„Was ist Sicherheit wert?“

Nach Auffassung des Kreisbrandmeisters Willi Aldinger, muss man mit 62 Jahren seinen aktiven Dienst nicht an den Nagel hängen. Man durchaus Führungsaufgaben in der Feuerwehr übernehmen.

Landkreis Gifhorn - Von Carola Peiser. Nach derzeitiger gesetzlicher Lage müssen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ihren aktiven Dienst mit ihrem 62. Lebensjahr beenden. Der gesundheitliche Zustand und die Leistungsfähigkeit findet allerdings keine Berücksichtigung. Die Kreis-FDP hat an ihre Landtagsfraktion einen Antrag gestellt, dies zu ändern. Wie Kreistagsmitglied Dr. Stefan Armbrecht mitteilt, fand dieser Antrag uneingeschränkte Zustimmung.

„Ich würde das nicht kategorisch ablehnen“, meint Kreisbrandmeister Willi Aldinger auf IK-Anfrage. „Dass ein 64-Jähriger nicht mehr unter Atemschutz in ein brennendes Haus geschickt wird, ist klar. Aber man könnte das Mindestalter erhöhen, sodass die Mitglieder Führungsaufgaben übernehmen können.“ Gerade die Älteren hätten den notwendigen Führerschein, um größere Einsatzfahrzeuge fahren zu können.

„Die heutigen 60-Jährigen sind doch körperlich auch fitter als die 60-Jährigen vor 30 Jahren. Außerdem ist man mit über 60 Jahren heutzutage noch am arbeiten“, betont Aldinger. Einzelne Bundesländer wie Schleswig-Holstein hätten die Altersbegrenzung auf 67 erhöht. In vielen Gemeinden ist die Einsatzbereitschaft der Wehren durch die Arbeitstätigkeit ihrer Mitglieder besonders an Werktagen beeinträchtigt. Viele Aktive haben ihren Arbeitsplatz in 60 oder 80 Kilometern Entfernung.

Aldinger sieht noch ein ganz anderes Problem: Von den rund 5000 aktiven Mitgliedern im Landkreis Gifhorn sind etwa 2000 zwischen 40 und 50 Jahre alt. In zwölf Jahren müssen die heute 50-Jährigen aus dem aktiven Dienst aussteigen. „Was ist, wenn in zwölf Jahren dann noch der eine oder andere 40-Jährige aus Krankheitsgründen aus der Feuerwehr aussteigen muss? Dann würde jede dritte Wehr im Landkreis Gifhorn fehlen“, befürchtet Aldinger.

Nach Meinung des Kreisbrandmeisters müssten die Kommunalpolitiker sensibilisiert werden: „Sie müssen sich überlegen, wie die Wehren erhalten werden können. Aber da heißt es nur, die Wehren sind zu teuer. Nun gut, dann muss die Politik mal sagen, was ihnen die Sicherheit wert ist. Wehren zusammenzulegen darf nicht von der Politik diktiert werden. Wenn es auf freiwilliger Basis geschieht, wie in Müden-Dieckhorst, dann hat man auch eine schlagkräftige Wehr.“

In Sachen Feuerwehr-Nachwuchs und demografische Entwicklung kann Aldinger keine Neuigkeiten berichten. Der Landesfeuerwehrverband, in dem Aldinger Mitglied ist, wollte im Sommer Lösungsansätze vorlegen. „Bisher stecken wir da immer noch in den Kinderschuhen. Anfang Dezember wird es in Gifhorn eine Informationsveranstaltung geben, zu der auch der Landesbrandmeister kommen wird“, stellt Aldinger in Aussicht. Ferner müsse auch erst feststehen, in welche Richtung die Politik geht.

Laut Aldinger habe man bisher im Landkreis Gifhorn sehr gute Jugendarbeit in den Wehren geleistet, daher sei das Problem nicht ganz so gravierend wie in anderen Landkreisen. Jährlich würden zwischen 80 bis 100 Jugendliche in die aktive Wehr überführt.

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