Boden

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