Saatkrähen nerven Wittinger an neuen Standorten – und haben auch alte Nester teils wieder bezogen

„Warum nicht ganzjährig vergrämen?“

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Neue Heimat: Den Ortsausgang Richtung Suderwittingen haben sich viele Saatkrähen als Quartier ausgesucht.

Wittingen. Mitte Mai, es dämmert früh, und mancher Wittinger ist dieser Tage früh wach. Nicht freiwillig, um die Farben des Morgenhimmels zu bewundern, sondern geweckt von Krähenrufen.

Wer betroffen ist, ist nicht unbedingt zufrieden mit den ersten Ergebnissen der Vergrämung durch Krähenklappen, die bis Mitte März erlaubt war.

„Viele melden sich bei mir, ich bin wohl so etwas wie der Krähenbeauftragte“, sagt Rolf Franke. Jetzt, im Frühling, steige der Leidensdruck bei denjenigen, die nicht weit von einem Krähennest wohnen. Sie fühlen sich durch Lärm und Kot belästigt. Als Franke bei einem Ortstermin in der Innenstadt einen Nest-Anlieger auf das Thema Krähen anspricht, trifft er erkennbar einen Nerv: „Ach, hör bloß auf – diese Sch...viecher.“

Franke hatte im Mai 2014 mehr als 500 Unterschriften gegen die Saatkrähen-Plage in der Stadt gesammelt. Anfang 2017 kam nach jahrelanger Diskussion die Nachricht, dass der Stadt erlaubt wird, mit Krähenklappen an acht Standorten dafür zu sorgen, dass es den Krähen dort nicht so gut gefällt, weil es von unten immer mal wieder „bam“ macht.

Zum Teil hatte das Erfolg, wie Franke jetzt bilanziert. Der Hindenburgwall sei im Prinzip frei, auch am Spielplatz am Umweg sei kein Nistbetrieb zu verzeichnen. Doch eine Zählung, die Franke Anfang des Monats vorgenommen hat, zeigt auch, dass das Problem in der Tat längst nicht gelöst und zum Teil nur verlagert worden ist – ein geplagter Anwohner hatte das schon vor einigen Wochen resümiert. Am Ortsausgang Richtung Suderwittingen: 20 Nester. Am Stephanushaus: 21 Nester, dahinter noch einmal 4 weitere. Am Umweg auf Höhe von Hol ab und im weiteren Verlauf Richtung Uelzener Straße: 15 Nester. Neu sind nach Frankes Beobachtung auch drei Nester hoch oben zwischen Junkerpark und Junkerstraße.

Als Ausweichstandorte für die Krähen waren eigentlich die Tennisplätze, die Bäume bei Emsland Food, die Nachtweide und der Baumbestand an der Fulau im Westen der Stadt vorgesehen. Die Vögel haben sich nicht ganz daran gehalten, mal abgesehen davon, dass sie beispielsweise beim Tennisplatz auch niemand haben will.

Von Beginn an war klar, dass die Vergrämung Anfang des Jahres nur der Beginn eines längeren Prozesses sein würde. Am 15. März endete der Krähenklappen-Einsatz auf Weisung des Landkreises Gifhorn vorläufig beendet, seitdem hat wieder die Stunde der fachkundigen Beobachtung des Problems geschlagen. Bis etwa Ende Mai – da werden die Jungtiere flügge – läuft ein Monitoring zur Entwicklung der Wittinger Saatkrähenpopulation. Unternehmen darf bis auf weiteres niemand mehr etwas.

In Frankes Augen ist das falsch: „Warum erlaubt man nicht die ganzjährige Vergrämung? Die Krähen müssten dann halt woanders ihre Nester bauen, mehr würde ihnen ja nicht passieren.“

16 Standorte mit 173 Nestern – das ist die offizielle Zählung für 2016 in einem Dokument, das Grundlage für das den Wittingern zugestandene Vergrämungskonzept ist. In dem Konzept steht auch, dass das Konzept gegebenenfalls für das Folgejahr „angepasst“ wird.

Darauf hofft Franke. Das Ende der Klappersaison sei viel zu früh gewesen: „Bis zum 15. März waren am Stephanushaus alle Nester bis auf eins abgebaut. Am 17. März ging es da mit dem Bau wieder los.“

Von Holger Boden

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