Freibad-Diskussion nach vorzeitiger Schließung: Erste Politiker zeigen Stoßrichtung auf

„Was nutzen Millionen auf Konto?“

Die untergehende Sonne spiegelt sich im Schwimmerbecken des Ernst-Siemer-Bades. Das vorzeitige Saisonende und die Folgen werden die Wittinger Politik in den nächsten Wochen und Monaten noch beschäftigen.

Wittingen. Der Sommer wollte auch in den ersten September-Tagen nicht weichen – doch wer in Wittingen dieser Tage Erfrischung sucht oder beim Bahnen-Schwimmen die Fitness festigen will, schaut in die Röhre.

Nach der vorzeitigen Schließung des Ernst-Siemer-Bads vor zwei Wochen trägt das gute Wetter nicht dazu bei, dass die Enttäuschung vieler Bürger schnell verebbt. Gleichzeitig fragen sich viele Wittinger schon mit Blick auf die Saison 2019: Wie geht es weiter mit dem Freibad?.

Friedrich O. Winkelmann, der auch Vorsitzender des Freibad-Fördervereins ist, richtet nun als „Nutzer, dem am Fortbestand des Freibades etwas liegt“ an die Wittinger Politik die Forderung, sich „positiv zum Erhalt des Bades zu stellen“ und die Einrichtung nachhaltig auszustatten. Neben den Defekten an Pumpen und Steuerungstechnik, die nun zu beheben seien, zielt Winkelmann dabei auch auf die Grundstruktur des Schwimmerbeckens ab, die vor Jahren schon einmal in der Diskussion war. Jetzt sei der Zeitpunkt, um über eine Edelstahl-Wanne für das Becken nachzudenken – im Nichtschwimmerbecken habe sich diese Alternative bewährt. In der Vergangenheit hatte es beim Schwimmerbecken wiederholt Probleme mit der Folie gegeben, auch Wasserverlust war ein Thema. Winkelmann fordert außerdem eine Aufarbeitung der Frage, warum die kaputte Technik erst auf die Tagesordnung kam, als es schon zu spät und eine Schließung die Folge war.

Politischer Rückenwind für Investitionen in das Freibad kommt bereits von Christian Schroeder (Grüne), dessen Fraktion mit der CDU in der Ratsmehrheit sitzt: „Das Nichtschwimmerbecken in Knesebeck zeigt, was passiert, wenn nötige Instandhaltungen nicht rechtzeitig ausgeführt werden. Es kann nicht sein, dass das Bad bei 28 Grad geschlossen hat.“ Und: „Ich erwarte, dass die Verwaltung verlässlich ermittelt, was nötig ist, um beide großen Bäder im Stadtgebiet im nächsten Jahr vollumfänglich und termingerecht an den Start zu bringen. Was nutzen uns Millionen auf dem Konto, wenn die Infrastruktur den Bach runter geht?“ Die Grünen wollen sich mit dem Förderverein über Handlungsbedarf unterhalten.

Eine erste Chance für die Politik, über den frühzeitig beendeten Sommer im Ernst-Siemer-Bad zu diskutieren, wäre der Bauausschuss am kommenden Montag. Auf die Tagesordnung hat das Bad es nicht geschafft. Der Ausschussvorsitzende Karl-Heinz Gauert (CDU) will das ändern: „Das kann man nicht liegenlassen. Ich werde das Thema ansprechen.“

Aus Sicht von Stadtbürgermeister Karl Ridder gibt es derweil noch nicht viel zu besprechen: „Mir fehlen noch die Fakten.“ Dazu solle es ein Gespräch mit den Schwimmmeistern und der zuständigen Kraft im Bauamt geben, das sei aber voraussichtlich erst Mitte September möglich. Er selbst habe den Eindruck, dass zumindest einige der Mängel früher hätten bemerkt werden können – warum das nicht geschehen sei, sei aber derzeit Spekulation. Zur Schließung, das betont Ridder, habe es keine Alternative gegeben, da es angesichts des Ausfalls einer Umwälzpumpe schon zu erster kleiner Algenbildung gekommen sei.

Von Holger Boden

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