Wittinger Ortsrat will neue Maßnahmen zur Vergrämung

Was hilft noch gegen die Krähen?

Mehrere Nester von Saatkrähen thronen in einem Baum an der Wittinger Südstraße.
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Südstraße, Mai dieses Jahres: Die Bäume am Spielplatz gelten als einer der Hotspots der Wittinger Saatkrähen-Problematik.
  • Holger Boden
    VonHolger Boden
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Wittingen – Auf dem Höhepunkt der Brutsaison waren es 160 Nester an den aktiven Standorten, im Minimum wurde in 113 Nestern gebrütet: Der Wittinger Ortsrat bekam in seiner jüngsten Sitzung die Bilanz zur Saatkrähen-Saison 2020 vorgelegt – und will nun, dass nach weiteren Möglichkeiten gesucht wird, das Problem in den Griff zu bekommen.

Der von der Stadt beauftragte Landespfleger Thorsten Rahn erinnerte die Ortspolitik daran, dass das Monitoring im kommenden Jahr ausläuft, und dass es Zeit sei zu überlegen, ob und wie es weitergehen soll. Seine Analyse: Die Zahlen seien leicht rückläufig, das sei aber kein Grund, sich zu früh zu freuen. Negativ sei zu vermerken, dass sich die Nester-Landschaft über den Wittinger Dächern stärker zersplittert habe. Seine Botschaft: Der Versuch, die streng geschützten Tiere in Bereiche zu bugsieren, wo sie niemanden stören, ist ein Marathon und kein Sprint.

Die Zersplitterung ist laut Rahn auch auf Selbsthilfe von genervten Bürgern zurückzuführen: „Es gab offensichtlich illegale Vergrämungen, das ist kontraproduktiv.“ Kurzfristige Maßnahmen, die Krähen durch Licht oder Lärm loszuwerden, hätten „noch nirgends nachhaltig funktioniert“. Er verstehe, dass Krach und Verschmutzung durch Krähen „eine Belastung sein kann“, schränkte aber ein, man habe es ja „nur“ mit zwei bis drei Monaten Krähenlärm zu tun.

Das sah Ortsratsmitglied Jörg Friedrichs, der selbst von der Problematik betroffen ist, ganz anders: „Das geht nicht drei Monate, sondern das ganze Jahr. Das ist eine seelische Belastung, man kann nicht mehr bei offenem Fenster schlafen. Wer schützt uns Menschen vor dem Lärm?“ Friedrichs sprach sich dafür aus, „alle erlaubten Maßnahmen“ zum Vergrämen einzusetzen.

Zuvor hatte Rahn erläutert, man solle versuchen, die Saatkrähen „aufs Land zu bekommen“. Bisher sei das Problem in erster Linie mit Blick auf die innerörtliche Perspektive angegangen worden. Grünland oder Blühstreifen mit Sonnenblumen in der Nähe attraktiver Brutplätze könnten die Saatkrähen möglicherweise aus den Stadtmauern locken. Darüber müsse man mit Landwirten ins Gespräch kommen und sie dann möglicherweise auch entschädigen. Rahn sagte aber auch, es gebe bei diesem Vorgehen „keine Garantie“ für einen Erfolg. Und etwas entmutigend fügte er hinzu: „Ich kenne keine konkreten Beispiele von Städten, wo es funktioniert hat.“

Während sich Hildrun Mitschke (SPD) mit der Methode „Blühstreifen“ anfreunden konnte, meinte Ortsbürgermeister Matthias Rönneberg (BA): „Wir sollten in bestimmten Bereichen das Maximum an Vergrämung an den Vogel bringen.“ Auch aus Reihen der Zuhörer kamen Rufe nach zielgerichteter Vergrämung.

Eine Erkenntnis der Sitzung: Die Krähenklappen, die vor der Brutsaison aufgehängt werden, gelten nicht als echte Lösung. Das räumte auch Rahn ein: „Niemand kann gewährleisten, dass die Klappen regelmäßig bedient werden.“ Als denkbare weitere Maßnahmen skizzierte er den „verantwortungsvollen“ Einsatz von Laserlicht per Ausnahmegenehmigung außerhalb der Brutzeit oder auch die Installation von „Drachen“ auf drei Meter hohen Stangen. Klar sei, dass das Vorgehen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden müsse.

Tenor der Sitzung: Experten sollen noch einmal an einen Tisch kommen, Rönneberg brachte eine Art Arbeitskreis ins Spiel. Und Stadtbürgermeister Andreas Ritter dachte laut über einen „ehrenamtlichen Vergrämer“ nach, den man vielleicht benötige.

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