Wittingen: Ridder will runden Tisch zur Hermann-Löns-Schule / Hilferuf der Tafel an Kommunen

Vorbereitung auf 235 Flüchtlinge in Hermann-Löns-Schule

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In der Hermann-Löns-Schule sollen 235 Flüchtlinge wohnen – eine große Aufgabe auch für die Stadt und das Diakonische Werk.

Wittingen. Nach der Nachricht, dass 235 Flüchtlinge in der Hermann-Löns-Schule untergebracht werden sollen, haben in Wittingen die Überlegungen für die Betreuung dieser Menschen begonnen.

Die schon jetzt überforderte Wittinger Tafel schickt derweil einen Hilferuf an die Kommunen, aus den Flüchtlinge zu den Ausgaben kommen.

Vielleicht wird es in Wittingen einen runden Tisch geben, der sich Gedanken über die geplante Groß-Unterkunft an der Rammestraße machen soll. Das jedenfalls hat Stadtbürgermeister Karl Ridder gestern nach eigenen Angaben in einem Gespräch mit Imke Banse diskutiert, die als Sozialarbeiterin beim Diakonischen Werk in der Flüchtlingsbetreuung tätig ist. Da müsse dann über Fragen wie ärztliche Versorgung und vieles mehr gesprochen werden, so Ridder. Mit am Tisch sitzen müsse auch der Landkreis, dessen „originäre Aufgabe“ die Aufnahme der Flüchtlinge sei.

Ridder sagte, er habe gegenüber dem Landkreis seinen „Unmut kundgetan“ hinsichtlich der „nicht guten Informations-Politik“ in Sachen Hermann-Löns-Schule. Anwohner hatten am Freitag ebenfalls kritisiert, dass sie nicht über die nun tatsächlich erfolgende Belegung (voraussichtlich Mitte Februar) in Kenntnis gesetzt wurden, bevor Ende der Woche Matratzen und Möbel in der Rammestraße anrollten.

Im Rathaus wird man sich auch über Schul- und Kindergartenplätze für die zusätzlichen Flüchtlingskinder Gedanken machen. Noch geht das gar nicht – niemand weiß bisher, wie viele Minderjährige unter den 235 zugewiesenen Menschen sein werden.

Vergleichsweise einfach dürfte wohl das Problem des Hallensports zu lösen sein. Ridder zufolge betrifft die Sperrung der Hermann-Löns-Halle für den Sportbetrieb nur drei bis vier Vereine, von denen sich ein Teil nach Kenntnis der Verwaltung „eher sporadisch“ treffe. Den Sportlern werde man in städtischen Hallen Trainingszeiten anbieten können.

Eine Verschärfung ihrer Probleme erwartet derweil die Vorsitzende der Wittinger Tafel, Laura Osterloh. Sie hatte am Freitag gerade einen Aufnahmestopp für Neukunden verhängt, als die Konkretisierung der Pläne für die Hermann-Löns-Schule publik wurde. Angesichts von über 200 weiteren potenziellen Kunden sei endgültig der Punkt gekommen, wo die Tafel die Hilfe der Kommunen brauche.

Landrat Dr. Andreas Ebel sagt dazu, dass er „für Gespräche zur Verfügung“ stehe, dass aber Asylbewerber seiner Ansicht nach nicht zwangsläufig Tafel-Kunden werden müssen. Es sei zuzumuten, aus den monatlichen Leistungen den Lebensunterhalt auch so zu bestreiten.

Osterloh allerdings hat die Zahlen ihrer Kunden mit den zahlen des Diakonischen Werks abgeglichen – und sie sagt, de facto sei es so, dass die Flüchtlinge zur Tafel kommen. Mit den Zahlen will sie an die Stadt Wittingen ebenso herantreten wie an die Samtgemeinden Hankensbüttel und Brome sowie den Landkreis: „Wir können es nicht mehr schaffen, wir brauchen konkrete Hilfe.“

Von Holger Boden

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