Neues Parament in Wittinger St. Stephanuskirche / Werk der Handwebmeisterin Marianne Hartmann

Ein Vorhang mit Symbolkraft

Superintendent Martin Berndt freut sich über das von Marianne Hartmann gefertigte und von Ruth Martini (sitzend) sowie Barbara Berger (†) gestiftete Parament. Foto: Boden

Wittingen. Wer achtet schon auf einen Vorhang? Nun, viele Kirchgänger tun dies sehr wohl. Und zumindest unbewusst dürften in diesen Tagen die Besucher der Wittinger St. Stephanuskirche wahrnehmen, dass der Altar von einem hellen Antependium geschmückt wird.

Antependium? Man könnte auch Parament sagen. Auch das kein gebräuchlicher Begriff, den man jeden Tag hört. Beides – das eine auf Lateinisch, das andere auf Griechisch – bedeutet schlicht Vorhang. Und der wird in Kirchen so ausgewählt, dass er zur kirchlichen Jahreszeit passt.

Derzeit also Weiß. Vor wenigen Tagen dominierte am Altar noch Lila – die Farbe, die nach der Kirchenordnung in die Advents- wie auch in die Passionszeit gehört. Beides eine Zeit der Vorbereitung, des In-sich-Gehens.

Dieses lila Parament haben die Wittinger drei Frauen zu verdanken. Ruth Martini und die inzwischen verstorbene Barbara Berger haben den Vorhang, der in diesem Advent zum ersten Mal aufgehängt wurde, gestiftet. Er stammt aus der Werkstatt der Wittinger Handwebmeisterin Marianne Hartmann.

Hartmann, im Jahr 2000 mit dem Ehrenring der Deutschen Handweberei ausgezeichnet, ist zwar inzwischen im Ruhestand, hatte sich aber von Martini und Berger überreden lassen, ihre Kunst noch einmal für die Kirchengemeinde einzusetzen.

Für Martini, die wie Berger lange Jahre als Religionslehrerin gearbeitet hat, ist die Stiftung des Antependiums eine Form der Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass sie beide als Frauen der Kriegsgeneration nach dem Krieg ihren Lebensunterhalt erwirtschaften konnten.

Dankbar ist nun auch Superintendent Martin Berndt: „Wir wollten ohnehin eine neue Gestaltung“ – das neue Parament sei da genau richtig gekommen.

Martini sagt, sie und Berger seien immer Bewunderinnen der Arbeit von Hartmann gewesen. Ein Werk der Webmeisterin gibt es schon in der Kirchengemeinde – ein grünes Parament, das für die Trinitatis-Zeit vorgesehen ist.

Neben dem Weiß der hohen Feste gibt es im kirchlichen Jahreszyklus außerdem Rot für Pfingsten und Schwarz für den Karfreitag. Nicht ausgeschlossen, dass bald auch ein neues helles Parament gezeigt werden kann – Spenderinnen dafür soll es schon geben.

Den lila Vorhang, der neben der Dornenkrone auch den Stern von Bethlehem zeigt, und dessen goldenes, strahlendes Zentrum laut Berndt die „leuchtende Sphäre Gottes“ symbolisiert, werden die Kirchenbesucher erst am Sonntag Palmarum in der vorösterlichen Zeit wieder zu sehen bekommen. Denn im Rahmen der Winterkirche finden die Gottesdienste im Wesentlichen im Gemeindehaus statt.

Eine Ausnahme bildet der Visitationsgottesdienst am 29. Januar. Dann allerdings hängt noch das Weiß aus der Weihnachtszeit.

Von Holger Boden

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