72-Jährige mit Gartenarbeit betrogen / Forderungen sind überhöht

Vorfall in Knesebeck: Polizei Wittingen warnt vor Abzocke

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Eine 72-jährige Knesebeckerin wurde jetzt bei Gartenarbeiten über den Tisch gezogen. Die Polizei Wittingen mahnt zur Vorsicht.

Knesebeck/Wittingen. „Das ist eine bundesweite Vorgehensweise und nicht nur in Knesebeck so“: Werner Sülflow, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes bei der Polizei Wittingen, warnt die Bevölkerung vor einer Betrugsmasche, bei der besonders ältere Personen betroffen sind.

Konkret geht es um einen Vorfall in Knesebeck vom 21. Juni, schildert Sülflow im IK-Gespräch. Dort habe eine männliche Person den Bürgern mittels eines Flyers (siehe Foto) das Erledigen von Gartenarbeiten angeboten. Auf dem Flyer sei nur ein Nachname und eine Han- dynummer angegeben worden. Eine 72 Jahre alte alleinstehende Knesebeckerin habe ihr Grundstück wieder gepflegt haben wollen. Sie habe die Nummer angerufen und es sei auch jemand vorbeigekommen.

Es wurde abgemacht, dass der Mann den Rasen mähen und die Gehwegplatten säubern sollte. 2400 Euro wollte er nach kurzem Blick auf die rund 400 Quadratmeter große Rasenfläche und die knapp 200 Quadratmeter große gepflasterte Fläche samt Terrasse als Lohn haben.

Die Knesebeckerin nahm das Angebot an und gab ihm die Summe, die er vorab haben wollte, bar in die Hand. Der Mann begann darauf hin mit den Arbeiten. „Ein aufmerksamer Nachbar hat uns angerufen und gemeint, wir sollten den Mann, der ihm verdächtig vorkam, mal überprüfen“, schildert Sülflow den weiteren Ablauf der Dinge. Die Beamten trafen die männliche Person aus dem Raum Stade auf dem Grundstück an. Er fahre einen weißen Lieferwagen mit Gifhorner Kennzeichen, sagt Sülflow. „Ein Bewohner der Diakonie Kästorf hat den Wagen im Gegenzug für 50 Euro auf seinen Namen zugelassen“, so der Beamte. Das mache nicht so misstrauisch wie ein Stader, Kieler oder Münchner Kennzeichen.

„Wir haben das Bargeld beschlagnahmt. Uns war klar, dass der Lohn nicht angemessen war.“ Die Überprüfung des Mannes habe ergeben, dass dieser Sozialleistungen beziehe und somit eine Erwerbstätigkeit ausgeschlossen sei. Die Beamten leiteten ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann ein – mit Blick auf den eigentlichen Wert der Arbeit und der erheblichen 2400-Euro-Forderung. Ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb habe für die Arbeiten Kosten von 600 Euro veranschlagt.

„Jetzt entscheidet ein Gericht“, sagt Sülflow, der davon ausgeht, dass die Frau ihr Geld wohl wieder bekommt.

Im ländlichen Bereich komme es immer wieder zu solchen Vorfällen, weiß der Beamte. Sein Tipp: Die Bürger sollten bei anfallenden Arbeiten am oder im Haus die örtlichen Handwerker fragen, was preislich angemessen ist. Meist sei das Einholen von Kostenvoranschlägen kostenlos. „Normalerweise gilt auch: erst die Leistung, dann die Rechnung“, betont Sülflow.

Von Paul Gerlach

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